
Bleibt Griechenland im Euro oder kommt der "Grexit", der Austritt aus der Gemeinschaftswährung? Kann Spanien seine maroden Banken aus eigener Kraft retten oder braucht es doch die Hilfe der europäischen Partner? Die Euro-Schuldenkrise kommt mit voller Wucht zurück und dominiert die diesjährige Frühjahrstagung des Internationalen Bankenverbandes IIF.
"Die Herausforderungen, die vor uns liegen, sind immens", sagte der neue Präsident Douglas Flint beim Verbandtreffen. Die Finanzbranche sei bereit, gemeinsam mit der europäischen Politik an einer Lösung zu arbeiten. Die Überlegungen, auf dem Kontinent über eine Fiskal- und Bankenunion enger zusammenzurücken, seien im Grundsatz richtig. Europa brauche ein stärkeres gemeinsames Regelwerk. Flint hatte am Vorabend die Führung der mächtigen Lobby-Gruppe vom Ex-Vorstandschef der Deutschen Bank, Josef Ackermann, übernommen.
Der Weltbankenverband (IIF) unterstützt die Bemühungen der Regulierer um einen "Abwicklungsplan" für Großbanken im Krisenfall. Eine der wichtigsten Lektionen aus der Finanzkrise und dem Kollaps von Lehman Brothers sei, dass systemrelevante Geldhäuser zusammenbrechen könnten und es für diesen Fall einen international abgestimmten und schnell greifenden Fahrplan geben müsse, der den Steuerzahler schone. "Wir glauben, dass mit der Entschlossenheit der nationalen Aufseher und der Kooperation der Finanzinstitute ein effektives System geschaffen werden kann", betonte Flint. Entsprechende Vorschläge des Finanzstabilitätsrats (FSB) sollten schnellstmöglich umgesetzt werden. Der IIF vertritt mehr als 450 Finanzinstitute weltweit.
Der scheidende IIF-Geschäftsführer Charles Dallara zeigte sich zuversichtlich, dass Europa die Krise meistern werde. Die Finanzbranche werde ihren Teil dazu beitragen. Schon der milliardenschwere Schuldenschnitt für Griechenland sei komplex gewesen. Jetzt gehe es darum, auch die übrigen Probleme in Europa anzugehen. Dallara bestätigte Informationen aus Kreisen, dass er seinen Posten abgeben werde. Über einen Nachfolger sei noch nicht endgültig entschieden. Der 62-Jährige ist seit 19 Jahren beim IIF tätig und sieht nun den richtigen Zeitpunkt gekommen, das Ruder abzugeben.
Über 800 Top-Banker, Politiker, Notenbanker und Volkswirte beraten bis Freitag in Kopenhagen darüber, wie die Staatsschuldenkrise von der Krise der Banken entkoppelt werden kann. Sie wollen ein Signal an die 20 größten Industrienationen (G20) senden, die eine Woche später in Mexiko zusammenkommen.
Experten fordern seit längerem, die Probleme der Banken müssten an der Wurzel gepackt werden. Die Institute dürften sich nicht zu sehr auf die Liquiditätsspritzen der Europäischen Zentralbank (EZB) verlassen, denn irgendwann müsse das Geld wieder zurückfließen. Doch vor dem IIF-Treffen gibt es schon wieder neuen Zündstoff: Die von der EU-Kommission vorgeschlagene "Bankenunion" - eine gemeinsame Aufsicht und Absicherung der Spareinlagen in Europa - stößt bei den deutschen Banken auf Widerstand. Sie befürchten eine Vergemeinschaftung von Risiken und dürften ihrem Ärger wohl einmal mehr in der dänischen Hauptstadt Luft machen, auch wenn prominente Gäste wie Commerzbank-Chef Martin Blessing oder Bankenverbands-Hauptgeschäftsführer Michael Kemmer nicht selbst auf dem Podium sitzen, sondern sich eher am Rande der Tagung mit ihren Kollegen austauschen werden.
Zu den wichtigsten Rednern zählen EU-Währungskommissar Olli Rehn, EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier und Vertreter von BNP Paribas, Societe Generale, Credit Suisse und anderen europäischen Großbanken. Auch die US-Banken sind zugegen, ebenso wie die Chefs der umstrittenen großen angelsächsischen Ratingagenturen.
























