Konzernbanken: Wenn sich Konzerne am Finanzmarkt verzetteln

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KommentarKonzernbanken: Wenn sich Konzerne am Finanzmarkt verzetteln

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General Electric muss seinen Finanzarm GE Capital einschrumpfen. Deutsche Unternehmen wie Siemens werden diesem Beispiel wahrscheinlich nicht folgen

von Mark Fehr

Viele Industrieunternehmen betreiben in großem Stil eigene Banken. Oft ist das Konzept erfolgreich, doch Konzerne können sich am Finanzmarkt auch verzetteln, wie General Electric zeigt.

Die Industriegiganten Volkswagen, Siemens oder General Electric haben eine Gemeinsamkeit: Neben ihrem Kerngeschäft, wie der Herstellung von Fahrzeugen und High-Tech-Produkten, betreiben sie Finanzsparten von erstaunlicher Größe. Auf die Spitze getrieben hat es der US-Technologiekonzern General Electric mit seinem mächtigen Finanzarm GE Capital. Das Tochterunternehmen verfügt über Kredite und Vermögen im Volumen von mehr als einer halben Billion Dollar.

Laut Medienberichten wollen die Amerikaner ihre firmeninterne Bank nun aber deutlich schrumpfen. Der Grund: Die Finanzaktivitäten sind so breit gefächert, dass sie oft in keiner Beziehung mehr zum Hauptgeschäft des Mutterkonzerns stehen. GE Capital kümmert sich nicht nur um die Finanzierung von Industrieprojekten und Großanlagen, um den Absatz von teuren Produkten aus dem Hause General Electric zu fördern. Darüber hinaus engagiert sich die Finanztochter auch im Geschäft mit Kreditkarten und Immobilienkrediten für Verbraucher.

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Die Finanzkrise jedoch hat gezeigt, dass solche Ausflüge in die Finanzwelt dem Konzern schaden können. Die auf Konsumenten ausgerichteten Geschäftsbereiche von GE Capital sollen daher abgestoßen werden. Das Portfolio könnte dadurch laut „Wall Street Journal“ um bis zu 16 Prozent schrumpfen.

Konzentration auf eigene Kunden

Werden nun auch deutsche Konzerne wie Volkswagen oder Siemens dem Beispiel aus den USA folgen und ihr internes Bankgeschäft eindampfen? Das ist unwahrscheinlich, denn bei dem Autohersteller und dem Technologiekonzern sind die Finanztöchter eng mit dem Absatz hauseigener Produkte verknüpft. Siemens hat 2010 eine Banklizenz erhalten und will im Finanzgeschäft deutlich wachsen. Im vergangenen Geschäftsjahr wurden mehr als sechs Milliarden Euro an neuen Krediten vergeben. Geldprodukte für Verbraucher wollen die Münchner jedoch nicht anbieten und sich stattdessen auf die Finanzierung von Siemens-Kunden konzentrieren.

Das tut auch die Banktochter des Autoherstellers Volkswagen. Sie finanziert Autohändler, die VW-Fahrzeuge im Programm haben und bietet Leasingverträge für Autokäufer an. Die Bilanzsumme legte zuletzt auf 77 Milliarden Euro zu. Neben der Verkaufsförderung bieten die Niedersachsen aber auch Direktbanking an, was dem VW-Konzern zum Ende vergangenen Jahres Kundeneinlagen in Höhe von rund 24 Milliarden Euro bescherte. Viele ihrer Forderungen konnten die VW-Banker sogar erfolgreich verbriefen und an Investoren weiter verkaufen. Die seit dem Zusammenbruch des US-Häusermarkts anhaltende Vertrauenskrise am Verbriefungsmarkt stand diesen Transaktionen offenbar nicht im Wege.

Angesichts der Finanz- und Staatsschuldenkrise verschafft das hauseigene Bankgeschäft den Konzernen nicht nur steigende Einnahmen, sondern auch Unabhängigkeit vom schwächelnden Finanzsektor. Wenn Geschäftsbanken die Unternehmensfinanzierung zurückfahren, springen die Hersteller von Konsumprodukten und Investitionsgütern gern mit Krediten für ihre Kunden ein.

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Daneben eröffnet die Banklizenz im Notfall auch direkten Zugriff auf Geldspritzen durch die Notenbank. Ihre Finanzreserven hingegen können die Unternehmen zudem sicher auf einem Zentralbankkonto bunkern, wenn sie den Geschäftsbanken misstrauen. Die Siemens-Bank soll von dieser Option laut Medienberichten vom Herbst vergangenen Jahres bereits Gebrauch gemacht haben. Angeblich hatten die Münchner damals Geld von einem französischen Kreditinstitut abgehoben, um es sicher bei der Notenbank zu parken.

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