Stets alles im Griff
Bild: ReutersWie Banker zu ihrem Gehalt und Boni stehen
Das britische St. Paul’s Institute ist eine kirchliche Organisation, die es sich zum Ziel gemacht hat, Banken mit moralischen Fragen zu konfrontieren. Wie stehen diese zu Gehaltsabständen? Wie denken sie über Boni und ethisches Handeln? Die Umfrage unter Finanzexperten soll außerdem die Bedeutung des Finanzsektors für die Bevölkerung beleuchten.

Die Gründe der Banker, warum sie ihren Job ausüben, sind nachvollziehbar, aber wenig ethisch. 64 Prozent nennen Gehalt und Boni als Hauptmotivation. Danach erst kommen Spaß an der Arbeit (47 Prozent). Für 59 Prozent der Banker waren Macht und Ansehen die wichtigste Motivation für den Beruf.

Allerdings sehen die Befragten die Vergabe von Boni durchaus kritisch: 70 Prozent der Banker empfehlen, dass Boni eine Belohnung für langfristigen Erfolg statt Bonbon für eine kurzfristig verbesserte Performance sein sollten. Außerdem sagen sie, dass die Aussicht auf hohe Boni dazu führt, dass Banker bereit sind, größere Risiken einzugehen.
Bild: dpaObwohl der Mehrheit der Banker das Geld am wichtigsten zu sein scheint, betrachten sie sich und ihre Kollegen als überbezahlt. Banker, Börsenhändler Anwälte und die Chefs der wichtigsten, britischen Unternehmen (FTSE 100) bekommen nach Meinung der Befragten zu viel Geld. Speziell die Anleihenhändler halten 66 Prozent für überbezahlt, dicht gefolgt von den CEOs mit 63 Prozent. Von Lehrern dagegen glauben 70 Prozent der Banker, dass sie zu wenig verdienen.
Bild: DPABei der Frage, ob ein höheres Einkommen einen Einfluss auf die Moral hat, waren sich die Experten uneinig: 34 Prozent glauben nicht daran, dass mehr Geld einen wie auch immer gearteten Einfluss auf die Moral hat. 30 Prozent denken, dass mehr Geld nützt und 28 Prozent der Banker glauben, dass mehr Wohlstand dem Charakter schadet.
Bild: REUTERSWenn Ethik schon keine Frage des Geldes ist, dann vielleicht der Regulierung? Da waren sich die Befragten sicher: Der Markt muss strenger beaufsichtigt werden. 51 Prozent gaben an, dass eine Deregulierung der Märkte zu weniger ethischem Verhalten führt. 16 Prozent glauben an mehr Ethik bei laxeren Regeln. Und rund ein Drittel geht davon aus, dass der Grad der Regulierung keine Rolle spielt.
Bild: dapdDagegen sagen die Londoner Finanzexperten, dass die soziale Verantwortung der Unternehmen (Corporate Social Responsibility, abgekürzt CSR) in ihrem Unternehmen eine große Rolle spielt. 82 Prozent behaupteten, dass in ihrem Unternehmen hohe ethische Standars das Geschäft betreffend gelten. Außerdem lehnen sie die Behauptung ab, dass CSR einen negativen Effekt auf den Shareholder value haben.
Bild: dpa.Bemerkenswerte 75 Prozent der Banker beklagen, dass die Lücke zwischen Arm und Reich in Großbritannien zu groß ist. 58 Prozent empfehlen sogar, dass Unternehmen in benachteiligte Gemeinden investieren sollen.
Wie Banker zu ihrem Gehalt und Boni stehen
Das britische St. Paul’s Institute ist eine kirchliche Organisation, die es sich zum Ziel gemacht hat, Banken mit moralischen Fragen zu konfrontieren. Wie stehen diese zu Gehaltsabständen? Wie denken sie über Boni und ethisches Handeln? Die Umfrage unter Finanzexperten soll außerdem die Bedeutung des Finanzsektors für die Bevölkerung beleuchten.
Nicht alle Geschäfte sind Erfolge. Die Chrysler-Fusion ist längst Geschichte und auch das Zusammenwirken mit dem früheren KarstadtQuelle-Chef Thomas Middelhoff bei seinen letztlich ruinösen Finanzmanövern rund um den Essener Handelskonzern ist für Goldman Sachs kein Ruhmesblatt.
Dem Ansehen des Superdealmakers hat dies keinen Abbruch getan. Der Freund schneller Autos gilt ungebrochen als erste Adresse. Dibelius ist ein Kontaktesammler, ein angenehmer und interessierter Gesprächspartner, der die Wichtigen der Welt auch gerne in seinen Häusern in München, Kitzbühel und Saint-Tropez empfängt. Dort bahnt er Geschäfte an, gibt Impulse und hat Ideen, auf die andere nicht kommen. Die Details überlässt er Untergebenen.
Ego-Giganten
Dass er seine Gesprächspartner nicht immer für ebenbürtig hält, lässt Dibelius nur selten durchscheinen. So auf einer Konferenz, bei der der Moderator ihn mit Plattitüden über die Moral der Finanzwelt so lange nervte, bis Dibelius ihn mit der Bemerkung zum Schweigen brachte, dass sich wohl schon klügere Leute über diese Themen Gedanken gemacht hätten. Mitunter gibt er sich sogar nachdenklich. So bemängelte er Ende 2010, dass Investmentbanker "ihre Parallelwelt" wohl zu wenig erklärt hätten.

