Kommentar: Für Blessing geht es um alles oder nichts

Kommentar: Für Blessing geht es um alles oder nichts

, aktualisiert 22. November 2011, 19:37 Uhr
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Robert Landgraf ist Chefkorrespondent des Handelsblatts in Frankfurt.

von Robert LandgrafQuelle:Handelsblatt Online

Muss der Staat der Commerzbank wieder helfen? Für Bankchef Martin Blessing wäre das ein Fiasko. Er hat seine Karriere damit verknüpft. Mit jedem Tag, an dem die Schuldenkrise anhält, wird Blessings Zukunft unsicherer.

Für Commerzbank-Chef Martin Blessing geht es um alles oder nichts. Alles will er tun, um die zweitgrößte deutsche Bank wieder auf Vordermann zu bringen, aber nichts will er mehr vermeiden, als dafür erneut den Staat anzupumpen. Doch gerade das, was der kluge Banker so gar nicht will, gerade das könnte ihm jetzt drohen. Angesichts der sich zuspitzenden Staatsschuldenkrise fällt es der Commerzbank mit jedem Tag schwerer, nicht um Hilfe zu bitten. Mit jedem Tag wird es wahrscheinlicher, dass es am Ende doch wieder der Staat ist, der für die Existenz der Bank geradesteht.

Die stets besonders schnellen Märkte wissen schon, wie das Spiel ausgeht: Mit einem Kurseinbruch von 15,1 Prozent auf einen neuen Tiefststand bei gut 1,15 Euro je Aktie fällen sie ein verheerendes Urteil. Die Börse spekuliert auf eine Kapitalerhöhung. Dabei ist dem Markt gleichgültig, woher das Geld stammt. Und es kommt noch schlimmer: Bei diesem Kursniveau fällt es schon allein aus technischen Gründen schwer, überhaupt neues Kapital einzuwerben. Denn der Nennwert von einem Euro ist die Untergrenze für eine Kapitalerhöhung. Und Anleger erwarten im Normalfall einen Kursabschlag von 20 bis 30 Prozent, damit sie neue Aktien überhaupt zeichnen. Denn durch eine Kapitalerhöhung verwässern sie ihren Aktienbestand. Nur der Staat könnte darauf verzichten.

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Für die Commerzbank sind das schlechte Nachrichten. In der Regel haben die Märkte Recht, wenn sie ein Urteil fällen. Bislang versuchten Blessing und seine Commerzbank die sich abzeichnenden Kapitalanforderungen der Europäischen Bankenaufsicht aus eigener Kraft zu bewältigen. Um die Auflagen zu erfüllen sollten die Bilanzrisiken drastisch reduziert werden. Doch es zeigt sich immer deutlicher, dass das nicht reicht, schon gar nicht, wenn die Aufseher zusätzliche Milliarden an Eigenkapital fordern.  

In diesem Fall bleibt Blessing, der sonst nichts mehr zu verkaufen hat,  nur, sich noch einmal an den staatlichen Rettungsfonds Soffin zu wenden. Der Commerzbank-Chef selbst hat seine Karriere daran geknüpft, dass er nicht noch einmal Staatshilfe beanspruchen muss. Wenn er dieses Diktum ändern muss, ist er gescheitert.   

 

Quelle:  Handelsblatt Online
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