Halbe Billion Euro: EZB leiht Banken mehr Geld als erwartet

Halbe Billion Euro: EZB leiht Banken mehr Geld als erwartet

, aktualisiert 21. Dezember 2011, 12:03 Uhr
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Das Euro-Symbol vor der Europäischen Zentralbank (EZB): viel Geld für die Banken.

Quelle:Handelsblatt Online

Zum ersten Mal konnten sich Banken für drei Jahre von der Europäischen Zentralbank Geld leihen. Und sie standen Schlange. Die Summe lag mit knapp 500 Milliarden Euro ein gutes Stück über den Erwartungen.

FrankfurtDie Europäische Zentralbank (EZB) hat den Euro-Banken 489,2 Milliarden Euro für drei Jahre zugeteilt. Das teilte die Notenbank am Mittwoch mit. Es ist der EZB-Stützungskredit mit der bislang längsten Laufzeit für das angeschlagene Bankwesen. Bislang mussten die Kredite spätestens nach 13 Monaten zurückgezahlt werden. Die Banken müssen für den Rekordkredit jährlich nur ein Prozent Zinsen zahlen.

Die Summe liegt über den Schätzungen, die in der Spitze von 300 Milliarden bis 450 Milliarden Euro reichten. Der Vizepräsident der EZB, Vitor Constancio, hatte bereits im Vorfeld eine "signifikante Nachfrage" der Banken erwartet.

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Ziel dieser neuen Maßnahme ist es, die Refinanzierung der Banken angesichts der enormen Fälligkeiten im Jahr 2012 zu erleichtern und damit das Risiko einer Kreditklemme zu vermeiden. Wenn die Prognosen am oberen Ende erfüllt werden, dürfte sich die Liquiditätshilfe seitens der EZB über alle ihre Instrumente hinweg gerechnet auf 750 Milliarden Euro addieren, schätzen die Analysten der US-Bank Morgan Stanley.

Dies sei nur eine leichte Erhöhung, bei allerdings deutlich längerer Laufzeitenstruktur. Die EZB bietet die dreijährigen Mittel praktisch in unbegrenzter Höhe an, lediglich die von den Banken jeweils zu hinterlegenden Sicherheiten bilden noch einen Damm.

Die spanische Zentralbank hat den Banken des Landes schon geraten, ihren aktuellen Finanzbedarf vollständig mit dem neuen Instrument abzudecken. In Finanzkreisen hieß es gestern, mit der Aufforderung in Spanien, kräftig hinzulangen, wolle man das Stigma lindern, das Banken bei der Beschaffung von EZB-Geld anhaftet. Wegen des Vertrauensverlustes untereinander haben die Geldhäuser kaum noch Zugang zu den privaten Kapitalmärkten.


Investoren bleiben skeptisch

Viele Beobachter haben das neue Instrument als "Bazooka durch die Hintertür" zur Lösung der Krise bezeichnet, weil die Institute beispielsweise das Zentralbankgeld zu einem Prozent bekommen und Italien-Bonds mit einer Rendite von sechs bis sieben Prozent kaufen könnten. So würde die EZB indirekt mit ihrem Geld die Staatsschuldenkrise lindern.

Allerdings glauben die Analysten von Barclays Capital nicht an dieses Szenario, weil die Banken bei weiteren Herabstufungen von Länderratings und einer Verschärfung der Schuldenkrise dann neue Abschreibungen verdauen müssten. Auch könne die EZB kein Interesse daran haben, dass die Abhängigkeit vom Zentralbankgeld zunimmt und damit die Emissionen der Banken an den Kapitalmärkten weiter hinausgezögert werden.

Und letztlich könnte es in Zukunft bei Investoren schlecht ankommen, wenn das Management einer Bank mit EZB-Geld spekuliert hat, anstatt die Kapitalausstattung der Bank zu stärken. Politiker könnten zudem in die Geschäftspolitik der Banken eingreifen, wenn diese sich über die EZB sanierten.

Vor allem Italiens Banken standen bei der anstehenden langfristigen Kreditlinie der EZB Schlange. Die Finanzinstitute Italiens haben sich bereits stark auf die günstige Refinanzierung über die EZB fokussiert, da sie wegen der Vertrauenskrise am Interbankenmarkt kaum an frisches Geld kommen. Zuletzt hatte der italienische Branchenprimus Unicredit einen weiteren Nackenschlag hinnehmen müssen: Die Rating-Agentur Fitch verpasste dem Geldinstitut eine schlechtere Bonitätsnote.


Banken stehen vor schwierigem Jahr

Die Agentur senkte die Einstufung am Dienstag auf „A-“ von zuvor „A“ und versah auch die neue Benotung mit einem negativen Ausblick. Außerdem drohte Fitch sieben anderen Banken des Landes sowie mehreren Instituten aus Frankreich und Spanien mit einer Herabstufung.

Unicredit-Chef Federico Ghizzoni sagte am Mittwochmorgen, er rechne mit äußerst regem Interesse an der neu aufgelegten dreijährigen Liquiditätslinie der EZB. „Ich erwarte massive Nachfrage von allen europäischen Banken. Ich bin überzeugt, dass die Liquidität die Realwirtschaft stützen und so eine Kreditklemme abwenden sollte.“

Die Banken stehen laut EZB-Chef Mario Draghi vor einem äußerst schwierigen Jahr. Insgesamt rollt auf Europas Banken eine riesige Refinanzierungswelle zu, da 725 Milliarden Euro an Schulden auslaufen und zurückgezahlt oder verlängert werden müssen. Die EZB befürchtet, dass die Banken vor diesem Hintergrund ihre Darlehensvergabe an Firmen einschränken und damit eine wirtschaftlich fatale Kreditklemme in der Euro-Zone auslösen könnten. Der langlaufende Tender soll bei der Abwendung dieser Gefahr helfen.

Dass die Zentralbank für einen so langen Zeitraum Geld an die Geschäftsbanken verleiht, soll deren Planungssicherheit erhöhen und dem Vertrauensverlust innerhalb des Finanzsystems insgesamt entgegenwirken. Der Zins des Geschäfts ist an die künftige Leitzinsentwicklung gekoppelt. Die EZB hatte in der Vergangenheit nach dem Zusammenbruch von Lehman Brothers bereits mit drei Jahrestendern eine Krise des Bankensystems verhindert. Beim allerersten dieser Tender im Sommer 2009 hatten sich rund 1000 Institute die gigantische Summe von fast einer halben Billion Euro bei der Notenbank gesichert.

Quelle:  Handelsblatt Online
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