JP Morgan: Die große Blamage des Jamie Dimon

JP Morgan: Die große Blamage des Jamie Dimon

von Angela Hennersdorf und Yvonne Esterházy

Nach den Milliardenverlusten bei der US-Investmentbank und den zynischen Sprüchen ihres Chefs Jamie Dimon stehen die Zeichen in den Vereinigten Staaten auf verschärfte Regulierung der Wall-Street-Institute.

Es war ein vertrauliches Gespräch, zu dem US- Notenbanker Daniel Tarullo die amerikanische Banker-Elite nach New York geladen hatte. Thema des informellen Treffens, zu dem auch Goldman-Sachs-Vorstand Llyod Blankfein und Morgan-Stanley-Chef James Gorman erschienen: die Finanzmarktregulierung. Initiiert hatte das Treffen Jamie Dimon, Chef der nach Börsenwert größten US-Bank JP Morgan Chase. Über die Fakten der Bankenregulierung wolle er mit dem Notenbank-Offiziellen diskutieren, hatte Top-Banker Dimon seine Kollegen gelockt: Mehr Regulierung sei nicht nur unnötig, sondern sogar schädlich für die gesamte Branche.

Das Treffen Anfang Mai hätte, aus heutiger Sicht, gar nicht peinlicher ausfallen können. Denn während der als inoffizieller Sprecher der Wall Street gehandelte JP-Morgan-Chef über die angebliche Schädlichkeit strikter Bankenregulierung schwadronierte, verzockten in London seine Investment-Chefin Ina Drew und ihre Händler Milliarden mit riskanten Finanzwetten. Gerade mal zwei Wochen nach dem Treffen mit den Währungshütern musste Dimon einen Verlust von zwei Milliarden Dollar melden, aufgelaufen in sechs Wochen. Wie viele Miese noch dazukommen können, will er nicht sagen, auch einen Höchstbetrag mag er nicht nennen.

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Gefahr für die gesamte Branche

Vier Jahre nach der Finanzkrise und wenige Wochen nachdem die US-Notenbank Fed im März die Bankenkrise inoffiziell für beendet erklärt hatte, zeigt ausgerechnet der Branchenprimus, wie gefährlich fragil der US-Bankensektor nach wie vor ist. Dabei hatte die Fed in ihrem Stresstest JP Morgan und 14 weiteren US-Banken bescheinigt, sie verfügten über genügend Kapitalpuffer von mindestens fünf Prozent. Die US-Banken seien heute besser aufgestellt als zu Zeiten der Finanzkrise.

Nun entlarven die Londoner JP-Morgan-Zocker die Einschätzung der Fed als frommen Wunsch. Denn der Fall der US-Investmentbank zeigt, dass nach wie vor riskante Spekulationen etwa mit Kreditausfall-Versicherungen wie bei JP Morgan nicht nur das eigene Institut in Gefahr bringen können, sondern die gesamte Branche.

Blanker Zynismus

Mit der von US-Präsident Barack Obama auf den Weg gebrachten Reform sollen solche Geschäfte eigentlich verboten werden. Danach dürften Banken nicht mehr mit ihrem eigenen Geld spekulieren, fordert die sogenannte Volcker-Regel, benannt nach ihrem Erfinder, dem früheren US-Notenbankchef Paul Volcker.

Das Gesetz, beschlossen 2010, ist allerdings immer noch nicht in Kraft. Denn die Finanzlobby hat in den vergangenen Jahren alles darangesetzt, sich gegen das Verbot mit dem Eigenhandel zur Wehr zu setzen. An die Spitze der Bewegung hatte sich JP-Morgan-Chef Dimon gesetzt –was nach dem Milliarden-Flop wie blanker Zynismus wirkt.

Die Volcker-Regel und das Verbot, auf eigene Rechnung zu spekulieren, bezeichnete Dimon als bürokratisches Monster, das die Banken schwächen werde. Künftig brauche jeder Banker einen Anwalt und einen Psychiater, ehe er Entscheidungen treffe. Volcker habe zugegeben, von den Kapitalmärkten keine Ahnung zu haben. "Für mich hat er das bewiesen", polemisierte Dimon Anfang 2012. Höhere Eigenkapitalvorgaben für systemrelevante Banken, wie sie der Basler Ausschuss fordert, die internationale Schaltzentrale für Bankenregulierung, seien "anti-amerikanisch".

Der neue Wall-Street-Skandal straft Dimon Lügen und ist Wasser auf die Mühlen der Bankenkritiker. Um eine striktere Regulierung kämen die Institute nach diesem Fiasko jetzt wohl nicht mehr herum, sagt Mark Calabria, Finanzmarktexperte beim liberalen Thinktank Cato Institute in Washington. „JP Morgan hat der Branche damit einen Bärendienst erwiesen. Das umstrittene Regulierungsgesetz wird nun sicherlich schneller umgesetzt werden.“ In Kraft treten soll es am 21. Juli dieses Jahres.

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