Kirch-Streit: Aktionärsschützer kritisiert möglichen Vergleich

exklusivKirch-Streit: Aktionärsschützer kritisiert möglichen Vergleich

Die Deutsche Bank zieht einen teuren Schlussstrich unter ihren zehnjährigen Rechtsstreit mit Leo Kirch. Rund 800 Millionen Euro werde Deutschlands größtes Geldhaus offenbar an die Familie des 2011 verstorbenen Medienunternehmers zahlen. Aktionärsschützer sehen diesen Vergleich kritisch.

Bild vergrößern

Die Aktenordner zum Fall Leo Kirch gegen die Deutsche Bank. Die Erben des verstorbenen Medienzars Leo Kirch und die Deutsche Bank sollen sich auf einen Vergleich in ihrem milliardenschweren Streit um die Pleite des Kirch Konzerns im Jahre 2002 geeinigt haben.

Im Streit zwischen den Erben des verstorbenen Medienunternehmers Leo Kirch und der Deutschen Bank gibt es einen teuren Schlussstrich. Rund 800 Millionen Euro werde die Deutsche Bank offenbar an die Familie des Medienunternehmers zahlen. Klaus Nieding, Landesgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz  in Hessen, sieht diesen Vergleich zwischen der Deutschen Bank mit den Erben des verstorbenen Medienunternehmers Leo Kirch kritisch. „Nachdem sich die Deutsche Bank über Jahre kompromisslos gezeigt hat, wird sie ihren Aktionären genau erklären müssen, warum sie die Rechtslage nun auf einmal anders beurteilt“, sagte Nieding der Wirtschaftswoche. Laut Nieding müssten für die Millionenzahlung jedoch „tragende Gründe für eine juristische Neubewertung des Falls“ vorliegen. Derzeit seien diese nicht offensichtlich.

Aufklärungsbedarf sieht Nieding auch bei Schadenersatzforderungen der Bank gegen ihren früheren Vorstandschef Rolf Breuer, der die Kirch-Klage durch ein Fernsehinterview ausgelöst hatte. Breuer könnte damit seine Pflichten verletzt haben, die Bank müsste ihn dann persönlich in Regress nehmen.  „Die Deutsche Bank muss bereits vorab prüfen, ob und in welchem Umfang Herrn Breuers Managerhaftpflicht in Anspruch genommen werden kann“, sagte Nieding. Ein Vergleich könne als Eingeständnis einer Teilschuld gewertet werden, weshalb die Versicherung möglicherweise nicht zahlen müsste.

Anzeige

Weder das Geldhaus noch ein Kirch-Vertreter äußerten sich zu den neuen Informationen. Am Markt gab es kaum Reaktionen auf die Einigung mit Kirch: Die Aktien lagen mit dem Trend 1,3 Prozent im Plus.

Der damalige Chef der Bank, Rolf Breuer, hatte vor der Pleite von Kirch in einem Interview die Kreditwürdigkeit Kirchs in Zweifel gezogen. Aus Sicht von Kirch haben Breuer und die Bank damit den Auslöser für den Zusammenbruch des verschachtelten und hoch verschuldeten Medienimperiums geliefert. In der Folge überzog Kirch die Bank mit einer Flut von Prozessen und Verfahren.

Eine Einigung der beiden Parteien würde ins Bild passen, denn der Streit über den Befangenheitsantrag zieht sich seit vielen Wochen ungewöhnlich lange hin, ohne dass es für den Prozess bereits neue Termine gibt. Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann hatte Anfang des Monats angekündigt, dass er bis zu seinem Abschied Ende Mai noch einige Rechtsstreitigkeiten lösen wollte und es einige Vergleiche geben werde. Er wolle seinen Nachfolgern ein "intaktes Haus" überlassen.

Kirch-Prozess Deutsche Bank zahlt einen hohen Preis

Die Deutsche Bank vergleicht sich mit den Kirch-Erben. Das ist verständlich, aber aus Aktionärssicht fragwürdig.

Der Medienunternehmer Leo Kirch (vorn) und Rolf Breuer, der ehemalige Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank Quelle: dpa

Unendliche Geschichte

Seit Jahren streiten sich die Bank und Kirch-Vertreter vor Gericht. In Bankkreisen ist von mehr als drei Dutzend Verfahren die Rede, die das Institut bisher einen niedrigen zweistelligen Millionen-Betrag gekostet haben. Der im Sommer mit 84 Jahren gestorbene Medienmogul Kirch forderte mehrere Milliarden Euro an Schadenersatz von der Bank. Angefangen hat alles mit Breuers Interview im Februar 2002. „Was man alles lesen und hören kann ist, dass der Finanzsektor nicht bereit ist, auf unveränderter Basis noch weitere Fremd- oder Eigenmittel zur Verfügung zu stellen“, sagte er damals. Anschließend drehten die Banken dem Unternehmer aus Kirchs Sicht den Geldhahn zu.
„Erschossen hat mich der Rolf“, sagte Kirch einst. Nach der Pleite seines Konzerns kam der gläubige Katholik zu dem Schluss: „Der Herr hat's gegeben, der Herr hat's genommen.“ Breuer bezeichnete seine Interview-Aussagen zuletzt als „Unfall“ und bereute sie, beharrte aber stets auf der Sichtweise, dass Kirchs Imperium durch unternehmerische Fehlentscheidungen und hohen Schulden zusammengebrochen sei.
Seinen letzten größeren öffentlichen Auftritt hatte der Medienunternehmer vor einem Jahr, als er im Rollstuhl vor Gericht in München seinem Erzfeind Breuer begegnete. Die beiden würdigten sich keines Blickes, obwohl sie nur zwei Meter voneinander entfernt saßen. Von jahrelanger Diabetes gezeichnet und an Bronchitis erkrankt, konnte der Freund von Altkanzler Helmut Kohl an dem Tag kaum sprechen. Eine gute Stunde stand der
fast komplett erblindete Kirch den Richtern dennoch als Zeuge Rede und Antwort - eine enge Vertraute sollte seine Aussagen klar und verständlich wiederholen. Teilnehmer berichteten von einer gespenstischen Szene vor Gericht. Nach seinem Tod hat die Familie den Kampf gegen das Geldhaus fortgesetzt. Vor Gericht haben beide Parteien immer wieder Siege errungen und Niederlagen eingesteckt.

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%