Jobabbau: Beschäftigte der Commerzbank unter Druck

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KommentarJobabbau: Beschäftigte der Commerzbank unter Druck

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Laut Wall Street Journal will Deutschlands zweitgrößte Bank 6.000 Jobs streichen. Hintergrund des Abbauprogramms soll das kriselnde Privatkundengeschäft der Commerzbank sein.

von Mark Fehr

Deutschlands zweitgrößte Bank könnte tausende Jobs wegrasieren, die Kunden sollen profitieren. Die Drohkulisse eines massiven Stellenabbaus zwingt die Arbeitnehmer zu mehr Flexibilität.

Die Gerüchte über einen massiven Stellenabbau bei der Commerzbank bekommen neue Nahrung. Laut Wall Street Journal will das Institut 6.000 Jobs streichen. Im November 2012 hatte die Zeit unter Berufung auf Finanzkreise bereits vor Plänen gewarnt, wonach bis zu 6.000 Stellen bedroht seien. Das Institut beschäftigt derzeit rund 58.000 Mitarbeiter.

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Hintergrund des bevorstehenden Abbauprogramms ist vor allem das kriselnde Privatkundengeschäft der Commerzbank. Sparer lassen wegen der niedrigen Zinsen immer öfter die Hände von in den 1.200 Filialen angebotenen Finanzprodukten und schrecken angesichts der unsicheren Situation auf den Finanzmärkten vor Geldanlagen zurück. Die Erträge der Sparte von Privatkundenchef Martin Zielke stehen daher stark unter Druck.

Kontern will die Commerzbank mit Investitionen von rund zwei Milliarden Euro, die zu einem großen Teil der Privatkundensparte zu Gute kommen sollen. Wegen des angekündigten Investitionsprogramms werden aber keine zusätzlichen Leute eingestellt – im Gegenteil. Denn flankiert wird der neue Kurs auch durch Effizienzsteigerungen und Kostensenkungen.

Die Bank hat den Mitarbeitern Diskussionen darüber während der Feiertage erspart, um den Weihnachtsfrieden zu wahren. Zu Beginn des neuen Jahres dürfte das Management unter Bankchef Martin Blessing dafür umso härter in die Verhandlungen mit Gewerkschaften und Betriebsräten einsteigen. Die Gerüchte über einen massiven Stellenabbau könnten die Arbeitnehmerseite gefügig machen und zu schnelleren Zugeständnissen gegenüber ihrem Arbeitgeber zwingen.

Während den Beschäftigten harte Einschnitte bevorstehen, sollen die Kunden der Commerzbank vom neuen Kurs profitieren. Commerzbank-Vorstand Ulrich Sieber leitet die Tarifkommission der Bankarbeitgeber. Er hat bereits im vergangenen Jahr versucht, den Gewerkschaften und Arbeitnehmervertretern flexiblere Arbeitszeiten abzutrotzen.

Die wichtigsten Sparten der Commerzbank

  • Asset Based Finance

    Diese Sparte schrieb 2011 einen operativen Verlust von 3,91 Milliarden Euro. Zur ABF zählen die gewerblichen Immobilien-, Schiffs-, und Staatskredite. Das ändert sich im Juli. Dann zählen Schiffskredite und ein Teil der Immobilienkredite zur Real Estate and Ship Finance. Der Rest wird in Non Core Assets abgewickelt.

  • Privatkunden

    Das operative Ergebnis 2011 betrug 375 Millionen Euro. Zu diesen Segment zählt das Vermögensmanagement und die Online-Tochter comdirect. Die Commerzbank möchte das Privatkundengeschäft weiter ausbauen, bisher sind die Erfolge übersichtlich.

  • Osteuropageschäft

    Operatives Ergebnis 2011: 483 Millionen Euro. Zwischenzeitlich gab es große Probleme in der Sparte. Zu ihre zählen die polnische Tochter BRE, die jetzt wieder hohe Gewinne schreibt und die ukranische Bank Forum.

  • Investment-Banking

    Das operative Ergebnis der Sparte betrug in vergangenen Jahr 583 Millionen Euro. Der Geschäftsbereich umfasst das kundenorientierte Investmentbanking und die Betreuung der kapitalmarktaffinen Kunden.

  • Mittelstandsbank

    Diese Sparte lieferte 2011 ein operatives Ergebnis von 1,53 Milliarden Euro. Damit ist die Mittelstandsbank die wichtigste Sparte. Sie betreut mittelständische und große Unternehmenskunden, sowie institutionelle Kunden.

Ziel der Bank ist, ihren Kunden Beratungszeiten anzubieten, die besser zu deren Tagesablauf passen. Vor allem während der Mittagszeit und abends soll die Präsenz der Mitarbeiter in den Filialen verstärkt werden, sodass berufstätige Kunden während ihrer Arbeitspausen oder nach Feierabend mehr Zeit haben, um ihre Bankberater aufzusuchen. Auch an Samstagen sollen Bankgeschäfte für die Kunden leichter werden.

Der Commerzbank steht die Möglichkeit offen, in solchen Filialen samstags aufzumachen, wo lokale Konkurrenten wie Postbanken oder Volksbanken dies ebenfalls tun. Das allerdings muss mit den Betriebsräten vor Ort abgesprochen werden. Deren Widerstand könnte angesichts der Drohkulisse des bevorstehenden Stellenkahlschlags schnell dahin schmelzen.

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Die Frage ist allerdings, ob die Verbraucher nach der Finanzkrise und den Beratungsskandalen der Vergangenheit den Banken überhaupt noch genügend Vertrauen entgegenbringen, um regelmäßig Bankfilialen aufzusuchen. Zudem lassen sich die meisten Transaktionen auch über das Internet abwickeln. Mit diesem Kulturwandel muss sich nicht nur die Commerzbank auseinandersetzen, sondern auch andere Institute.

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