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KommentarHRE: Besser ohne Better

von Cornelius Welp

Der Rücktritt der HRE-Chefin ist ebenso konsequent wie schlecht getimt. Doch es ist falsch, die Schuld allein beim Staat zu suchen.

Heute ist Manuele Better noch einmal in Berlin gewesen. Die am Dienstag zurückgetretene Chefin der verstaatlichten Hypo Real Estate sollte den Mitgliedern des parlamentarischen Kontrollgremiums des Bankenrettungsfonds ihre Motivation erklären. Es war eine Art Abschiedsbesuch beim Eigentümer.

Ihre Demission am Dienstagabend hat selbst Vertraute überrascht. Der Kampf um die Deutungshoheit über die tieferen Ursachen ihres Rücktritts ist längst voll entbrannt. Konkreter Auslöser war der gescheiterte Verkauf der irischen HRE-Tochter Depfa. Trotz eines ausgehandelten Vertrags mit dem Investor Leucadia hatte sich der Bund als Eigentümer entschieden, die Depfa selbst abzuwickeln und nicht zu verkaufen.

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Persönliche Schmach

Better hatte sich vehement für einen Verkauf engagiert. Dass dieser nicht zustande kam war für sie eine persönliche Schmach. Und ein Vertrauensentzug. Als zerrüttet gilt vor allem ihr Verhältnis zum Chef des staatlichen Rettungsfonds Soffin, Christopher Pleister.

Zu Recht? Wahr ist, dass der Staat beim Verkauf der Depfa in den vergangenen Monaten eine 180-Grad-Wende hingelegt hat. Das hat womöglich seinen Ruf als verlässlicher Verhandlungspartner lädiert, für die Entscheidung gab es aber sehr gute Gründe.

Bei einem Verkauf wären sämtliche Risiken auf einen Schlag weg gewesen. Allerdings sind die Risiken im lang laufenden Depfa-Portfolio aus heutiger Sicht äußerst überschaubar. Welche Lösung besser ist, lässt sich so oder so rechnen. Selbst am Verkauf interessierte Kreise geben zu, dass es ordnungspolitisch zwar keine, wirtschaftlich aber sehr wohl gute Argumente gab, die Bank zu behalten. Es ist für den Staat eine Wette, aber eine mit begrenztem Risiko.

Ein Streit mit drastischem Ende: Nach gut vier Jahren wirft HRE-Chefin Manuela Better hin. Hintergrund ist ein Streit mit dem Bund über die Zukunft der irischen Depfa.

Politisch wäre ein Verkauf deutlich riskanter gewesen. So hatten sich Hedgefonds günstig in die Schulden der Depfa eingekauft. Die Depfa hat noch eine Milliarde Euro Eigenkapital, wenn die neuen Eigentümer dieses eingesetzt hätten, um die Schulden voll zu bedienen, hätten die Fonds ein Bombengeschäft gemacht. Und der Staat hätte mit der Kritik leben müssen, dass er sich von Hedgefonds abzocken lässt.

Betters Verärgerung ist nachvollziehbar, das Handeln des Bundes aber deshalb noch nicht irrational. Auch die von Better befürchtete Signalwirkung für den anstehenden Verkauf der Pfandbriefbank PBB gibt es nur begrenzt. Sicher, für einen potenziellen Käufer hat der Bund begrenzte Verlässlichkeit gezeigt. Interessenten für die PBB dürften nun zumindest weitgehende Zusagen fordern, dass der Verkauf auch tatsächlich gewollt ist.

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Dass aber wegen des gescheiterten Verkaufs der Depfa jetzt auch die Privatisierung der PBB scheitert ist alles andere als zwangsläufig. Anders als die Depfa macht die PBB weiter Neugeschäfte, anders als bei der Depfa dürfte ein Käufer der PBB diese nicht bloß abwickeln wollen, sondern weiter betreiben. Ob sich einer findet, der einen angemessen Preis zahlt, wird sich zeigen. Die Chancen stehen nicht so schlecht, schon die Leucadia-Offerte für die Depfa lag deutlich über den Erwartungen.  

Schwieriges Verhältnis

Das Verhältnis zwischen der Politik und der von ihr verstaatlichten Banken ist in den vergangenen Jahren oft schwierig gewesen. Anders als bei der Commerzbank hat sich der Staat bei der HRE aktiv ins Geschehen eingemischt. Das ist für die verantwortlichen Manager einer Organisation, die es ohne Steuermilliarden gar nicht mehr gäbe, nicht leicht, letztlich aber unvermeidbar.

Auch Manuela Better muss akzeptieren, dass ein Eigentümer nach sorgfältiger Abwägung mit seinem Eigentum machen kann, was er für richtig hält. Da ihr das offenbar schwer fiel, ist es gut, dass sie weg ist.

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