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Ghizzoni redet Klartext: Unicredit klammert sich an die Hypovereinbank

Quelle: Handelsblatt Online

Die Münchener Hypovereinsbank soll bei der italienischen Unicredit bleiben. In einem Interview widerspricht Unicredit-CEO Ghizzoni aufkommenden Verkaufsgerüchten. Doch gerade dieses Dementi zeigt die Brisanz des Falls.

Federico Ghizzoni will Verkaufsgerüchte rund um die HVB im Keim ersticken. Quelle: dapd
Federico Ghizzoni will Verkaufsgerüchte rund um die HVB im Keim ersticken. Quelle: dapd

Frankfurt/DüsseldorfDie italienische Großbank Unicredit will trotz ihrer Finanzsorgen die Münchener Tochter Hypovereinsbank (HVB) weder ganz noch in Teilen verkaufen. Anderslautende Gerüchte seien falsch, sagte Unicredit-Chef Federico Ghizzoni der „Wirtschaftswoche“. Wegen der niedrigen Refinanzierungskosten, der guten Kapitalausstattung und des Wachstums in Deutschland sei die HVB für Unicredit „noch wichtiger als bisher“, sagte Ghizzoni.

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Der Umstand, dass am Namen „Hypovereinsbank“ für das Filialgeschäft nun doch festgehalten werde und die Pläne für eine Umbenennung in „Unicredit“ gestoppt seien, will Ghizzoni nicht missverstanden wissen.„In Deutschland haben die Kunden eine starke Beziehung zur HVB. Deshalb behalten wir die Marke bei“, erläuterte Ghizzoni. Es sei allerdings geplant, andere Tochtergesellschaften zusammenzulegen und die Zahl der Filialen zu reduzieren.

Das sind klare Aussagen. Doch allein die Tatsache, dass sich Ghizzoni gegenüber der „Wirtschaftswoche“ genötigt fühlt, diese Gerüchte im Keim zu ersticken, zeigt deren Brisanz. Denn sollte die HVB verkauft werden, fällt der Unicredit eine ihrer finanziellen Stützen weg. Zusammen mit der Bank Austria, die rund 80 Prozent des Osteuropageschäfts der Unicredit verantwortet, ist die HVB seit Ausbruch der Krise die profitabelste Landesgesellschaft des italienischen Konzerns.

Eine entscheidende Rolle für die Zukunft der HVB dürfte Dieter Rampl spielen, Vorsitzender des Verwaltungsrats der Unicredit. Er fädelte 2005 als Chef der Hypovereinsbank deren Übernahme durch die Unicredit ein. Jetzt dürfte es wieder jener Rampl sein, der bei einem Vorgänger der Hypovereinsbank in den 1960er Jahren seine Ausbildung als Bankkaufmann abgeschlossen hatte, der jetzt zum zweiten Mal entscheidend an der Strategie für die HVB arbeitet.


Unicredit mit Milliardenverlust

Nötig wird das, weil Unicredit als italienische Bank, die stark beim italienischen Staat investiert ist, nach immensen Verlusten zuletzt mühsam 7,5 Milliarden Euro am Kapitalmarkt aufnehmen musste, um die strengeren Eigenkapitalregeln für die Branche erfüllen zu können. Es sei noch nicht klar, ob sich die Bank beim nächsten Drei-Jahres-Leihgeschäft der Europäischen Zentralbank (EZB) beteiligen werde, sagte Ghizzoni. „Wir verspüren keinen Druck, wir brauchen zurzeit keine weiteren Finanzmittel.“ Sollte sich die Bank doch Geld bei der EZB besorgen, wolle sie es für das Kreditgeschäft und nicht für den Kauf weiterer italienischer Staatsanleihen nutzen. „Ende 2010 hatten wir 40 Milliarden Euro italienische Staatsanleihen in den Büchern. Das Niveau haben wir gehalten, und wir planen keine wesentlichen Änderungen an diesem Bestand.“

Im Kampf gegen eine drohende Kreditklemme hatte die EZB im Dezember Europas Banken mit einer beispiellosen Geldspritze von fast einer halben Billion Euro flüssig gehalten. Beim ersten Drei-Jahres-Leihgeschäft hatten mehr als 520 Geldinstitute zugegriffen. Einige Beobachter erwarten, dass sich die Banken beim zweiten Geschäft dieser Art Ende Februar sogar eine Billion Euro leihen könnten.

Zuletzt musste die HVB-Mutter einen Quartalsverlust von mehr als einer Milliarde Euro vermelden. Dieser basierte aber laut Ghizzoni auf einmaligen Abschreibungen bei Tochterunternehmen. Die Refinanzierung der Bank sieht er dennoch als gesichert: „2011 haben wir fast 38 Milliarden Euro aufgenommen. 2012 laufen Anleihen im Wert von 32 Milliarden Euro aus. Davon haben wir bisher geplant, 25 Milliarden neu zu finanzieren.“

Die Sorgen vor einer Kreditklemme in Südeuropa habe es nicht ohne Grund gegeben, sagte der Unicredit-Chef. Aktuell sehe er aber keine Kreditklemme. Das Geldhaus werde die Kreditvergabe nicht pauschal reduzieren, bei der Kreditvergabe jedoch sehr vorsichtig sein und die Preise an die gestiegenen Liquiditätskosten anpassen.

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