Immobilienbank auf Einkaufstour: Aareal steht vor WestImmo-Kauf

Immobilienbank auf Einkaufstour: Aareal steht vor WestImmo-Kauf

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Rekordgewinne für die Aareal Bank

Zuletzt war von 300 Millionen Euro die Rede: Die Immobilienbank Aareal steht offenbar vor dem Kauf von WestImmo. Am Wochenende soll die Übernahme eingetütet werden.

Die Zukunft der Immobilienbank WestImmo ist nach jahrelangem Hin und Her entschieden: Das Institut geht an die Aareal Bank, wie mehrere mit der Sache vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters am Freitag sagten. Der WestImmo-Eigner – die WestLB-Bad-Bank Erste Abwicklungsanstalt – und die Aareal hätten sich auf einen Kaufvertrag verständigt, sagten zwei Insider.

Damit habe die Aareal nach langen Verhandlungen den Zuschlag erhalten. "Der Vertrag wird voraussichtlich am Wochenende unterzeichnet", sagte ein anderer. Der Aufsichtsrat der Aareal müsse der Übernahme aber noch zustimmen. In Finanzkreisen war zuletzt von einem Kaufpreis von etwa 300 Millionen Euro die Rede. EAA und Aareal wollten die Informationen nicht kommentieren.

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WestLB: Von der „Hülfskasse“ zur Zerschlagung

  • Die Westdeutsche Landesbank hat eine lange und wechselhafte Geschichte. Das Institut geht zurück auf die Gründung der „Westfälischen Provinzial Hülfskasse“ vor 179 Jahren und deren Pendant im Rheinland.

  • 1832

    Die Westfälische Provinzial-Hülfskasse nimmt in Münster ihre Tätigkeit auf. Gut 20 Jahre danach startet ihr Pendant im Rheinland

  • 1954

    Das Land NRW wird Anteilseigner beider Landesbanken

  • 1969

    Aus der Fusion beider Landesbanken entsteht die Westdeutsche Landesbank Girozentrale (WestLB)

  • 1973

    Durch Devisenspekulationen verzockt die WestLB fast ihren gesamten Jahresgewinn.

  • 1981

    Friedel Neuber wird Bankchef und leitet über zwei Jahrzehnte die Geschicke des Bankkonzerns. Unter seiner Führung wird die WestLB zu einem der einflussreichsten Kreditinstitute in Deutschland und zu einem Instrument der Industriepolitik für die NRW-Regierung

  • 1998

    Die Rubelkrise und der Zusammenbruch des russischen Anleihemarkts brockt der WestLB einen Milliardenverlust ein.

  • 1999

    Die WestLB soll an das Land auf Geheiß der EU eine illegale Beihilfe über 808 Millionen Euro zurückzahlen. Ein jahrelanger Rechtsstreit folgt.

  • 2002

    Die WestLB wird auf EU-Druck aufgespalten in die WestLB AG für kommerzielle Geschäfte und die NRW.Bank für das Fördergeschäft

  • 2003

    Die WestLB erlebt mit Fehlinvestitionen unter anderem beim britischen Fernsehverleiher Boxclever ein Fiasko. Die Bank verbucht Milliardenverluste

  • 2004

    Wegen unerlaubter Beihilfen des Landes NRW muss die WestLB auf Druck der EU 1,4 Milliarden Euro zurückzahlen. Bei der WestLB entsteht ein Verlust von 1,2 Milliarden.

  • 2005

    Am 19. Juli beginnt für die Landesbanken eine neue Ära: Die Staatsgarantien fallen weg. Nach einer Kapitalerhöhung sind die beiden Sparkassenverbände im Rheinland und Westfalen mit insgesamt 51 Prozent Mehrheitseigentümer der WestLB

  • 2007

    Händler der WestLB setzen 600 Millionen Euro in den Sand. Chef Thomas Fischer tritt zurück. Nachfolger wird Alexander Stuhlmann von der HSH Nordbank. Die EU gibt grünes Licht für eine staatliche Kapitalspritze über 6,2
    Milliarden Euro, die die Bank zur Aufspaltung in die NRW-Bank und die WestLB braucht.

  • 2008

    In einer Rettungsaktion geben die Eigentümer fünf Milliarden Euro Garantien für faule Papiere

  • 2009

    Harte EU-Auflagen: Die WestLB muss um die Hälfte verkleinert werden und bis Ende 2011 mehrheitlich in neue Hände kommen

  • 2010

    Der Bund steigt in die WestLB mit einer Kapitalspritze von drei Milliarden Euro ein. Damit wird die Auslagerung von risikoreichen und nicht mehr zum Kerngeschäft gehörenden Papieren in eine „Bad Bank“ möglich.

  • 2011

    Bund, Land und Sparkassen beschließen das Konzept für die Zerschlagung der WestLB. Die EU-Kommission besiegelt das Ende.

