Gewinneinbruch um 94 Prozent: Deutsche Bank verlängert Vertrag von Co-Chef Fitschen bis 2017

Gewinneinbruch um 94 Prozent: Deutsche Bank verlängert Vertrag von Co-Chef Fitschen bis 2017

Schwache Geschäfte im Investmentbanking und weitere milliardenschwere Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten haben der Deutschen Bank einen Gewinneinbruch eingebrockt.

Der Vorsteuergewinn sank im dritten Quartal auf 18 Millionen Euro von 1,1 Milliarden vor einem Jahr, wie der Branchenprimus am Dienstag mitteilte. Vor einem Jahr waren es noch 747 Millionen Euro. Damit fiel der Rückgang für den Zeitraum Juli bis Ende September deutlich stärker aus als von Analysten erwartet. Unter dem Strich blieb ein Gewinn von 51 Millionen. Für Rechtsstreitigkeiten legte die Deutsche Bank abermals 1,2 Milliarden Euro zur Seite. Damit beläuft sich die Vorsorge jetzt insgesamt auf über vier Milliarden Euro. Auch die branchenweite Flaute im Anleihehandel setzte dem Institut zu.

Die Kernpunkte der neuen Deutsche-Bank-Strategie

  • Einsparungen

    Bis 2015 sollen die jährlichen Kosten um 4,5 Milliarden Euro sinken - das ist rund ein Sechstel der Kostenbasis für 2012 von gut 27 Milliarden Euro. Von den Einsparungen sollen 2,8 Milliarden aus dem operativen Geschäft kommen, 1,9 Milliarden allein aus der Investmentbank. Das heißt: 1500 gestrichene Investmentbanker-Stellen, drastisch sinkende Boni und eine noch unbekannte Zahl von Arbeitsplätzen, die in der Vermögensverwaltung wegfallen. 1,7 Milliarden Euro soll die "Infrastruktur" der Bank beisteuern. Zunächst wird das Sparprogramm allerdings erst einmal vier Milliarden Euro kosten.

  • „Bad Bank“

    Der deutsche Branchenprimus will Risikopapiere im Wert von 135 Milliarden Euro und nicht zum Kerngeschäft zählende Anlagen in eine Art konzerninterne „Bad Bank“ schieben, wo sie möglichst ohne Verluste abgewickelt werden sollen. So soll die risikogewichtete Bilanzsumme (RWA) der Bank um mehr als ein Drittel schrumpfen, und die Eigenkapitalquote steigt auch ohne Kapitalerhöhung. 100 Milliarden Euro der Summe kommen allein aus der Investmentbank. 45 Milliarden - ein Drittel - sollen schon Ende März aus der Bilanz verschwunden sein, Ende 2013 schon 80 Milliarden Euro.

  • Renditeziele

    Bis 2015 wird eine Eigenkapitalrendite nach Steuern von 12 Prozent angestrebt. Im ersten Halbjahr 2012 lag sie bei 7,4 Prozent. Unter Führung von Josef Ackermann hatte die Bank sich 25 Rendite vorgenommen - vor Steuern. Die Erwartungen des neuen Vorstands entsprechen einer Vorsteuerrendite von 17 bis 18 Prozent.

  • Vergütung

    Die Boni für Führungskräfte sollen sinken - und sie werden später ausbezahlt. Anstatt sie über drei Jahre in Raten ausgeschüttet zu bekommen, müssen die Banker nun fünf Jahre warten. Und nur wenn sich der Erfolg, der mit den Bonus belohnt wurde, dann als dauerhaft herausstellt, sollen die Bonus-Aktien fließen. Ein Gremium externer Experten soll regelmäßig das allgemeine Gehaltsniveau überprüfen.


