ING-Diba-Chef Roland Boekhout: Keine Strafzinsen bei Europas größter Direktbank

ING-Diba-Chef Roland Boekhout: Keine Strafzinsen bei Europas größter Direktbank

Banken stecken in der Zwickmühle: Sie versuchen, Kunden mit einigermaßen attraktiven Sparangeboten zu halten - wissen aber selbst oft nicht, wohin mit den Anlagegeldern. ING-Diba-Chef Boekhout hat eine klare Botschaft.

Europas größte Direktbank ING-Diba will ihre Kunden trotz der Herausforderungen der Niedrigzinsphase nicht mit Strafzinsen belasten. „Wir als ING-Diba sind von negativen Zinsen weit entfernt“, sagte der Vorstandsvorsitzende des Instituts, Roland Boekhout, der Deutschen Presse-Agentur in Frankfurt. „Wenn die Niedrigzinsphase noch länger anhält, werden mehrere Banken solche Gebühren einführen. Für unser Haus kann ich mir das derzeit nicht vorstellen.“ Boekhout räumte ein, es sei schwieriger geworden, Kundengelder anzulegen. „Darum zielen wir darauf, eher neue Kunden mit durchschnittlich kleineren Sparsummen zu gewinnen.“

Im vergangenen Jahr steigerte die 100-Prozent-Tochter der niederländischen Großbank ING die Zahl ihrer Kunden in Deutschland und Österreich von 8,1 Millionen auf rund 8,3 Millionen. Der Nettozuwachs fiel geringer aus als ein Jahr zuvor, als die ING-Diba zumeist über Tagesgeld- und Girokonten 500.000 zusätzliche Kunden gewinnen konnte. Ihre Bilanz für 2014 will die ING-Diba, die in diesem Jahr ihr 50. Jubiläum feiert, am 11. Februar vorlegen.

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Die Europäische Zentralbank (EZB) kassiert von Geschäftsbanken derzeit 0,2 Prozent Zinsen, wenn diese über Nacht Geld bei ihr bunkern. Dies geben erste Häuser weiter - etwa an Unternehmenskunden, für die sie große Geldbestände vorhalten.

Ein Ende der Niedrigzinsphase im Euroraum ist nicht in Sicht. „Bedrohungen für die Banken sind zweifelsohne da“, stellte Boekhout fest. „Das Basisbankgeschäft - hier Spareinnahmen einnehmen, dort Kredite ausreichen - ist im aktuellen Niedrigzinsumfeld und angesichts der hohen Liquidität von Verbrauchern und Unternehmen in Deutschland extrem schwierig geworden.“

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Sein Haus habe als Direktbank ohne Filialnetz zumindest einen Kostenvorteil. Doch: „Das Niedrigzinsumfeld geht auch an der ING-Diba nicht spurlos vorüber. Auch wir haben unsere Zinsstruktur geändert und verzinsen größere Sparsummen ab 250.000 Euro weniger gut als vorher. Diesen Schritt hätten wir gerne vermieden.“ Der Zinssatz wurde für diese Kunden von 0,8 Prozent auf 0,5 Prozent gesenkt.

Der ING-Diba-Chef betonte: „Wir lassen uns nicht dazu zwingen, Geld irgendwie anzulegen und damit höhere Risiken einzugehen. Überliquidität tragen wir mit und nehmen Druck auf unsere Gewinn- und Verlustrechnung in Kauf.“ Allerdings würden Spargelder, die nicht angelegt werden können, problematisch, wenn die sogenannte Leverage Ratio eingeführt wird: Bei dieser Verschuldungsobergrenze sollen die Geschäfte einer Bank unabhängig vom Risikogehalt pauschal ins Verhältnis zum Eigenkapital gesetzt werden.

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