  • 2012

    Nach zähen Verhandlungen wird die Bank zum Stichtag 30. Juni zerlegt: Das Sparkassengeschäft fließt ins Schwesterinstitut Helaba. Nicht verkäufliche Geschäfte werden in die „Bad Bank“ verschoben. Die restliche WestLB wird zur Servicegesellschaft „Portigon“ umgewandelt.

Die Westimmo ist ein Überbleibsel der auf Druck der EU-Kommission zerschlagenen WestLB. Mehrfach war in der Vergangenheit versucht worden, die Immobilienbank zu verkaufen. Neben verschiedenen Finanzinvestoren schaute sich auch die Aareal das Institut immer mal wieder an, winkte wegen der hohen Kosten zunächst aber ab. Seither hat sich jedoch einiges getan: Unter der Ägide der EAA schrumpfte die WestImmo und wurde zu einer reinen Pfandbriefbank zurückgebaut, die heute mit rund 280 Mitarbeitern profitabel arbeitet. Die Bilanzsumme liegt bei knapp zwölf Milliarden Euro.

Aareal auf Einkaufstour

Vor dem Hintergrund der EU-Auflagen darf die WestImmo im Moment kein Neugeschäft in der gewerblichen Immobilienfinanzierung machen, die sie in Europa und Nordamerika betreibt. Dabei boomen die Märkte wegen der anhaltenden Zinsflaute – Investoren drängen mit Macht in Immobilieninvestments und brauchen dafür Banken als Geldgeber. Inzwischen sind allerdings schon wieder so viele Anbieter im Markt unterwegs, dass der Druck auf die Margen steigt.

Immobilienpreise in Europa

  • Zur Erhebung

    Nachfolgend die 15 teuersten Länder in Bezug auf den Immobilienpreis in Euro pro Quadratmeter. Die Preisangaben speisen sich aus Immobilienanzeigen für hochwertig ausgestattete Wohnungen mit ca. 120 Quadratmetern Wohnfläche in zentralen Lagen der Großstädte. Ausgelassen wurden die Zwergenstaaten Andorra (3868 Euro pro Quadratmeter), Luxembourg (5669 Euro) und Monaco, (44.552 Euro).


    Quelle: globalpropertyguide.com

  • Platz 15: Türkei

    Durchschnittlicher Preis: 2855 Euro pro Quadratmeter

  • Platz 14: Tschechien

    Durchschnittlicher Preis: 3384 Euro pro Quadratmeter

  • Platz 13: Spanien

    Durchschnittlicher Preis: 3442 Euro pro Quadratmeter

  • Platz 12: Deutschland

    Durchschnittlicher Preis: 4078 Euro pro Quadratmeter

  • Platz 11: Irland

    Durchschnittlicher Preis: 4156 Euro pro Quadratmeter

  • Platz 10: Dänemark

    Durchschnittlicher Preis: 4279 Euro pro Quadratmeter

  • Platz 9: Niederlande

    Durchschnittlicher Preis: 4907 Euro pro Quadratmeter

  • Platz 8: Österreich

    Durchschnittlicher Preis: 5009 Euro pro Quadratmeter

  • Platz 7: Italien

    Durchschnittlicher Preis: 5930 Euro pro Quadratmeter

  • Platz 6: Finnland

    Durchschnittlicher Preis: 6214 Euro pro Quadratmeter

  • Platz 5: Schweden

    Durchschnittlicher Preis: 6991 Euro pro Quadratmeter

  • Platz 4: Schweiz

    Durchschnittlicher Preis: 11.306 Euro pro Quadratmeter

  • Platz 3: Russland

    Durchschnittlicher Preis: 11.866 Euro pro Quadratmeter

  • Platz 2: Frankreich

    Durchschnittlicher Preis: 13.639 Euro pro Quadratmeter

  • Platz 1: Großbritannien

    Durchschnittlicher Preis: 3442 Euro pro Quadratmeter

Kommt die Übernahme zustande, wäre es für die Aareal Bank bereits der zweite Zukauf binnen 14 Monaten. Erst im Dezember 2013 hatten sich die Wiesbadener, die die Finanzkrise ohne Blessuren überstanden haben, die kleinere Rivalin Corealcredit in Frankfurt einverleibt und damit die Gelegenheit zur Branchenkonsolidierung genutzt. Damals kaufte Aareal dem Finanzinvestor Lone Star für 342 Millionen Euro sämtliche Anteile ab und vergrößerte ihr Deutschland-Geschäft kräftig. Die Mainzer WestImmo liegt nun quasi ohnehin vor der Haustür. Aareal-Chef Wolf Schumacher hatte wiederholt deutlich gemacht, dass er sich den Markt weiter nach Zukaufsgelegenheiten anschaut.

Der WestImmo-Deal dürfte auch in München mit Spannung verfolgt werden, steht dort doch ein ungleich größerer Verkauf an: Die Privatisierung der HRE-Nachfolgerin Pfandbriefbank pbb beginnt, wie in dieser Woche mitgeteilt wurde. Möglich ist neben einem Verkauf auch ein Börsengang. Die Frist der EU für einen Eigentümerwechsel läuft zum Jahresende ab.

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