Indien sucht deutsche Mittelständler: "Deutsche Unternehmen sind in Indien gern gesehen"

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InterviewIndien sucht deutsche Mittelständler: "Deutsche Unternehmen sind in Indien gern gesehen"

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Bhattacharya ist die Chefin von Indiens größter Bank

von Florian Willershausen und Mark Fehr

Die Chefin von Indiens größter Bank sucht deutsche Mittelständler. Arundhati Bhattacharya erklärt, wie Indien eine modernere Industrie aufbauen will und welche Probleme das Land zu lösen hat.

WirtschaftsWoche: Frau Bhattacharya, Sie leiten Indiens größte Bank, andererseits grassiert im Land Gewalt gegen Frauen und Mädchen. Muss der Staat die Gleichberechtigung fördern und Frauen besser schützen?

Arundhati Bhattacharya : Wir müssen die Wurzel dieses Übels bekämpfen. Sie liegt im rasanten Zuzug der Landbevölkerung in die Städte, wobei viele auf der Strecke bleiben und in die Kriminalität rutschen. So entsteht ein großes Problem für die öffentliche Sicherheit, das sich nicht nur mit mehr Polizei lösen lässt. Die Regierung muss dafür sorgen, dass die ländlichen Zuwanderer produktive Mitglieder der Gesellschaft werden und insbesondere Jugendliche ihre hohen Erwartungen an das Leben besser erfüllen können.

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Was tut Ihre Bank, um Frauen zu fördern?

Unsere Mitarbeiter erhalten zwei Jahre unbezahlte Freistellung für die Erziehung von Kindern und die Pflege von Familienangehörigen. Das gilt auch für alleinstehende Männer. In indischen Familien sind Mütter hauptverantwortlich für Erziehung, Haushalt und Pflege älterer Angehöriger, das wird sich so schnell nicht ändern. Zudem stehen sie nach der Grundschulzeit der Kinder unter Druck, eine gute Oberschule zu organisieren, da das indische Bildungssystem stark von Wettbewerb geprägt ist. Für diese Aufgaben brauchen Frauen Zeit, die der Arbeitgeber ihnen gewähren sollte.

Auf der neuen indischen Regierung unter Narendra Modi lasten hohe Erwartungen für Wachstum und Reformen. Kann der Premierminister diese erfüllen?

Er wird es schaffen. Die Öffentlichkeit will schnelle Ergebnisse, aber wir dürfen keinen großen Knall erwarten, sondern viele kleine Schritte. In Indien nehmen die 29 Einzelstaaten starken Einfluss auf die Politik, sodass die Zentralregierung viele Kompromisse eingehen muss. Die neue Regierung ist für fünf Jahre gewählt, und so lange sollten wir ihr auch Zeit geben.

Zur Person

  • Arundhati Bhattacharya

    Bhattacharya, 58, stammt aus der Wirtschaftsmetropole Kalkutta und ist seit 2013 Chefin der staatlichen State Bank of India. Sie hat das internationale Geschäft bei Indiens größtem Kreditinstitut ausgebaut und eine bis zu zweijährige Auszeit für Mütter eingeführt.

Funktioniert die Demokratie im zersplitterten Indien überhaupt?

Ja. Die jüngsten Wahlen haben gezeigt, dass die Bevölkerung gut informiert ist und ihre Wahlentscheidung an den Erfordernissen des gesamten Landes ausrichtet statt nur an regionalen Interessen. So haben ländliche sowie städtische Wähler für die gleiche politische Richtung votiert.

Was sind nun die aus Ihrer Sicht dringendsten Maßnahmen?

Damit die großen Infrastrukturprojekte endlich ins Laufen kommen, brauchen die beteiligten Unternehmen zur Anschubfinanzierung genug Eigenkapital, um alles Weitere dann mit Krediten zu finanzieren. Entscheidend ist zudem, dass die Menschen für die Nutzung von neuen Straßen, Energie und Kommunikationsdiensten bezahlen, damit die Unternehmen ihre Kredite zurückzahlen können. So brauchen wir nicht nur funktionierende Mautstellen und Stromnetze, sondern zum Beispiel auch ein verlässliches Tarifsystem, um die Energieerzeuger zu entlohnen. Oft wird Strom illegal abgezapft, ohne zu zahlen.

Welche Rolle spielen Banken bei der Förderung von Infrastrukturprojekten?

Kredite von Geschäftsbanken spielen eine große Rolle, aber der Markt für Unternehmensanleihen ist in Indien unterentwickelt. Damit sich das ändert, brauchen wir ein besseres Gesetz für Insolvenzen, sodass Anleihegläubiger dabei nicht leer ausgehen. Zudem spielen Pensions- und Versicherungsfonds als Investoren eine zu geringe Rolle, obwohl Inder wegen der fehlenden staatlichen Absicherung dort viel Geld anlegen. Aber die Fonds kaufen wegen zu strenger Regulierung kaum langfristige Unternehmensanleihen.

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