Kirch-Prozess: Deutsche Bank zahlt einen hohen Preis

KommentarKirch-Prozess: Deutsche Bank zahlt einen hohen Preis

von Cornelius Welp

Die Deutsche Bank vergleicht sich mit den Kirch-Erben und legt einen jahrelangen Rechtsstreit bei. Das ist verständlich, aber aus Aktionärssicht fragwürdig.

Der 31. Mai. wird ein besonderer Tag für die Deutsche Bank sein. Denn mit der Hauptversammlung an diesem Tag verabschiedet sich nach zehn Jahren Josef Ackermann von der Spitze des Instituts. Für das Hauptspektakel hätten jedoch einmal mehr die Anwälte des verstorbenen Medienunternehmers Leo Kirch gesorgt. Sie hätten wenig Respekt für den Abtritt Ackermanns gezeigt und die Veranstaltung durch Anträge nahezu paralysiert. Einmal mehr.

Nun wird das alles ganz anders sein. Denn es ist so gut wie sicher, dass sich die Bank mit den klagenden Gesellschaften des 2011 verstorbenen Medienunternehmers Leo Kirch auf einen Vergleich einigt. Fast genau zehn Jahre nachdem der frühere Vorstandschef Rolf Breuer die Kreditwürdigkeit des Medienunternehmers öffentlich angezweifelt hatte, endet damit der wohl aufsehenerregendste deutsche. Schadenersatzprozess.

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Kirch-Streit Aktionärsschützer kritisiert möglichen Vergleich

Die Deutsche Bank zieht einen teuren Schlussstrich unter den Rechtsstreit mit Leo Kirch. Rund 800 Millionen Euro zahlt das Geldhaus offenbar. Aktionärsschützer sehen diesen Vergleich kritisch.

Die Aktenordner zum Fall Leo Kirch gegen die Deutsche Bank. Die Erben des verstorbenen Medienzars Leo Kirch und die Deutsche Bank sollen sich auf einen Vergleich in ihrem milliardenschweren Streit um die Pleite des Kirch Konzerns im Jahre 2002 geeinigt haben. Quelle: dpa

Auch wenn die Klage zwar stets verständlich, aber rechtlich eher wacklig schien, hat sie der Deutschen Bank über Jahre schwer zugesetzt. Zuletzt wurden sogar die Büros amtierender Vorstandsmitglieder wegen des Verdachts der Falschaussage durchsucht. All das lastete schwer auf dem Image des größten deutschen Geldhauses, das sich ohnehin mit einer Prozessflut auseinandersetzen muss. Von peinlichen Auftritten wie dem des Aufsichtsratsvorsitzenden Clemens Börsig, der vor Gericht nicht einmal seine eigene Adresse benennen konnte, einmal abgesehen.

Unbelasteter Start

Spätestens seit der Klage-Elan auch nach dem Tod Leo Kirchs unverändert weiter ging, war klar, dass die Akte Kirch zur unendlichen Geschichte werden würde. Zumal sich die Richter des Bayrischen Oberlandesgerichts mit einer Hartnäckigkeit in das Thema verbissen hatten, die seinesgleichen suchen dürfte. Der Vergleich sorgt nun dafür, dass das neue Führungsduo aus Anshu Jain und Jürgen Fitschen unbelastet starten kann. Der Wechsel an der Spitze dürfte einer der Hauptgründe für sein Entstehen gewesen sein.

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Allerdings ist der Wunsch nach Ruhe keine Legitimation, einfach Geld zu verschenken. So wird die Deutsche Bank ihren Aktionären genau erklären müssen, warum sie nach Jahren des vehementen Beharrens auf ihrem Standpunkt nun auf einmal zahlungswillig ist und damit zumindest eine Teilschuld eingesteht. 800 Millionen Euro sind schließlich auch für den Branchenprimus alles andere als Peanuts, zumal die Bank stets stolz darauf war, keine Rückstellungen gebildet zu haben. So wird die kommende Hauptversammlung vermutlich zwar ruhiger. Aber erledigt ist das Thema Kirch noch nicht.

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