  • Kapital

    Die meisten Analysten halten die Kapitalausstattung der Bank für zu niedrig. Auf 7,2 Prozent kommt sie nur, wenn Anfang 2013 die schärferen Eigenkapitalvorschriften von Basel III in Kraft treten. Bis März 2013 sollen daraus acht Prozent werden, zwei Jahre später soll das Kapitalpolster in Form von Aktien und Gewinnrücklagen auf zehn Prozent wachsen. Das wäre mehr als die rund neun Prozent, die die Deutsche Bank langfristig nach dem Willen der Aufseher haben muss. Auf Kapitalerhöhungen will das Institut weiterhin verzichten.

  • Regionale Aufstellung

    Wachsen will die Deutsche Bank künftig vor allem in Asien. Dort seien jährliche Zuwachsraten von mehr als 20 Prozent beim operativen Gewinn möglich, in Deutschland und Amerika immerhin noch 10 bis 20 Prozent. In Deutschland will die Bank bis 2015 zehn Milliarden Euro mehr Kredite vergeben. Dagegen rechnet die Deutsche Bank damit, dass ihr Ergebnis im Rest von Europa in den nächsten drei Jahren schrumpft.

  • Kulturwandel

    Die Deutsche Bank will künftig nicht mehr alle Geschäfte machen, nur weil juristisch nichts dagegen einzuwenden ist. Sie war unter anderem wegen Spekulationen mit Nahrungsmittel-Rohstoffen und Rüstungsunternehmen in die Kritik geraten.

  • Geschäftsbereiche

    Zwei Sparten sollen kräftig zulegen: Die Sparte Asset & Wealth Management (AWM) soll den Gewinn vor Steuern bis 2015 auf 1,7 Milliarden Euro mehr als verdoppeln. Ein Verkauf großer Teile der Sparte war gescheitert. Das Global Transaction Banking (GTB) soll bis 2015 einen Gewinn von 2,4 (2011: 1,0) Milliarden Euro vor Steuern abliefern. Die Privatkundensparte (PBC) hat für einen Gewinn vor Steuern von drei Milliarden Euro nun ebenfalls bis 2015 Zeit. Für die Investmentbank gilt nun das Ziel einer Eigenkapitalrendite von 15 Prozent nach Steuern - etwas mehr als im Konzern.

Analysten rechneten unter dem Strich mit einem Gewinnrückgang von gut 45 Prozent auf 410 Millionen Euro. Vor Steuern sollten 800 Millionen Euro stehen, 29 Prozent weniger als vor einem Jahr. Schwache Geschäfte mit Anleihen und neue Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten dürften die Ergebnisse im dritten Vierteljahr belastet haben. Einen kräftigen Dämpfer dürfte es im schwankungsanfälligen Investmentbanking gegeben haben. Co-Chef Anshu Jain hatte die Anleger bereits auf schwache Zahlen eingestimmt. Der deutsche Branchenprimus hat zahlreiche Rechtsstreitigkeiten vom Kirch-Prozess über den Libor-Skandal bis zu Hypothekengeschäften aus der Zeit vor der Finanzkrise. Teure juristische Altlasten hatten der Deutschen Bank schon im zweiten Quartal einen Gewinneinbruch eingebrockt.

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Jürgen Fitschen bleibt bis Anfang 2017 Co-Chef der Deutschen Bank. Der Aufsichtsrat des Dax-Konzerns verlängerte den Vertrag des 65-Jährigen am Dienstag vorzeitig bis zum 31. März 2017. Das teilte die Bank in Frankfurt mit. Damit setzt Deutschlands größtes Geldhaus langfristig auf das seit Juni 2012 amtierende Führungsduo Anshu Jain/Jürgen Fitschen. Fitschen hatte zunächst einen Vertrag bis zur Hauptversammlung im Mai 2015. Darum war spekuliert worden, dass der Investmentbanker Jain die Bank danach alleine führen soll. Die Vertragsverlängerung für Fitschen hatte der Präsidialausschuss des Aufsichtsrates im September vorgeschlagen.

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