Kirch-Prozess: Deutsche Bank außer Kontrolle?

KommentarKirch-Prozess: Deutsche Bank außer Kontrolle?

von Cornelius Welp

Das Hin und Herr im Kirch-Verfahren wirft womöglich Fragen auf, die über den Prozess hinaus Grund zur Sorge geben.

Jetzt also doch nicht? Nachdem es vor zwei Wochen überraschend so aussah, als werde die Deutsche Bank den jahrelang tobenden Streit mit den Nachlassverwesern des 2011 verstorbenen Medienunternehmers Leo Kirch beilegen, werden die Prozessakten nun wohl doch nicht ins rechtsgeschichtliche Archiv abtransportiert. Eine Einigung scheint seit dem Wochenende wieder weit entfernt, der Streit könnte noch lange weiter gehen.

Dabei ist seit Bekanntwerden der erneuten vorübergehenden Annäherung der zutiefst verfeindeten Parteien nichts passiert, was Anlass zur Neubewertung der Fakten gäbe.

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Alle Bedenken, die schon vor zwei Wochen gegen eine Einigung sprachen, sind nicht erst seit dann, sondern seit Jahren bekannt. Kaum vorstellbar, dass sie nicht von Beginn an in den Vergleichsverhandlungen ausgiebig thematisiert worden sind.

Die Aktionäre könnten gegen die 800-Millionen-Überweisung nach München sein? Das wäre kein Wunder, nachdem Ihnen die Bank über Jahre versichert hatte, dass die Klagen zwar lästig, aber letztlich substanzlos seien.

Die Bank könnte aber vermutlich argumentieren, dass der mögliche Schadenersatz sehr hoch und eine grundsätzliche Zahlungspflicht seit einem Vergleichsvorschlag des zuständigen Münchner Richters durchaus wahrscheinlich sei. Wie wasserdicht das wäre, hat sie sicher ausgiebig geprüft.

Wer hat eigentlich das Sagen?

Die Bank müsste ihren Ex-Chef Rolf Breuer verklagen, der die Prozesslawine mit einem Fernsehinterview überhaupt erst ins Rollen gebracht hatte. Die Konstellation ist von Beginn an kritisch und hat bereits zu der ausgiebig abgehandelten Frage geführt, ob es sinnvoll ist, dass sich die Deutsche Bank und ihr Exchef im Prozess von den gleichen Anwälten vertreten lassen. Ob Breuers Haftpflicht einspringt, dürften sich die Bankjuristen auch nicht erst seit gestern fragen.

Ein Gutachten bestätigt, dass der Kirch-Konzern schon so gut wie pleite war, als Breuer sein Interview gab. Auch das ist wenig überraschend. Die Expertise der PwC-Prüfer dürfte den Deutsche-Bank-Juristen aber kaum erst gestern in die Hände gefallen sein.

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Zwar hatte die Deutsche Bank von Beginn an offiziell jede Stellungnahme abgelehnt. Aber die Stimmungslage schien klar, eine Einigung noch nie so nahe.

Nun wird über die Medien kolportiert, dass der scheidende Bankchef Josef Ackermann für, seine Nachfolger Anshu Jain und Jürgen Fitschen aber gegen den Vergleich seien. In Deutsche-Bank-Kreisen heißt es dagegen, dass Ackermann nie eine Zusage gegeben, sondern nur ein unverbindliches Gespräch mit Kirchs Witwe geführt habe. Die Vergleichssumme sei deutlich zu hoch, der Vorstand sei sich in dieser Haltung einig.

War also alles nur eine weitere Finte der Kirch-Seite? Wenn nicht wirft aus Aktionärssicht deutlich besorgniserregendere Fragen auf als eine möglich Millionenzahlung an Kirch. Etwa die, wer eigentlich das Sagen in Deutschlands größtem Kreditinstitut hat. Ist die Deutsche Bank in dieser Konstellation überhaupt noch voll handlungsfähig?

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