Ob Dibelius oder Notheis: Wenn die Ego-Giganten bei milliardenschweren Übernahmeverhandlungen mitreißend durch die Unternehmen marschieren, profitieren sie vor allem von ihrem Mehr an Erfahrung. Während große Transaktionen für sie fast zum Alltag gehören, sind diese für Vorstände Extremsituationen, in denen das Schicksal ihres Unternehmens und die eigene Karriere auf dem Spiel stehen.
Obwohl Unternehmen wie Siemens längst eigene Übernahmeabteilungen aufgebaut haben, erwecken die Banker so den Eindruck der Unverzichtbarkeit. Nur sie, so der Anschein, wissen, wie Käufe in Russland funktionieren, nur sie können die Marktposition des Objekts der Begierde verlässlich einschätzen, nur sie wissen um die Stimmung der Investoren in Nahost. Sie allein können abschätzen, wie die Öffentlichkeit auf die Übernahme reagiert und welche Gefahren von Hedgefonds drohen, die sich womöglich einklinken.
Triebfeder ist das Bezahlmodell
So vermittelten die zackig auftretenden Finanzmanager "die Illusion, dass sie alles im Griff haben", sagt ein Anwalt. Haben sie ja auch. Sie empfehlen den Kunden, welcher Anwalt, welcher Steuerberater, welche PR-Agentur am besten für die Transaktion geeignet ist. Und wenn es Probleme gibt, ist stets der passende Ansprechpartner zur Hand. Als Beweis dient ein überbordendes Adressverzeichnis mit wichtigen Namen samt Handynummern.
Triebfeder allen Elans ist das Bezahlmodell der Branche, das den früheren Deutschland-Chef einer Investmentbank von einer "unheiligen Allianz mit den Unternehmen" sprechen lässt. Anders als Unternehmensberater und Rechtsanwälte berechnen Investmentbanker kaum Stundensätze. Geld fließt nur, wenn es einen Abschluss gibt, dafür dann aber umso mehr. Ein knappes Prozent des Kaufpreises ist als Honorar Standard, bis zu zwei Prozent sind möglich. Die 13 Millionen, die Morgan Stanley für den Fünf-Milliarden-Kauf der EnBW kassierte, waren demnach vergleichsweise wenig.

























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Alle Kommentare lesen11.07.2012, 11:03 UhrAnonymer Benutzer:allesverloren
Die Arbeit der Investment-Banker könnte man als segensreich bezeichnen, wenn eine Voraussetzung erfüllt würde.
Wenn es schief geht, sollten die Deal-Maker und finanzierenden Banken am Verlust beteiligt werden. Das geht aber nur durch eine hohe Eigenkapital-Hinterlegung und durch eine Bezahlung nach langfristigem Erfolg. Ansonsten landen die Verluste bei den Steuerzahlern.
Das funktioniert eigentlich nur bei einer strikten Trennung zwischen Investment-Banking und normalen Geschäftsbanken. Das ist heute nicht gegeben.
Der ENBW-Fall liegt m.E. etwas anders. Da haben viele, viele, viele Leute nicht aufgepasst, bzw. bewusst weggeschaut. Das kann einer allein so gar nicht machen.
05.07.2012, 09:32 UhrAnonymer Benutzer:fahrenheitxxx
Nein wiwo, Investment Banker sind Finanzmakler und - berater auf Provisionsbasis. Ihre Aufgabe ist nicht die Vertretung der Interessen des Volkes, das ist die Aufgabe der Poltik. Ihr Einfluss ist deshalb so stark gewachsen, weil eitle, aber dumme Konzernlenker, wie Schrempp Wachtumsphantasien und Aktienoptionen erliegen und weil sich Pseudo-Gutmenschen, wie Kleverle, Pöhl, Issing, Weber als Türöffner verdient haben.
05.07.2012, 08:52 UhrRegistrierter Benutzer:Skyjellyfetty
"Ich bin der Geist,der stets verneint!Und das mit Recht,denn alles was entsteht;ist wert,dass es zu Grunde geht.Drum besser wär´s wenn nichts entstünde.So ist den alles,was ihr Sünde,Zerstörung,kurz das Böse nennt,mein eigentliches Element."MEPHISTOPHELES
Goethe
Wieso drängt sich mir dieses Zitat beim Lesen diese Artikels auf?