Gerüchte um Übernahme: Die Unabhängigkeit der Commerzbank ist bedroht

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Gerüchte um Übernahme: Die Unabhängigkeit der Commerzbank ist bedroht

von Mark Fehr

UBS, BNP Paribas oder Santander: Übernahmegerüchte lassen die Commerzbank-Aktie steigen. Wird Deutschlands zweitgrößte Bank bei einem Konkurrenten integriert oder kann sie ihre Selbständigkeit verteidigen?

Die Gerüchte über einen baldigen Ausstieg des deutschen Staates aus der Commerzbank reißen nicht ab. Die von einem möglichen Verkauf des verbliebenen staatlichen Anteils von 17 Prozent an einen strategischen Investor ausgelöste Phantasie sorgt für Kurssprünge der Commerzbank-Aktie. Das Papier stieg um über zwei Prozent auf mehr als acht Euro. Laut eines Medienberichts soll das Bundesfinanzministerium Gespräche mit strategischen Investoren über einen Einstieg bei Deutschlands zweitgrößter Bank führen.

Zu den möglichen Interessenten könnte die Schweizer Bank UBS gehören, bei der der ehemalige Bundesbankpräsident Axel Weber den Verwaltungsrat führt. Auch die französische Großbank BNP Paribas wird als potenzieller Investor genannt, ebenso die spanische Bank Santander. Beide sind bereits auf dem deutschen Markt aktiv.

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Auch die WirtschaftsWoche hatte im Juli berichtet, dass Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble einen baldigen Ausstieg aus der Commerzbank anpeile und BNP Paribas, Santander sowie die UBS als mögliche Interessenten für das staatliche Aktienpaket genannt. Das Bundesfinanzministerium hatte daraufhin allerdings gesagt, dass keine Gespräche mit möglichen Investoren stattgefunden hätten.

Mehrere Interessenten Bund will Commerzbank-Anteil nicht am Markt verkaufen

Der Bund will den auf 17 Prozent geschrumpften Anteil an der Commerzbank an einen strategischen Investor verkaufen. Das Interesse sei „erstaunlich groß“, berichtet das „Manager Magazin“. Auch Namen werden genannt.

Eine europäische Bank sei der Regierung als Käufer für die Commerzbank-Anteile willkommen, berichtet das Magazin. Quelle: Reuters

Der Verkauf des staatlichen Anteils wird jedoch kaum möglich sein, wenn die Bank ihre bisherige Struktur behält. Zu Recht weisen Analysten darauf hin, dass die Konkurrenten genug eigene Probleme zu bewältigen haben und daher kaum bereit sein dürften, die Altlasten der Commerzbank mit zu übernehmen. Die Regierung könnte sich daher versucht sehen, dem angeschlagenen Kreditinstitut bei der Abwicklung seiner eingestellten Staats- und Schiffsfinanzierung mit staatlichen Hilfen unter die Arme zu greifen. Dann ließe sich der Aktienanteil des Bankenrettungsfonds Soffin möglicherweise einfacher und ohne größere Verluste privatisieren.

Mit dem amtierenden Bankchef Blessing wäre ein solcher Schritt wohl kaum zu machen, denn er soll gesagt haben, keine Staatshilfe mehr annehmen zu wollen. Wenn Wolfgang Schäubles Bundesfinanzministerium nach den Wahlen tatsächlich flott aus der Commerzbank aussteigen will, wird Blessing wohl keine Zeit mehr haben, das Unternehmen auf einen neuen Kurs zu bringen. Das laufende Geschäftsjahr hat er zu einem Übergangsjahr erklärt, und es ist zu bezweifeln, dass sich die Zahlen 2014 so deutlich verbessern, dass der Börsenkurs nachhaltig steigt. Die jüngsten Gerüchte sprechen nicht dafür, dass die Regierung noch so lange Geduld hat. Die Selbständigkeit der Commerzbank steht angesichts dieser Optionen auf der Kippe.

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Tatsächlich könnte der Verkauf des Anteilspakets an einen strategischen Konkurrenten aus Sicht der Steuerzahler günstiger enden als ein Verkauf am Kapitalmarkt. Würde der Staat seine rund 195 Millionen Commerzbank-Aktien zum Preis von acht Euro an der Börse verkaufen, würde er nur rund 1,5 Milliarden Euro erlösen und damit einen milliardenschweren Verlust verbuchen. Der Bankenrettungsfonds hat in mehreren Schritten rund fünf Milliarden Euro in seinen Aktienanteil an der Commerzbank investiert. Der durch die jüngsten Übernahmegerüchte ausgelöste Kurssprung ist für den Bund also nur ein Tropfen auf dem heißen Stein.

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