Griechische Banken: Es geht an die Substanz

Griechische Banken: Es geht an die Substanz

, aktualisiert 01. November 2011, 12:59 Uhr
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Menschen heben an einem Automaten der Piraeus Bank in Athen Geld ab. Das Finanzinstitut braucht nach dem Schuldenschnitt 2,8 Milliarden Euro.

von Gerd HöhlerQuelle:Handelsblatt Online

Der Schuldenschnitt stellt die griechischen Banken vor existenzielle Probleme. Denn die notwendigen Abschreibungen zehren am Eigenkapital - im Extremfall droht der gesamten Branche die Verstaatlichung.

AthenOb es in Griechenland nun wirklich zum großen Schuldenschnitt kommt, ist nach der Ankündigung einer Volksabstimmung unsicherer denn je. Fest steht jedoch: Den griechischen Banken verursacht der Hair-Cut existenzielle Probleme. Aus eigener Kraft können sie die Verluste nicht ausgleichen. Im Extremfall droht der gesamten Branche die Verstaatlichung. Wenn das griechische Volk nicht noch gegen die Beschlüsse stimmt.

Die Athener Kreditinstitute halten nach Analystenschätzungen griechische Staatsanleihen im Nennwert von rund 45 Milliarden Euro. Das entspricht immerhin dem 1,7-Fachen des Eigenkapitals der Branche. Schon das zeigt: Die griechischen Banken können die Folgen eines 50-prozentigen Hair-Cuts nicht einfach wegstecken. Die Abschreibungen, die der Schuldenschnitt erfordert, gehen an die Substanz. Die griechischen Banken haben wegen der Schuldenkrise in den vergangenen sechs Monaten bereits bis zu 85 Prozent ihres Börsenwerts verloren. Dass die Institute das benötigte Kapital unter den gegenwärtigen Bedingungen am Markt aufnehmen können, ist also ausgeschlossen.

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Zumal in den Kreditbüchern weitere Risiken lauern, die zusätzliche Abschreibungen in Milliardenhöhe erforderlich machen dürften: Rezession, schrumpfende Einkommen und steigende Arbeitslosenzahlen führen dazu, dass immer mehr griechische Unternehmen und Privathaushalte ihre Darlehen nicht mehr bedienen können. Nach Schätzungen aus Bankenkreisen liegt die Quote der notleidenden Kredite bereits bei rund zwölf Prozent. Das entspräche einem Darlehensvolumen von rund 30 Milliarden Euro. Davon ist bisher nur ein Teil durch Rückstellungen gedeckt. Die Ratingagentur Moody's beziffert den zusätzlichen Abschreibungsbedarf auf 17 Milliarden Euro. Der Finanzdienstleister Black Rock durchforstet gegenwärtig im Auftrag der griechischen Zentralbank die Kreditbücher der Geschäftsbanken, um die tatsächlichen Risiken zu ermitteln.

Nach Berechnungen von Merrill Lynch Global Research beläuft sich der Rekapitalisierungsbedarf der vier größten griechischen Banken infolge des Schuldenschnitts auf 11,1 Milliarden Euro. Davon entfallen auf das bisher größte griechische Kreditinstitut, die National Bank of Greece (NBG), knapp 3,8 Milliarden Euro - mehr als das Doppelte des aktuellen Börsenwerts von 1,83 Milliarden. Auf die Nummer zwei und drei der Branche, die Eurobank EFG und die Alpha Bank, deren Aktionäre diesen Monat die im August ausgehandelte Fusion billigen sollen, kommt ein Bedarf von zusammen 4,5 Milliarden Euro zu. Am prekärsten ist die Situation des Branchenvierten, der Piraeus Bank, die 2,8 Milliarden Euro benötigt - dem steht eine Marktkapitalisierung von nur 285 Millionen Euro gegenüber.


Paramount-Fonds aus Katar will 3,9 Milliarden Euro zuschießen

Nach Berechnungen der European Banking Authority (EBA) sind die im Finanzstabilisierungsfonds für die griechischen Banken bereitgestellten 30 Milliarden Euro mehr als ausreichend für deren Refinanzierung. Ministerpräsident Giorgios Papandreou kündigte bereits auf dem EU-Krisengipfel an, es sei "sehr wahrscheinlich, dass im Rahmen dieser Prozedur ein großer Teil der Bankaktien in den Besitz des Staates übergeht". In Schweden habe man damit vor einigen Jahren gute Erfahrungen gemacht, sagte Papandreou. Ein griechisches Geldinstitut hat dieses Schicksal bereits erlitten: Anfang Oktober übernahm der Staat die wegen Geldwäschevorwürfen in Schieflage geratene kleine Proton Bank. Die privaten Aktionäre des Instituts stehen vor einem Totalverlust. Zwar versichert Papandreou, nach einer Restrukturierung werde der Staat sich dann wieder von seinen Bankaktien trennen und die betroffenen Institute privatisieren.

Doch die Banken stemmen sich gegen eine Verstaatlichung. Aus ihrer Sicht kommt es vor allem darauf an, welche Art von Beteiligung der Staat für seine Kapitalspritze bekommt. Bekäme er Stammaktien, würde das auf eine weitgehende Enteignung der bisherigen Aktionäre hinauslaufen. Stattdessen plädieren die Banken dafür, dass sich der Finanzminister, wie bei der Bankenrettung 2009, mit Vorzugsaktien und einem Vetorecht bei wichtigen Entscheidungen begnügt.

Das könnte auch aus Sicht des Staats Sinn ergeben, weil Vorzugsaktien im Gegensatz zu Stammaktien nicht auf die Staatsverschuldung angerechnet werden. Diese Möglichkeit deutete Finanzminister Evangelos Venizelos jetzt an: "Wenn es ein Modell gibt, dass es uns ermöglicht, die Kosten (der Bankenrettung) nicht auf die Staatsschulden anzurechnen, würden wir das vorziehen."

Einige Banken hoffen immer noch, die staatlichen Kapitalspritzen möglichst klein halten zu können. So planen Alpha und Eurobank im Zug ihrer Fusion eine Kapitalerhöhung von 3,9 Milliarden Euro. Das Geld will der Investmentfonds Paramount aus Katar zuschießen. Auch mit Notverkäufen von Beteiligungen könnten die Banken ihre Kapitalisierung stärken. So will sich die NBG von 20 Prozent ihrer türkischen Tochter Finansbank trennen, an der sie 77,3 Prozent hält. Der geplante Verkauf könnte rund eine Milliarde einbringen, würde aber die Erträge schmälern: Vergangenes Jahr überwies die Finansbank eine Dividende von 462 Millionen Euro nach Athen. Im Griechenland-Geschäft dagegen machte die NBG einen Verlust von 136 Millionen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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