IKB: Durchwursteln in Düsseldorf

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IKB: Durchwursteln in Düsseldorf

von Mark Fehr

Die Krisenbank IKB schockte 2007 die Märkte. Die heutige Hauptversammlung ist daher nur einer von vielen unangenehmen Terminen für das Institut.

Für die Mitarbeiter der einst hochangesehenen Mittelstandsbank IKB ist der Jahreslauf gespickt mit unangenehmen Terminen. Wegen seines vom Kalenderjahr abweichenden Geschäftsjahrs präsentiert das Institut die angesichts der Finanz- und Schuldenkrise ernüchternden Geschäftszahlen des dritten Quartals regelmäßig mitten in der Karnevalszeit. In diesem Jahr sorgte die Düsseldorfer Bank damit just am Rosenmontag für Aschermittwoch-Stimmung.

Im Juli jährte sich zum fünften Mal der denkwürdige Tag, an dem die IKB eine dürre Mitteilung zu den Auswirkungen der Krise auf dem US-Immobilienmarkt veröffentlichte, während Bankenaufseher und Politiker insgeheim bereits über eine dramatische Rettungsaktion für das Unternehmen diskutierten. Anlässlich dieses Jubiläums häufen sich in den Medien jährlich kritische Berichte über das krisengeplagte Institut. Auch die Hauptversammlung im Herbst, die für das aktuelle Jahr heute stattfindet, ist für das Management alles andere als angenehm. Durch den drastischen Kurssturz der IKB-Aktie nach dem Bekanntwerden der Schieflage haben auch schockierte Privatanleger hohe Summen verloren, die ihrer Empörung auf der Eigentümerversammlung regelmäßig Luft machen. In diesem Jahr sei jedoch eine Lethargie zu spüren, berichtet ein Teilnehmer. Viele Anleger haben sich wohl mit ihrem Schicksal abgefunden.

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Im September steht der IKB nun eine wichtige Deadline bevor, bei der sie endlich mal wieder für ein Zeichen der Hoffnung sorgen kann. Dann werden Anleihen im Volumen von zwei Milliarden Euro fällig, für die der staatliche Bankenrettungsfonds und damit die deutschen Steuerzahler haften. Die Bank muss die Rückzahlung aus eigenen Mitteln schaffen, um das Vertrauen der Gläubiger zurückzugewinnen. Die Chancen dafür stehen nicht schlecht, denn die IKB hat bereits in der Vergangenheit vom Soffin garantierte Verbindlichkeiten vorzeitig abgelöst. Zudem hat die Bank ihr Finanzpolster gestärkt, indem sie per Onlinebanking erfolgreich Geld von Sparern einsammeln konnte, obwohl sie nie ein Privatkundengeschäft betrieben hat. Allerdings helfen auch die günstigen Finanzspritzen der Europäischen Zentralbank, dass der IKB nicht die Liquidität ausgeht.

Diese Maßnahmen sind jedoch nur kleine Schritte, denn die Bank wird sich nicht ewig von Termin zu Termin wursteln können. Ihr Mehrheitseigentümer, der US-Finanzinvestor Lone Star, ist keine langfristige Perspektive für die IKB. Die Amerikaner wollen ihre von der Staatsbank KfW übernommene Beteiligung schon seit längerem loswerden, finden aber keinen Interessenten. Die Bereitschaft, eine Bank zu übernehmen, hält sich angesichts der Unsicherheiten auf den Finanzmärkten in Grenzen.

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Mit der Übernahme kurz vor der historischen Pleite der Investmentbank Lehman Brothers im September 2008 hat Lone Star die Traditionsbank zwar vor dem Untergang bewahrt. Trotzdem sehen vor allem Mittelstandskunden das Engagement des Finanzinvestors kritisch. Sie befürchten, dass über eine Kreditbeziehung mit der IKB Informationen über die Finanzlage ihrer Unternehmen an Lone Star durchsickern, die der Heuschrecke einen Konkurrenzvorteil bei Übernahmen im deutschen Mittelstand verschaffen könnten.

Bei der Suche nach einem neuen Investor, der besser zum auf Firmenkunden ausgerichteten Geschäftsmodell der IKB passt, ist daher keine Zeit zu verlieren. Denn jeder Tag, den die Bank ohne Perspektive bleibt, macht einen Notverkauf gefolgt von Zerschlagung oder Abwicklung wahrscheinlicher.

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