Herabstufung: Ratingschock verdüstert den Ausblick für Banken

Herabstufung: Ratingschock verdüstert den Ausblick für Banken

, aktualisiert 06. Dezember 2011, 18:09 Uhr
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Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann: Die drohende Herabstufung Deutschlands trifft die deutschen Geldhäuser

Quelle:Handelsblatt Online

Das bisher Undenkbare ist denkbar geworden: Deutschland könnte die Top-Bonität verlieren. Jetzt könnten auch die Banken der europäischen Kernländer in den Teufelskreis von Misstrauen und Kapitalbedarf geraten.

Frankfurt„Das hat uns gerade noch gefehlt.“ Ein Top-Banker eines großen deutschen Geldhauses bringt die Sorgen der Branche kurz vor Jahresende auf den Punkt. Die angedrohte Herabstufung Deutschlands und weiterer Euro-Länder kann die ohnehin schwierige Geldbeschaffung der Geldinstitute an den Märkten zu einer noch größeren Herkulesaufgabe machen. Investoren merken, dass sich selbst Staaten mit der Spitzennote „AAA“ den Folgen der Schuldenkrise nicht mehr entziehen können - und damit wächst das Misstrauen auch gegenüber den Banken aus diesen Ländern. Denn die Institute halten traditionell viele Bonds aus ihren Heimatländern in der so genannten Liquiditätsreserve, sprich ihr Schicksal ist eng mit dem des Staates verknüpft.

Fondsmanager und andere Experten sind sich einig: Sollte Deutschland tatsächlich seine Top-Bewertung von der Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) verlieren, wird für die hiesigen Institute die Refinanzierung noch teurer. Solange die größte Volkswirtschaft der Euro-Zone allerdings weiter zu den bonitätsstärksten Euro-Ländern zählt, werden sich die Folgen in Grenzen halten. „Ein Einäugiger sieht immer noch mehr als ein Blinder und kann so zumindest verhindern, gegen die Wand zu fahren“, beschreibt ein Banker die aktuelle Lage der Institute in der Euro-Zone. Insgesamt prüft S&P die Herabstufung von 15 Euro-Staaten. Damit setzen die Bonitätswächter die EU-Staats- und Regierungschefs unter Handlungsdruck, die am Freitag über einschneidende Sparmaßnahmen entscheiden wollen.

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„Die deutschen Banken haben bislang vom „AAA-Rating und der wirtschaftlichen Stärke Deutschlands profitiert“, sagt Oliver Flade, Finanzanalyst beim Vermögensverwalter Allianz Global Investors. „Sollte es nun zu einer Herabstufung der Bundesrepublik kommen, werden die deutschen Banken von zwei Seiten in die Zange genommen.“

Einerseits dürften die Refinanzierungskosten steigen. Andererseits schrumpften Buchgewinne auf die deutschen Bundesanleihen, deren Kurse in der Finanzkrise in die Höhe geschnellt sind. Damit konnten die Banken bislang Verluste bei Anleihen aus den Krisenländern zumindest zum Teil kompensieren. „Das könnte in letzter Konsequenz dazu führen, dass die deutschen Banken bei künftigen Stresstests schlechter abschneiden und womöglich einen noch höheren Kapitalbedarf haben“, warnt Flade. Bislang liegt die Kapitallücke bei rund zehn Milliarden Euro - die Hälfte davon braucht Finanzkreisen zufolge die Commerzbank.

Europäische Banken sind schon seit Längerem auf massive Liquiditätshilfen der Europäischen Zentralbank angewiesen - insgesamt pumpte die Notenbank Hunderte Milliarden Euro in das angeschlagene Bankensystem. Denn die Institute trauen sich untereinander angesichts ihres hohen Bestands an Anleihen aus den Euro-Krisenländern nicht über den Weg. Ohne Sicherheiten leihen sie sich gegenseitig kein Geld - insbesondere ab einer Laufzeit von zwei Jahren. Bislang hatten vor allem Institute aus Italien, Spanien und anderen Schuldenländern Probleme. „Eine Herabstufung wäre ein weiterer Schuss vor den Bug der Banken und würde die unbesicherte Refinanzierung erschweren“, sagt Mediobanca-Analyst Chris Wheeler.

Der S&P-Warnschuss schickte am Dienstag Bankaktien und den Euro in die Verlustzone. Die Papiere der Deutschen Bank verloren 1,8 Prozent, die Titel der teilverstaatlichten Commerzbank 3,2 Prozent. Beide Häuser haben allerdings ein starkes Privatkundengeschäft. Dank der Spareinlagen der Kunden sind sie von der Kapitalmarkt-Refinanzierung weniger abhängig als reine Firmenkundeninstitute. Daher bewegten sich am Dienstag auch die Preise für die Kreditausfallversicherungen (CDS) dieser Institute kaum - ein Zeichen dafür, dass sich deren Lage aus Sicht der Investoren nicht verschlechtert hat.

Für Investoren ist die Liquiditätslage der einzelnen Banken derzeit hochrelevant, betont Marc Hellingrath, Renten-Portfoliomanager bei der Fondsgesellschaft Union Investment. „Hier werden Banken mit starkem Privatkundengeschäft und Zugang zu Kundeneinlagen bevorzugt.“ Damit kommen wieder viele der ohnehin gebeutelten Landesbanken ins Visier, die kein Privatkundengeschäft haben. Doch auch sie können nach einer Herabstufung Deutschlands vermutlich zumindest weiter darauf setzen, dass das Land als sicherer Hafen angesehen wird. „Am Markt spielt keiner das Szenario ,Deutschland kippt' durch“, sagt Bankenexperte Dieter Hein vom Analysehaus Fairesearch. Daran habe sich auch durch die Ankündigung von S&P nichts geändert.

Quelle:  Handelsblatt Online
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