Kapitalmaßnahmen: Stresstest trickst die Landesbanken aus

Kapitalmaßnahmen: Stresstest trickst die Landesbanken aus

, aktualisiert 07. Dezember 2011, 13:53 Uhr
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Europas Bankenaufseher machen den deutschen Landesbanken mal wieder das Leben schwer.

Quelle:Handelsblatt Online

Die Kapitalspritze bei der NordLB naht, im Dezember wollen die Eigentümer Geld zuschießen, das als hartes Kernkapital anerkannt wird. Doch die Landesbank wird offenbar wegen Formalien durch den Stresstest fallen.

DüsseldorfDer laufende europäische Bankenstresstest wird für die deutschen Landesbanken ungemütlicher als erhofft: Weil die EU-Bankenaufsicht EBA offenbar den Stichtag für Kapitalmaßnahmen der Finanzinstitute geändert hat, drohen der NordLB und der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) eine weitaus größere Kapitallücke als bisher angenommen. Das berichten die Financial Times Deutschland (FTD) und die Hannoversche Allgemeine.

Die Aufseher der noch jungen Londoner EBA-Behörde erkennen Maßnahmen zur Stärkung des Eigenkapitals nur an, wenn diese bis zum 30. September 2011 vollzogen worden sind. Die Helaba ist bei dem Test aus formalen Gründen wohl schon durchgefallen, ähnlich könnte es bei der NordLB aussehen. Die Ergebnisse werden am Donnerstag oder Freitag erwartet.

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Bei der NordLB wird die beschlossene Kapitalstärkung der Träger erst zum Jahresende wirksam. Im Dezember rechnet die Landesbank mit einer großen Kapitalspritze ihrer Eigentümer, mit der das Land Niedersachsen die Mehrheit an dem Institut übernehmen wird. Anders als zunächst geplant, werden aber auch die Sparkassen aus Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt mit 100 Millionen Euro an einer Kapitalerhöhung teilnehmen, wie ein mit dem Vorhaben Vertrauter am Dienstag sagte. Das Land Niedersachsen steuere 500 Millionen Euro frisches Kapital bei und komme damit auf rund 60 (bisher 41,8) Prozent der Anteile. Zusätzlich wandelt Niedersachsen rund 150 Millionen bisheriges Nachrangkapital in hartes Kernkapital um und härtet eine Stille Einlage von 920 Millionen Euro so, dass auch sie künftig von den Bankenaufsehern als hartes Kernkapital anerkannt wird. Damit kann die NordLB ihre zukunftssichere Kapitalbasis insgesamt um rund 1,7 Milliarden Euro aufbessern - was nach Berechnungen von Experten einer Erhöhung der harten Kernkapitalquote um knapp einen Prozentpunkt entspricht.

Allerdings wird die NordLB durch den veränderten Stichtag die Frist nicht einhalten können und der zusätzliche Bedarf an hartem Kernkapital könnte von bisher angenommenen 660 Millionen Euro auf bis zu 2,5 Milliarden Euro anschwellen. Die Bank wollte hierzu keine Stellungnahme abgeben und auch die Helaba hat sich bislang noch nicht geäußert. Laut FTD verkommt der Stresstest der EBA immer mehr zu einem Kampf um Formalitäten, zumal es bei den beiden Landesbanken nur um das "Härten" stiller Einlagen gehe, also um eine Kapitalform, die im Verlustfall auch heute schon zur Verfügung stehen würde. Zudem hätte die EBA die Kapitalerhöhung der NordLB bei ihrem Test im Sommer bereits anerkannt. Die Helaba soll sich hingegen aus dem Stresstest ausgeklinkt haben, die Aufseher noch weitere Details sehen wollten. Dort härtet das Land Hessen derzeit stille Einlagen von 1,9 Milliarden Euro.


Streit verzögert Vorlage der Ergebnisse

EU-Politiker wollen, dass die europäischen Banken bis zum Juni 2012 besondere Anforderungen beim Eigenkapital erfüllen, um gegen die Auswirkungen der Schuldenkrise gewappnet zu sein. Die EBA ermittelt nun in den Blitz-Stresstests, ob dafür zusätzliche Mittel erforderlich sind, hatte allerdings gegenüber ersten Einschätzungen den Stichtag und die Kriterien geändert.

Unterdessen verzögert sich die Veröffentlichung der mit Spannung erwarteten Ergebnisse weiter. Eigentlich war die Veröffentlichung der Daten an diesem Mittwoch erwartet worden. Ursprünglich sollten die Ergebnisse sogar bereits Mitte November vorliegen. Wegen eines heftigen Streits zwischen der europäischen Bankenaufsichtsbehörde EBA und den nationalen Aufsehern über die Kriterien der Untersuchung kam es aber immer wieder zu Verschiebungen.

In einem Blitz-Stresstest ermitteln Aufseher derzeit, wie groß die Kapitallücke der europäischen Institute bei einer Bewertung der von ihnen gehaltenen Staatsanleihen zu Marktpreisen ist. Die Banken müssen bis Ende Juni 2012 auf eine harte Kernkapitalquote von neun Prozent kommen. Kernkapital gilt als Puffer für Krisen.

Es wird damit gerechnet, dass die deutschen Institute zusammen auf eine Kapitallücke von rund zehn Milliarden Euro kommen. Davon dürften allein fünf Milliarden auf das Konto der teilverstaatlichten Commerzbank gehen, auf die sich die Aufmerksamkeit bei dem neuen Stresstest besonders richtet. Die in Kapitalnot steckende Commerzbank versucht derzeit alles, um neue Staatshilfen zu vermeiden.

Quelle:  Handelsblatt Online
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