HRE-Bad-Bank: Viel Schrott im Portfolio

HRE-Bad-Bank: Viel Schrott im Portfolio

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Das Tempo des Portfolio-Abbaus bei der Bad Bank der früheren Hypo Real Estate dürfte sich in den kommenden Jahren verringern.

von Matthias Kamp

Die FMS Wertmanagement, die Abwicklungsgesellschaft der früheren Hypo Real Estate, legt eine gute Jahresbilanz 2015 vor. Doch die Veräußerung der verbliebenen Vermögenswerte wird immer schwieriger.

Ziemlich genau ein halbes Jahr ist Stephan Winkelmeier nun Chef der FMS Wertmanagement, und über das, was er bei seinem Amtsantritt in der Bad Bank vorfand, ist er voll des Lobes: „Ich habe ein gut bestelltes Haus vorgefunden“, sagt der Nachfolger von Christian Bluhm. Der ist inzwischen Chief Risk Officer bei der Schweizer UBS und dürfte dort sein Gehalt vervielfacht haben.

Der Übergang bei seinem Start bei der FMS 2015 sei gleitend gewesen, lobt Winkelmeier, „und der Spaßfaktor und der Erfolg sind geblieben.“ 2010 wurde die FMS mit Sitz in München gegründet. Ihr Auftrag: Die Abwicklung der Vermögenswerte der früheren Hypo Real Estate, die während der Finanzkrise 2008 in die Knie gegangen war.

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Etwa 140 Mitarbeiter kümmern sich seitdem um den Abbau der Assets. Verbriefte Studentenkredite aus den USA, italienische Staatsanliehen, Infrastrukturinvestitionen in den GUS-Staaten: Die Hypo Real Estate hatte sich so ziemlich alles in die Bücher genommen, was nach Gift roch. Und fast immer mit größeren Volumina und längeren Laufzeiten als andere Banken. Das Portfolio hatte Ende 2010 einen Wert von fast 176 Milliarden Euro.

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Von Spaß dürfte in der ersten Zeit auch kaum die Rede gewesen sein, denn die FMS machte in den ersten Jahren Verluste. Inzwischen allerdings geht es bei Winkelmeier und seiner Mannschaft an der Münchner Prinzregentenstraße gut voran: Vermögenswerte von nur noch 95 Milliarden Euro hat die FMS in ihren Büchern; im vergangenen Jahr konnte sie den Bestand erneut um gut zehn Milliarden Euro verringern. Das operative Ergebnis lag bei 413 Millionen Euro, der Überschuss bei 296 Millionen Euro, nach 373 Millionen Euro beziehungsweise 313 Millionen Euro im Jahr zuvor. „Aufgeräumt und zufrieden“, sagt Winkelmeier, sei er angesichts des Erreichten.

Niedrigzinsen sorgen momentan für Rückenwind

Im vergangenen Jahr schaffte es die FMS unter anderem, die Finanzierung einer Mautstraße zu verkaufen; in Spanien veräußerte die Gesellschaft Gewerbeimmobilien, in Mexiko eine Hotelanlage, und in Japan baute die FMS ihren Bestand an Staatsanleihen komplett ab.

Winkelmeier räumt ein: Das günstige Marktumfeld und die die niedrigen Zinsen, die der FMS die Refinanzierung erleichtern, hätten für Rückenwind gesorgt. Sollte die Krise in Südeuropa wieder aufflammen, könnte sich das Bild schnell wieder verdüstern.

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Doch auch so dürfte es in den kommenden Jahren immer schwieriger werden, das Portfolio zu verkleinern. Winkelmeier weist vorsorglich darauf hin, das Tempo des Abbaus dürfte sich in den kommenden Jahren verringern. Grund: Was am Ende noch im Portfolio verbleibt, hat mindere Qualität.

Von den verbliebenen Vermögenswerten im Umfang von noch knapp 100 Milliarden Euro sind allein knapp die Hälfte langlaufende Kreditforderungen gegenüber der öffentlichen Hand in Italien und Großbritannien. Vieles davon dürfte uneinbringbar sein. Winkelmeier spricht von „Klumpen“, die sich am Ende sammelten und betont, die FMS werde nicht bis in alle Ewigkeit weitermachen, um auch noch das letzte Papier zu veräußern. Da müsse man dann über andere Lösungen nachdenken.

Keine Kompromisse machen will Winkelmeier indes bei den ausstehenden Forderungen gegenüber der österreichischen Heta, der Bad Bank der Kärntner Skandalbank Hypo Alpe Adria. Im vergangenen Jahr hatte die Heta die Bedienung der vom Bundesland Kärnten garantierten Anleihen eingestellt und ein Moratorium verhängt. Für die FMS geht es immerhin um fast 300 Millionen Euro. Die Münchner klagen in Frankfurt und wollen in den kommenden Tagen auch in Österreich Klage einreichen.

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"Es ist ja nicht so, dass die nicht zahlen können“, sagt Winkelmeier, „sie wollen nicht zahlen.“ Kärnten habe immerhin ein Pro-Kopf-Einkommen von 30.000 Euro, und die Verschuldung sei geringer als die mancher deutscher Bundesländer. Winkelmeier setzt nun auf die Gerichte Frankfurt und Klagenfurt: „Ich habe großes Vertrauen in den Rechtsstaat.“

Nicht allzu große Freude macht Winkelmeier auch die in Dublin ansässige Depfa-Bank, die die FMS im vergangenen Jahr übernommen hatte. Zwar schrumpfte der Verlust vor Steuern der Bank um 71 Prozent auf 53 Millionen Euro. Doch musste die FMS 2015 auf die Depfa gut 80 Millionen Euro abschreiben, vor allem, weil die Bank in Irland eine viel höhere Bankenabgabe zahlen muss als anfangs kalkuliert. Winkelmeier betont denn auch auffallend oft, die Entscheidung zur Übernahme sei nach wie vor richtig. Zurzeit sind FMS und Depfa vor allem mit Standortschließungen und Personalabbau beschäftigt.

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