Kunden ziehen ihr Geld ab: Das drohende Ende des Sparkassen-Booms

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Kunden ziehen ihr Geld ab: Das drohende Ende des Sparkassen-Booms

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Die Einlagen schrumpfen, die Kunden gehen zur Konkurrenz, die mit höheren Zinsen locken - Nun macht sich auch bei den Sparkassen die Krise bemerkbar

von Mark Fehr und Cornelius Welp

Die Sparkassen galten bisher als Krisengewinner, denen Kunden auf der Suche nach Sicherheit ihr Erspartes anvertrauten. Nun meldet ein erster Sparkassenverband rückläufige Einlagen. Ist der Boom vorbei?

Noch 2011 wuchsen die Einlagen bei den deutschen Sparkassen um zwei Prozent auf 783 Milliarden Euro, das entsprach etwa dem Wachstum der Vorjahre. Nun gingen die Einlagen bei den hessisch-thüringischen Sparkassen im ersten Halbjahr um 419 Millionen auf 83,6 Milliarden Euro zurück. Das ist gerade mal ein halbes Prozent, allerdings befürchtet Verbandschef Gerhard Grandke, dass sich der Trend so fortsetzt. Gleichzeitig konnte aber auch sein Verband Erfolge melden. So legten die Sparkassen bei Krediten an Privatpersonen und Mittelständler zu und werden durch Kosteneinsparungen ihr Betriebsergebnis nach Bewertung im Vergleich zu 2011 vermutlich sogar verbessern.    

Warum ziehen Kunden Geld ab?

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Die zehn kleinsten Sparkassen in Deutschland

  • Sparkasse Hohenwestedt

    Auf Rang 420 von insgesamt 429 Sparkassen kommt die Sparkasse Hohenwestedt. In der kleinen Gemeinde im Herzen Schleswig-Holsteins (rund 5.000 Einwohner) arbeiten 52 Menschen in einer der vier Filialen der örtlichen Sparkasse. Im Jahr 2010 sind sie auf eine Bilanzsumme von 261 Millionen Euro gekommen.

  • Sparkasse Geseke

    Platz 421 geht an die Sparkasse Geseke im Kreis Soest (Nordrhein-Westfalen). In der 20.000-Einwohner-Stadt arbeiten 80 Angestellte bei der Sparkasse. Die Sparkasse Geseke kam 2010 auf eine Bilanzsumme von 251 Millionen Euro.

  • Sparkasse Laubauch-Hungen

    Noch etwas weniger ist es bei der Sparkasse Laubach-Hungen, sie konnte 244 Millionen Euro in der Bilanz von 2010 ausweisen. Im hessischen Laubach leben aber auch nur rund halb so viele Menschen wie in Geseke.

  • Sparkasse Fröndenberg

    Rang 423 geht wieder nach Nordrhein-Westfalen, genauer gesagt nach Fröndenberg im Kreis Unna. Die Bilanzsumme der Sparkasse Fröndenberg belief sich 2010 auf 240 Millionen Euro.

  • Stadtsparkasse Schwalmstadt

    Auf den Rängen 424 bis 428 liegen nur Mitglieder des Sparkassen- und Giroverbandes Hessen-Thüringen (SGVHT). Den Anfang macht die nordhessische Stadtsparkasse Schwalmstadt mit einer Bilanzsumme von 182 Millionen Euro.

  • Sparkasse Battenberg (Eder)

    Platz 425 geht auch nach Nordhessen, genauer gesagt in den Landkreis Waldeck-Frankenberg. Dort ist die Sparkasse Battenberg (Eder) ansässig, die auf eine Bilanzsumme von 178 Millionen Euro kommt.

  • Stadtsparkasse Grebenstein

    Auf Platz 426 liegt in Nordhessen, dieses Mal im Kreis Kassel. Die Sparkasse Grebenstein muss sich der in Battenberg aber nur um läppische 639.000 Euro geschlagen geben (178.420.000 Euro zu 177.781.000 Euro).

  • Stadtsparkasse Borken (Hessen)

    Im selben Landkreis wie die Stadtsparkasse Schwalmstadt (Schwalm-Eder-Kreis) liegt die Stadtsparkasse Borken. Sie kommt noch auf eine Bilanzsumme von 169 Millionen Euro - mit 47 Mitarbeitern in fünf Filialen.

  • Stadtsparkasse Felsberg

    Und noch einmal der Schwalm-Eder-Kreis, dieses Mal aber die Stadtsparkasse Felsberg. in der Stadt mit 10.000 Einwohnern arbeiten 42 Bank-Mitarbeiter in zwei Filialen - macht eine Bilanzsumme von 167 Millionen Euro.

  • Stadtsparkasse Bad Sachsa

    Die kleinste Sparkasse liegt im Süden Niedersachsens. In der 7.500-Einwohner-Kleinstadt Bad Sachsa gibt es nur eine Sparkassen-Filiale. Mit dieser kommt die Stadtsparkasse Bad Sachsa auf eine Bilanzsumme von 129 Millionen Euro.

Das liegt vor allem an den Niedrigzinsen und der allgemeinen Verunsicherung. Die Kunden wollen sich nicht langfristig binden - Geld verloren die Sparkassen deshalb bei Spareinlagen, Zertifikaten und Termingeldern. Bei Tagesgeld gab es dagegen bei den hessisch-thüringischen Sparkassen zuletzt sogar einen leichten Zuwachs. Dabei sind die Konditionen schlecht: Bei einer Stichprobe der FMH Finanzberatung boten Sparkassen im Schnitt 0,6 Prozent Zinsen auf Tagesgeld, bei der Konkurrenz sind zum Teil bis zu 2,5 Prozent drin. Dass sich hier oft nicht einmal der Inflationsausgleich erzielen lässt, lässt die Kunden die vermeintlich höhere Sicherheit bei den Sparkassen vergessen und treibt sie in andere Anlageformen.

Wohin fließt das Geld?

Für Sparkassenpräsident Grandke ist klar: Das Geld geht zur Konkurrenz, selbst teilverstaatlichte Institute wie die Commerzbank locken mit betriebswirtschaftlich nicht haltbaren Angeboten wie dem kostenlosen Konto mit 50 Euro Begrüßungsgeld. Das ist aber nicht neu und folglich nur die halbe Wahrheit, die von eigenen Versäumnissen ablenkt. So ist etwa ein großer Teil der Kundengelder in Investmentfonds geflossen, die sparkasseneigene Deka, deren Fonds unterdurchschnittliche Ergebnisse erzielen, hat davon jedoch nicht profitiert. Zudem verhalten sich die Kunden nicht gierig, sondern schlicht rational, wenn sie ihre Geldanlage breiter streuen und nicht ausschließlich auf Einlagen setzen.  

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