Kirch-Prozess: Neuer Zeuge belastet die Deutsche Bank schwer

Kirch-Prozess: Neuer Zeuge belastet die Deutsche Bank schwer

Im Schadenersatzstreit der Erben von Leo Kirch gegen die Deutsche Bank kommt das Gericht nicht weiter. Doch jetzt meldet sich einem Bericht der Süddeutschen Zeitung zufolge ein neuer Zeuge. Bisher hatten die Befragungen nur wenig ergeben.

Seit Jahren versucht die Justiz zu klären, ob und wer den Medienkonzern von Leo Kirch absichtlich in den Ruin getrieben haben könnte. Ein Zeuge ist tot: Der frühere Chef der WAZ-Gruppe Erich Schumann. Der zweite, Gerhard Schröder, hatte sich auf sein Aussageverweigerungsrecht als Abgeordneter berufen. Die Aussage des damaligen Bertelsmann-Chef Thomas Middelhoff hielt die Justiz für lückenhaft. Und der damalige Deutsche-Bank-Chef Rolf Breuer sagte, es sei nur "allgemein" erörtert worden, ob Kirch nicht zu retten sei.

Erörtert worden sein soll dies, laut Bericht der "Süddeutschen Zeitung" (SZ), am 27. Januar 2002 in einem Restaurant in Hannover. Bei dem Treffen von Schumann, Schröder, Breuer und Middelhoff wurde die Medienbranche diskutiert - unter anderem auch die drohende Pleite von Leo Kirch. Nur wenige Tage später, im Februar 2002, sagte Ex-Deutsche-Bank-Chef Breuer in einem Fernseh-Interview, dass Kirch wohl von keiner Bank mehr Kredite bekommen würde. Das Gericht versucht nun zu ermitteln, ob dies ein geplanter Schachzug war, um Kirchs Konzern zu zerschlagen.

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Klärung könnte die Aussage eines neuen Zeugen bringen: Christoph Rohner, 50, heute als Personalberater tätig und früher Geschäftsführer bei der WAZ-Firma Europapress Holding. Er soll der "SZ" nun gesagt haben, dass WAZ-Chef Schumann ihm damals nach dem Treffen in Hannover erzählt habe, was besprochen worden sei. Seine Version belastet die Bank und Breuer schwer.

"Breuer will den Kirch abschaffen, der Kirch soll weg", zitiert die Zeitung Rohner. WAZ-Chef Schumann sei einige Tage nach dem Treffen zu Rohner nach Zagreb gekommen. Schumann soll berichtet haben, dass die Verlags-Vertreter quasi aufgefordert worden seien, "sich für Teile der Kirch-Gruppe zu bewerben". Kirchs Konzern solle aufgeteilt werden. Schumann hätte weiter gesagt: "Den Kirch wird's demnächst nicht mehr geben. Die haben den Kirch zum Abschuss freigegeben." Nur wenige Tage später zweifelte Breuer im TV-Interview öffentlich an der Kreditwürdigkeit Kirchs.

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Rohner sei fassungslos gewesen, schreibt die Süddeutsche Zeitung: "Dass eine Bank gemeinsam mit dem Kanzler Leute einlädt, die das Vermögen eines anderen aufteilen, das war für mich unfassbar." Dennoch: Auch die WAZ-Gruppe hätte daraufhin hin und her gerechnet, was eine Übernahme von Teilen des Medienkonzerns gekostet hätte.

Christoph Rohner habe sich laut dem Bericht spontan entschlossen, auszusagen, nachdem er von dem Geheimprojekt "Barolo" gelesen hatte. Wie sich seine Aussage auf den laufenden Prozess auswirkt, muss sich noch zeigen. Breuer und die Deutsche Bank beteuern weiterhin ihre Unschuld.

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