Kapitalerhöhung: Die Deutsche Bank greift an

Kapitalerhöhung: Die Deutsche Bank greift an

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Die Zwillingstürme der Deutschen Bank in Frankfurt am Main.

von Saskia Littmann

Anleger zeigen sich gewohnt skeptisch gegenüber der Kapitalerhöhung von Deutschlands größter Bank. Langfristig rechnen Analysten aber mit Kursgewinnen - wenn der Angriff auf die Spitze im Investmentbanking funktioniert.

Zustimmung sieht anders aus. Die Aktionäre der Deutschen Bank sind von den Plänen zur Kapitalerhöhung bei Deutschlands größtem Geldinstitut offensichtlich noch nicht komplett überzeugt. Verkäufe drückten die Aktie am Montag ins Minus, mit einem Verlust von 2,2 Prozent gehörte das Papier zu den größten Dax-Verlierern. Eine übliche Reaktion bei Kapitalerhöhungen.

Zwar war der Wunsch der Frankfurter nach mehr Kapital bekannt, die Höhe der Kapitalerhöhung dürfte aber einigen Aktionären sauer aufstoßen. Es ist die zweitgrößte in der Geschichte der Bank. Dennoch gibt es auch Lob für die beiden Co-Chefs Anshu Jain und Jürgen Fitschen.

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Wie am Sonntag bekannt wurde, will die Deutsche Bank insgesamt rund acht Milliarden Euro an frischem Kapital aufnehmen. Dazu werden neue Aktien ausgegeben. Papiere im Wert von 1,75 Milliarden Euro sollen an einen neuen Großaktionär gehen - einen Scheich aus dem arabischen Emirat Katar. Hamad bin Dschassim bin Dschaber al-Thani könnte laut Schätzungen künftig rund sechs Prozent der Anteile halten und soll laut einer Mitteilung der Deutschen Bank sogenannter "Ankeraktionär" werden.

Bisher hatte die Deutsche Bank lediglich einen Großaktionär, dessen Anteil über der gesetzlichen Meldeschwelle von drei Prozent lag, den Vermögensverwalter Blackrock. Dafür sorgen allein die Indexfonds, die Blackrock verwaltet, der Vermögensverwalter nimmt daher auch keinen Einfluss auf die Strategie der Bank.

Deutsche Bank Der Höllenjob des Anshu Jain

Anshu Jain ist nach zwei Jahren an der Spitze der Deutschen Bank ein Fremder geblieben. Von Beginn an stand er auf der Kippe. Sein Job ist ein Wettlauf gegen seine Vergangenheit.

Selbst zwei Jahren nach dem Start ist noch nicht klar, ob Anshu Jain der richtige Chef für die Deutsche Bank ist. Quelle: Laif

Die restlichen rund 6,3 Milliarden Euro will die Deutsche Bank am Kapitalmarkt durch die Ausgabe von bis zu 300 Millionen neuer Aktien einsammeln. Diese Zahlen deuten auf einen Ausgabepreis von rund 21 Euro hin. Da der aktuelle Kurs bei rund 30 Euro rangiert, bedeutet das einen Abschlag von 30 Prozent. Die genauen Konditionen werden in einem Wertpapierprospekt stehen, der am 5. Juni veröffentlicht werden soll.

Dass die Bank nochmals frisches Kapital aufnehmen würde, hatte sich schon bei der Präsentation des Jahresergebnisses angedeutet. Die Höhe der Kapitalerhöhung überraschte dennoch einige Analysten. "Das Volumen liegt mit acht Milliarden Euro über dem, was wir als wahrscheinlich betrachtet hatten", sagte Equinet-Analyst Philipp Häßler. Dennoch sei die Entwicklung positiv, da der Umfang groß genug sein sollte, um die Diskussion um die Kapitalausstattung der Bank zu beenden, erklärt Häßler.

Allerdings gab es auch kritische Stimmen. Andrew Lim, Analyst der französischen Großbank Société Générale, will mehr. Die Bank brauche noch weitere fünf Milliarden Euro, schrieb Lim in einer Studie. Dirk Becker vom Analysehaus Kepler Cheveaux erwartet dagegen, dass die Maßnahme den Aktienkurs langfristig treiben wird. Sobald die Transaktion abgeschlossen sei, dürften die Investoren die Stärke des operativen Geschäfts würdigen, so Becker. Der Verwässerungseffekt dagegen sei bereits eingepreist.

Diesen fürchten Aktionäre bei einer Kapitalerhöhung. Denn durch die Ausgabe der neuen Aktien sinkt der Wert der alten. Dennoch dürften im Fall der Deutschen Bank die positiven Seiten überwiegen. Mit dem Geld soll unter anderem die Wettbewerbsfähigkeit gestärkt werden, insbesondere im Vergleich zu den amerikanischen Großbanken wollen die beiden Co-Chefs Jürgen Fitschen und Anshu Jain weiter Boden gut machen. Vor allem der Bereich des Investmentbankings dürfte von der Kapitalspritze profitieren. Der ehemalige Leiter der riskanten Investmentsparte, Anshu Jain, will die Bank in diesem Bereich wieder in die Weltspitze bringen.

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Nach dem weitgehenden Rückzug von Rivalen wie der UBS und Barclays "werden wir die einzige wirklich globale Investmentbank mit Sitz in Europa sein", beschrieb der gebürtige Inder seine Ambitionen in einem Gespräch mit Investoren am Montag. Während US-Banken wie Goldman Sachs oder JP Morgan das riskante Geschäft dominieren, haben sich europäische Institute, wie die Schweizer UBS zuletzt, aus dem Markt zurückgezogen. Zuletzt fuhren viele Investmentbanken Verluste ein, da das Anleihegeschäft erheblich unter den niedrigen Zinsen leidet.

Zum anderen kommt die Bank in der Regulierungsfrage einen großen Schritt voran. Die maximale Verschuldungsquote steigt auf 3,1 Prozent und erfüllt damit die Anforderung der Regulierer, die verlangt, dass alle Geldinstitute nach Basel III in Zukunft mindestens drei Prozent ihres Risikokapitals mit Eigenkapital unterlegen müssen. Zudem steigt die harte Kernkapitalquote selbst ohne Übergangsvorschriften von bisher 9,5 auf 11,8 Prozent.

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