Grüne Deutsche Bank: Anshu Jain umgarnt den Gegner

KommentarGrüne Deutsche Bank: Anshu Jain umgarnt den Gegner

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Im Zentrum der Diskussionsveranstaltung mit dem Titel "Boring Banking" stand unter anderem die Frage nach der Schaffung von mehr Stabilität an den Finanzmärkten.

von Cornelius Welp

Die Grünen fordern langweiliges Banking, ohne Zockerei. Ausgerechnet der Co-Chef der Deutschen Bank, Anshu Jain, tritt bei dieser Veranstaltung auf. Es ist eine gelungene Etappe seiner Kulturwandel-Tour.

Die grünen Plakate fordern „Boring Banking“, auf den Tischen stehen Bionade-Flaschen, aber unter den Gästen im Frankfurter „Haus am Dom“ dominieren dunkle Anzüge deutlich über vereinzelte Strickpullis. Und so wirkt Deutsche-Bank-Co-Chef Anshu Jain bei der von den Grünen veranstalteten Anhörung „Vom Bankbeamten zum Investmentbanker“ keineswegs wie ein Fremdkörper. Vielleicht treffen hier zwei Welten aufeinander, aber einen lauten Knall gibt es dabei nicht.

In erster Linie ist es wohl ihrem finanzpolitischen Sprecher Gerhard Schick zu verdanken, dass Jain bei seiner Mission Kulturwandel bei den Grünen Station macht. Schick gilt nicht nur über Parteigrenzen hinweg als einer der versiertesten Finanzmarkt-Experten im Parlament. Er hatte Jain auch schon Ende 2012 zu einer Anhörung zur Affäre um die versuchte Manipulation der Libor-Referenzzinse nach Berlin eingeladen. Damals hatte sich der Co-Chef der Bank noch für unzuständig erklärt und Personalvorstand Stephan Leithner als Vertreter geschickt. Das hatte ihm viel Kritik eingebracht, auch von seinem Vorgänger Josef Ackermann.

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Stärken und Schwächen der Deutschen Bank

  • Stärken

    - Kapitalerhöhung und Abbau von Risikoaktiva haben Eigenkapitalquote gestärkt

    - International führende Investmentbank, vor allem beim Anleihegeschäft

    - Durch Zukäufe wie Postbank stabiler Ertragsmix

    - Niedrige Finanzierungskosten

  • Schwächen

    - Vermögensverwaltung ist noch im Umbau

    - Defizite in Asien

    - Kosten trotz Sparprogramm überdurchschnittlich

    - Verhältnis von Kapital zur Bilanzsumme immer noch extrem niedrig

    - Weltweit größter Bestand an risikoreichen Derivaten

  • Chancen

    - Rückzug einzelner Wettbewerber ermöglicht Marktanteilsgewinne

    - Ausbau der weltweiten Präsenz bringt neue Ertragsquellen

    - Postbank bringt Vorteile im deutschen Privatkundengeschäft

  • Risiken

    - Drohende Kapitallücke in Milliardenhöhe durch US-Regulierung

    - Trennbanksystem würde Finanzierungskosten erhöhen

    - Schwache Kapitalmärkte

    - Schadensersatzklagen und Ermittlungen der Aufsichtsbehörden

  • Das dicke Ende

    2002 ging der Medienkonzern des mittlerweile verstorbenen Leo Kirch pleite - womöglich auch wegen eines Interviews des damaligen Deutsche-Bank-Chefs Rolf Breuer. Seitdem piesacken Kirch-Anwälte die Bank und zwangen sie im April sogar schon zu einer außerordentlichen Hauptversammlung. Das Oberlandesgericht München hat die Bank zu Schadensersatz verurteilt. Zur Debatte stehen bis zu 1,5 Milliarden Euro.

Nun will Jain offensichtlich zeigen, dass er es ernst meint mit dem Dialog mit der Gesellschaft. Das honorieren seine Gastgeber, indem sie ideologische Konfrontationen außen vor lassen und sich allein auf Sachfragen beschränken. Schon der sonst gerne auch mal für eine Polemik zu habende Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin gibt sich bei seinem Einführungsvortrag auffällig nüchtern. Kein Wort über die Gier der Bonibanker oder die Spekulation mit Nahrungsmitteln. Stattdessen führt der Politiker aus, warum die Deregulierung der Finanzmärkte ein großer Fehler war. Der bisher nur unzureichend korrigiert worden ist.

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