
ZürichMonatelang herrschte Ruhe in Sachen Übernahme der Sarasin-Bank durch die brasilianische Safra-Gruppe. Nun hat es hinter den Kulissen kräftig gekracht. Aus Sorge vor einer Ungleichbehandlung der Minderheitsaktionäre haben Sarasin-Präsident Christoph Ammann und ein weiterer Verwaltungsrat das Handtuch geworfen.
Im vergangenen November wurde bekannt, dass nach einem heftigen Bietergefecht die Sarasin-Mehrheit an die brasilianische Safra-Gruppe gehen soll. Verkäufer ist die niederländische Rabobank. Laut Sarasin soll der Abschluss des Deals nun im Juli statt finden.
Doch ganz so glatt läuft der Verkauf nicht ab. Verwaltungsrats-Präsident Ammann und Board-Mitglied Peter Derendinger haben ihren Rücktritt aus dem obersten Sarasin-Organ angekündigt.
Begründung: Als Vertreter der Minderheitsaktionäre würden sie sich für deren Gleichbehandlung einsetzen. Doch seit der Ankündigung der Übernahme durch die Safra-Gruppe sei ihre „Handlungsfähigkeit (...) zunehmend eingeschränkt“, die unabhängigen Aktionärsvertreter könnten ihre „Aufgaben nicht mehr wahrnehmen“, hieß es in einer Pressemitteilung.
Weder Sarasin, noch Ammann oder Derendiger wollten dazu weitere Erklärungen abgeben. In gut informierten Schweizer Finanzkreisen ist indes zu hören, dass die widerspenstigen Verwaltungsräte frustriert darüber sind, dass die Rabobank 36 Franken pro Sarasin-Aktie bekommen soll. Die Minderheitsaktionäre werden wohl von Safra mit nur 27 Franken abgespeist im Zuge des fälligen Pflichtangebots. In der Schweiz sind solche Ungleichbehandlungen der Aktionäre noch legal - was einmalig in Europa sein dürfte. Allerdings gibt es in Bern bereits Überlegungen, diese Aktionärsfeindliche Regelung zu ändern.
„Die unabhängigen Verwaltungsräte haben versucht, dass alle Aktionäre den gleichen Preis bekommen sollen, sie konnten sich aber nicht durchsetzen“, heißt es aus Schweizer Finanzkreisen. „Die Rabobank als Verkäufer hätte es in der Hand gehabt, das in den Verkaufsvertrag mit hinein zu schreiben, doch die Holländer wollten nur noch schnell raus zu einem möglichst hohen Preis“, hieß es weiter. Eine Sprecherin der Rabobank wollte dazu keinen Kommentar abgeben.
„Die Kulturunterschiede sind nicht unerheblich“
Bizarr aber: Auch nach Abschluss der Übernahme Sarasins durch Safra soll ein Rabobank-Vertreter bei Sarasin im neuen Verwaltungsrat verbleiben, heißt es in Finanzkreisen. Der angesehene Ex-Bankenaufseher Ammann will dem Gremium aber nicht länger angehören.
Nun hat ab Juli die Safra-Gruppe das Sagen bei der Schweizer Traditionsbank - die damit wohl in eine ungewisse Zukunft steuert. Ein Insider meint, dass auch intern kaum klar sei, was die brasilianische Finanzgruppe nun eigentlich mit Sarasin vorhat. „Die Kulturunterschiede sind nicht unerheblich“, heißt es in Finanzkreisen.
Als die Übernahme im vergangenen November bekannt gemacht worden war, hieß es in der gemeinsamen Pressemitteilung noch, dass Safra als neuer Mehrheitsaktionär die Bank mit ihrer Marke „und dem bestehenden Management-Team“ weiterführen wolle. Daran wachsen nun die Zweifel.
Dass Sarasin-Präsident Ammann nach zehn Jahren im Board nun plötzlich zurücktritt, wirft die Frage auf, wie lange sich Bank-Chef Joachim Strähle noch wird halten können. „Es wird für ihn nicht einfach werden“, orakelt ein Insider.
Die Sarasin-Bank, die 1841 gegründet wurde, ist mittlerweile an sechs Standorten in Deutschland vertreten. Insgesamt verwaltete Sarasin Ende vergangenen Jahres 96,4 Milliarden Franken an Kundengelder. Der Geschäftsbericht weist ein Kundenvermögen von 28 Milliarden Franken für die Region „Schweiz und Europa“ aus. Länderdaten weist die Bank nicht aus, doch ist davon auszugehen, das ein Großteil dieser 28 Milliarden Franken von Schweizer und deutschen Kunden stammen.
























