US-Banken deutlich stärker als Europas Wettbewerber

Gewinne sprudeln: US-Banken deutlich stärker als Europas Wettbewerber

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Zehn Jahre nach der Finanzkrise sprudeln an der Wall Street die Gewinne.

Zehn Jahre nach der Finanzkrise sprudeln an der Wall Street die Gewinne. Europas Banken hinken hinterher. Nach Einschätzung von Experten wird sich daran so schnell auch nichts ändern.

Die großen US-Banken laufen ihren europäischen Wettbewerbern in Sachen Profitabilität immer weiter davon. Zwar konnten Europas Großbanken im ersten Halbjahr ihre Gewinne im Vergleich zum Vorjahreszeitraum steigern. Jenseits des Atlantiks stiegen die Überschüsse aber deutlich kräftiger, wie eine am Sonntag veröffentlichte Auswertung des Beratungsunternehmens EY ergab.

Die zehn nach Bilanzsumme größten Geldinstitute in Europa verdienten demnach in den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres unter dem Strich zusammen rund 24,2 Milliarden Euro und damit fünf Prozent mehr als vor Jahresfrist. In Europa führt die britische Großbank HSBC (rund 6,6 Milliarden Euro Gewinn) die Rangliste an vor der französischen BNP Paribas (rund 4,3 Milliarden Euro). Einziges deutsches Institut unter den europäischen Top Ten ist die Deutsche Bank, die mit gut einer Milliarde Euro Überschuss im ersten Halbjahr auf Platz neun landet.

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Die US-Konkurrenz kam derweil zusammen auf umgerechnet fast 57,5 Milliarden Euro - ein Plus von 19 Prozent. Spitzenreiter dort: JPMorgan Chase mit 11,8 Milliarden Euro Überschuss im ersten Halbjahr.

Deutsche Banken im Strudel der Finanzkrise

  • BayernLB

    Die Landesbank hatte sich im Zuge der US-Hypothekenkrise verspekuliert und musste mit Notkrediten von zehn Milliarden Euro gestützt werden. Die EU-Kommission verordnete eine radikale Schrumpfkur mit Halbierung der Bilanzsumme. Für das vergangene Jahr konnte die BayernLB wieder einen Nettogewinn von 545 Millionen Euro vermelden – zehn Prozent mehr als im Vorjahr.

  • Commerzbank

    Die zweitgrößte deutsche Privatbank geriet nach der riskanten Übernahme der Dresdner Bank mitten in der Finanzkrise in Turbulenzen. Der Staat sprang ein. Die direkten Staatshilfen haben die Frankfurter vor einigen Jahren zurückgezahlt. Der Bund ist mit rund 15 Prozent aber weiterhin größter Einzelaktionär der Commerzbank.

  • HRE

    Der Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate war im Jahr 2008 fast kollabiert und musste mit staatlichen Milliardenhilfen aufgefangen werden, um den Finanzplatz Deutschland nicht zu gefährden. Ein Jahr später wurde die Bank notverstaatlicht. Die Altlasten wurden 2010 in eine Abwicklungsanstalt ausgelagert, die weiter im Staatsbesitz ist. Die profitable Kernbank Deutsche Pfandbriefbank kam 2015 an die Börse, doch blieb der Bund Großaktionär.

  • HSH Nordbank

    Die Landesbank geriet 2008 in den Strudel der Finanzkrise und musste von den Ländern Hamburg und Schleswig-Holstein gerettet werden. Im Gegenzug für die Genehmigung milliardenschwerer Ländergarantien setzte die EU-Kommission den Verkauf des Instituts bis 2018 durch.

  • IKB

    Die IKB Deutsche Industriebank war eines der ersten Opfer der Krise. Sie verspekulierte sich mit US-Hypotheken und wurde 2007 von der staatlichen Förderbank KfW, dem Bund und anderen Banken mit Milliarden gerettet. 2008 übernahm der US-Finanzinvestor Lone Star die Mehrheit an der IKB.

  • LBBW

    Die Eigner – das Land Baden-Württemberg, die Sparkassen im Südwesten und die Stadt Stuttgart – stützten das Institut 2009 mit einer milliardenschweren Kapitalspritze und Bürgschaften. Als Auflage für die Hilfen verordnete die EU der Bank eine Schrumpfkur und einen strengen Sparkurs. Inzwischen ist das Institut wieder auf Kurs.

  • SachsenLB

    Das Institut stand im Sommer 2007 wegen fragwürdiger Kreditgeschäfte in Milliardenhöhe am Rand des Abgrunds. Die Bank wurde an die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) notverkauft.

  • WestLB

    Die einst größte deutsche Landesbank ist mittlerweile Geschichte. Das Institut war durch Fehlspekulationen tief in die roten Zahlen gerutscht und musste von ihren Eigentümern – dem Land NRW und den Sparkassen – mit Milliarden gestützt werden. Im Gegenzug verlangten die EU-Wettbewerbshüter eine Zerschlagung. Mitte 2012 wurde der Düsseldorfer Konzern aufgespalten. Das Sparkassengeschäft übernahm die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba).

„In Europa sind viele Banken nach wie vor damit beschäftigt, Altlasten abzuarbeiten und sich neu aufzustellen“, sagte EY-Bankenexperte Dirk Müller-Tronnier. Oft sei das mit hohen Kosten verbunden. Gerade in südeuropäischen Ländern belasteten noch immer ausfallgefährdete Kredite die Bilanzen. In den USA trugen staatlich verordnete Milliardenspritzen nach der jüngsten Finanzkrise 2007/2008 dazu bei, dass sich die dortige Finanzbranche schneller erholte.

„Obendrein erwirtschaften die Banken wegen des niedrigen Zinsniveaus im Zinsgeschäft kaum noch Gewinne“, führte Müller-Tronnier mit Blick auf die aktuelle Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) aus. „Dank des dort höheren Zinsniveaus sind auch in diesem Punkt die US-Banken im Vorteil.“

Europäische Bankenvereinigung Banken in der EU strichen 2016 rund 50.000 Arbeitsplätze

Banken in der Europäischen Union haben im vergangenen Jahr rund 50.000 Stellen gestrichen. Die Branche beschäftigt damit so wenige Menschen wie seit 1997 nicht mehr. Auch bei den Filialen gab es bedeutende Einschnitte.

Das Bankenviertel Canary Wharf in London Quelle: dpa

Nach Einschätzung von EY könnte sich der Abstand in den kommenden Monaten noch vergrößern - unter anderem, weil die US-Regierung sich für lockerere Regeln für die heimische Finanzbranche einsetzt. „Die Deregulierungspläne der neuen US-Regierung versprechen den US-Banken einen kräftigen Gewinnschub“, prognostizierte EY-Partner Claus-Peter Wagner. „Auch geringere Kapitalanforderungen könnten die Chance zu erheblichen Gewinnsteigerungen bieten.“

An der Börse sind die US-Schwergewichte schon heute deutlich mehr wert als ihre europäischen Wettbewerber: Zum Stichtag 31. August 2017 lag die Marktkapitalisierung der zehn größten US-Banken mit rund 1,14 Billionen Euro fast doppelt so hoch wie die der zehn größten europäischen Institute, die es zusammen auf einen Börsenwert von gut 616 Milliarden Euro brachten.

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