Herbert Walter: "Der Kulturwandel wird vom Kunden erzwungen"

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InterviewHerbert Walter: "Der Kulturwandel wird vom Kunden erzwungen"

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Herbert Walter, 58, führte von 2003 bis 2009 die Dresdner Bank. Vorher war er bei der Deutschen Bank weltweit für Privat- und Geschäftskunden verantwortlich. Später arbeitete Walter als selbstständiger Berater. Unternehmerisch engagiert er sich beim Finanzportal WhoFinance.de. Nun übernimmt er den Aufsichtsratsvorsitz bei der österreichischen Hypo-Alpe-Adria-Gruppe.

von Oliver Stock und Jessica SchwarzerQuelle:Handelsblatt Online

Das Vertrauen in Banker ist noch immer angeschlagen. Doch Herbert Walter, Ex-Chef der Dresdner Bank, glaubt immer noch an eine Wende - vor allem durch den Druck der Kunden.

Sie begleiten intensiv die Entwicklung in der Bankenbranche. Dort ist von einem Kulturwandel die Rede. Wie glaubwürdig sind die Anstrengungen der Banken, sich im Sinne der Kunden zu ändern?
Der eigentliche Kulturwandel wird erst noch kommen, er wird vom Kunden erzwungen. Immer mehr Kunden beginnen seit der Finanzkrise, sich um ihr Geld viel stärker selbst zu kümmern. Wo vorher der Berater schon mal nachhelfen musste, um ein Produkt an den Mann oder die Frau zu bringen, wird im Internetzeitalter der Kunde selbst immer aktiver. Er kann die Angebote und Produkte ganz einfach im Netz vergleichen und er sieht, dass er oft zu viel zahlt oder für sein Geld zu wenig bekommt. Der Kunde wird viel fordernder, das wird die traditionellen Finanzdienstleister unter Druck bringen und zu einer neuen Kultur mit einem starken Kundenfokus führen.

Wie hat sich der Berufsstand des Bankers aus Ihrer Sicht in den vergangenen drei Jahren gewandelt?
Der Lack ist ab, jede Menge Vertrauen ist verloren gegangen. Aber es ist nicht zu spät für eine Wende. Was wir brauchen, sind nicht Regenmacher, sondern solide Banker, die nur das versprechen, was sie auch liefern können.

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Strukturierte Produkte kehren zurück, die Finanztransaktionssteuer fällt schmal aus, das Investmentbanking wird bei deutschen und US-Banken unverändert in den Vordergrund gerückt: Kehrt die alte Bankenwelt zurück?
Die alte Welt der Banken wird nicht zurückkehren, dafür sorgen schon Innovationen und neue Wettbewerber außerhalb des Bankenbereichs. Was mir große Sorgen macht, sind deutliche Anzeichen dafür, das neue Blasen entstehen, vor allem getrieben durch die Politik der Zentralbanken. Nach den vielen Krisenjahren im neuen Jahrhundert müssen wir wirklich alles tun, damit es nicht in Kürze erneut an den Märkten blitzt und donnert. Ich bin sicher, in einem solchen Fall würde das gesamte Finanzsystem an den Pranger gestellt werden.

Wie steht es um die deutsche Aktienkultur?
Ganz ehrlich? Damit ist es nicht weit her. Die Deutschen haben einschließlich der Fondsanlage nur etwa fünf Prozent ihres Vermögens in Aktien angelegt. Ich kann verstehen, dass Vielen nach dem Schockerlebnis in der Finanzkrise der Schreck noch in den Gliedern steckt. Aber es ist doch einfach keine Lösung, das Ersparte so zu parken, dass es kaum eine Rendite abwirft oder wenn es in dubiose Anlagen gesteckt wird, die Sicherheit und hohe Rendite zugleich versprechen. Ich ziehe daraus vor allem einen Schluss: Der Staat und die Finanzindustrie täten gut daran, viel mehr in die Finanzbildung insbesondere der jüngeren Menschen zu investieren. Das brächte aus meiner Sicht mehr Stabilität ins Finanzsystem als eine immer stärkere Regulierung.

Der Wunsch der Kunden, nach preiswerten und einfachen Produkten bleibt meist ungehört. Wie lässt sich das ändern?
Das stimmt so nicht ganz. Einfache und preiswerte Zinsprodukte gibt es ohne Ende. Aber mit den meisten dieser Produkte ist man am Jahresende ärmer als zu Jahresbeginn, weil die Inflation die mageren Zinsen „aufgefressen“ hat. Die reale Rendite, also die Rendite nach Abzug der Inflationsrate, einer zehnjährigen deutschen Anleihe lag zwischen 1962 und 2013 bei 3,5 Prozent. Das bekommen Sie heute nicht einmal nominal, wenn Sie nicht ein deutliches Risiko eingehen wollen.

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Sie haben ein zartes Pflänzchen Honorarberatung ausgemacht. Was tun, damit es wächst?
Ich denke, es wäre gut, wenn der Anleger bei seiner Bank oder Sparkasse die Wahl zwischen Honorar- und Provisionsberatung hätte. Von diesem Wettbewerb würden die Kunden sicherlich profitieren.

Welche Ziele haben Sie sich für Ihr Mandat in Klagenfurt vorgenommen?
Ziele setze ich mir, wenn ich einen genauen Überblick über die Situation der Bank habe. Soweit bin ich aber noch nicht.

Quelle:  Handelsblatt Online
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