Kapitallücke: Commerzbank will es alleine schaffen

Kapitallücke: Commerzbank will es alleine schaffen

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Der Allianz-Konzern will der Commerzbank bei der Erhöhung des Eigenkapitals helfen.

von Mark Fehr

Bankenchef Blessing will ohne Staatshilfen auskommen, dabei soll auch Versicherer Allianz helfen - und geht dabei ein hohes Risiko ein.

In einer Woche muss Commerzbank-Chef Martin Blessing der EU-Bankenaufsichtsbehörde EBA darlegen, wie er das harte Kernkapital seines Unternehmens um 5,3 Milliarden Euro aufstocken will. Die EBA verlangt von wichtigen europäischen Geldinstituten wie der Commerzbank bis Ende Juni 2012 eine harte Kernkapitalquote von neun Prozent. Gemeint ist der Anteil von Haftungsmasse am Risikovermögen, das etwa aus Wertpapieren und Krediten besteht.

Die Banken sollen eine höhere Kapitalquote erreichen, um nervösen Finanzmarktteilnehmern ihre Widerstandsfähigkeit angesichts der Schuldenkrise zu demonstrieren. Die Bedingungen des Stresstests sind hart, denn die Aufsichtsbehörde zieht Verluste ab, welche die Banken durch Staatsanleihen kriselnder Euro-Länder erleiden.

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Blessings Finanzvorstand Eric Strutz hat bekräftigt, dass die Commerzbank die EBA-Kapitalhürde ohne erneute Staatshilfen überwinden will. Wie das klappen soll, ist noch offen, Experten haben das zuletzt bezweifelt. Kurz vor Ablauf der EBA-Deadline am kommenden Freitag eilt nun der Versicherungsriese Allianz Deutschlands zweitgrößtem Kreditinstitut zur Hilfe. Der Münchner Konzern könnte seine stille Commerzbank-Einlage härten oder in Aktien wandeln, wie aus Medienberichten hervorgeht. Rund 750 Millionen Euro hartes Kernkapital stünden der Bank dann zur Verfügung, sofern die Finanzaufseher die Maßnahme anerkennen.

Die Allianz handelt nicht selbstlos

Allerdings: Selbst wenn die EBA die Allianz-Hilfsaktion für die Commerzbank durchwinkt, bliebe nach Abzug aller bisher unternommenen oder eingeleiteten Schritte noch ein offener Betrag von knapp einer Milliarde Euro. Den Löwenanteil zur Kapitalaufstockung trägt der Abbau von Kreditgeschäft und anderen Risikopositionen bei, das soll nach neuesten Informationen des Handelsblatts 2, 7 Milliarden bringen. Hinzu kommen Immobilienveräußerungen sowie der taktisch clevere Rückkauf von hybriden Finanzinstrumenten, durch den die Commerzbank auf Kosten ihrer Anleihe-Investoren bereits einen Gewinn verbuchen konnte. Der Rückkauf nachrangiger Anleihen soll 700 Millionen Euro bringen.

Den noch fehlenden Betrag aufzubringen, halten Analysten angesichts der sich abzeichnenden Hilfen durch die Allianz nicht für ausgeschlossen. Trotz eines schlechten zweiten Halbjahrs könnte die Commerzbank auf das Gesamtjahr 2011 gesehen Gewinn gemacht haben. Wenn sie diesen einbehält, würde sie ihr Kapital dadurch aufstocken. Für Dividenden an Aktionäre bliebe dann aber nicht mehr viel Geld übrig.

Warum aber wagt sich die Allianz bei der Commerzbank ins Risiko? Der Schritt ist tatsächlich nicht ohne Gefahr: Weitet CEO Michael Diekmann sein Engagement bei Blessings Institut aus, könnten die Aktionäre und Versicherten der Allianz in der Strudel der Bankenkrise gerissen werden. Andererseits könnte der Schritt die Commerzbank stabilisieren und zur Beruhigung der Finanzmärkte beitragen. Damit wäre auch der Versicherungsbranche gedient, die zahlreiche Bankanleihen hält. Sollte sich der Kurs der Commerzbank stabilisieren, weil die Anleger keine neuen Staatshilfen mehr fürchten müssen, würde die Allianz ebenfalls profitieren. Sie ist schließlich nach dem Bund der zweitgrößte Commerzbank-Aktionär.

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