JP-Morgan-Chef am Pranger: "Ein isoliertes Ereignis"

JP-Morgan-Chef am Pranger: "Ein isoliertes Ereignis"

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Wie konnte das passieren? JPMorgan-Chef Jamie Dimon muss dem US-Senat erklären, wie seine Bank binnen sechs Wochen mindestens zwei Milliarden Dollar verzockte.

Der Milliardenverlust mit komplexen Finanzpapieren ist für JP-Morgan-Chef Jamie Dimon enorm peinlich. Am Mittwoch muss er sich vor dem Bankausschuss des US-Senats verantworten. Er spricht von einem "isolierten Einzelfall" - und schiebt die Verluste auf die Unfähigkeit seiner Händler.

Auch ein Krisengewinner greift mal daneben. JP Morgan, die einzige große US-Bank, die in den vergangenen Jahren erfolgsverwöhnt bleiben konnte, hat beim Risikomanagement versagt. Sechs Wochen brauchte die Bank von April bis Mai, um mindestens zwei Milliarden Dollar zu verlieren. Der Verlust ist ein weiteres Beispiel dafür, dass manche Geschäfte von Banken heutzutage selbst den eigenen Risikoexperten zu komplex sind, um sie noch zu verstehen. Viele stellen sich die Frage: Wie konnte das passieren? Am Mittwoch sitzt Bankchef Jamie Dimon vor dem Bankenausschuss des US-Senats, um diese und weitere Fragen zu beantworten.

Eigentlich habe man mit den Milliardenwetten die Gefahren für die Bank reduzieren wollen, dabei aber die eigene Strategie nicht ganz verstanden, erläuterte Dimon in seinem vorab verbreiteten Redetext. Die Verluste seien ein "isoliertes Ereignis" - ansonsten liefen die Geschäfte der Bank hervorragend und man werde im laufenden Quartal einen Gewinn verbuchen.

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Die Spekulationen mit komplexen Finanzderivaten habe die Investment-Abteilung der nach Anlagevermögen größten Wall-Street-Bank veranlasst, um sie auf die verschärften internationalen Kapitalregeln des Basel-III-Regelwerks vorzubereiten. Anstatt riskante Papiere aus ihrem synthetischen Kreditportfolio einfach zu verkaufen, habe die Abteilung auf eine komplexe Strategie gesetzt, mit der sie das Portfolio noch vergrößert hätte. So seien schwer zu kalkulierende Risiken entstanden. „Diese Strategie wurde weder genau analysiert, noch einem rigorosen Stress-Test unterworfen, noch außerhalb des Londoner Chief Investment Office geprüft“, erklärte Dimon. „Im Nachhinein ist klar, dass es den Händlern an dem erforderlichen Verständnis für die Risiken mangelte, die sie eingingen.“

"Oder war das Ziel in Wirklichkeit, Geld zu verdienen?"

Für den entstandenen Gesamtschaden nannte Dimon keine neue Summe. Einige Branchenexperten schätzen auf Basis von Marktgerüchten über die Geschäfte, dass der Verlust noch auf fünf Milliarden Dollar anschwellen könnte. Der Vorsitzende des Bankenausschusses, Tim Johnson, stellte laut Redetext die Gegenfrage: „Wie ist es möglich, dass eine Bank viel zu hohe Risiken bei dem Versuch eingeht, die Risiken zu reduzieren?“ Er vermutete, dass die wahre Motivation hinter den Geschäften das Geldverdienen gewesen sei und nicht die Vermeidung von Gefahren. "Oder war das Ziel in Wirklichkeit, Geld zu verdienen?", fragte er.

Allen Peinlichkeiten zum Trotz: Wie viel höher der Verlust ausfällt, ist nicht so wichtig - allein im vergangenen Jahr verdiente JP Morgan 19 Milliarden Dollar.

Der Aktienkurs von JP Morgan hat seit Bekanntgabe am 10. Mai bis Mittwoch dennoch rund 17 Prozent eingebüßt. Damit sank der Börsenwert um etwa 26,5 Mrd. Dollar. Im Zuge der Spekulationsverluste entließ Dimon die Chefin der Sparte, Ina Drew. Und sie war nicht die einzige: "Wir haben viele Leute entlassen. Und das tut uns Leid", sagte Dimon. Am kommenden Dienstag hat Dimon wieder ein unangenehmes Date: Dann muss er sich vor dem Finanzdienstleitungsausschuss der Repräsentantenhauses verantworten.

Mit Material von Reuters

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