Landesbanken : Marode Schiffskredite lassen Banken bluten

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Landesbanken : Marode Schiffskredite lassen Banken bluten

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Die Finanzierung von Tankern und Frachtern hat bei der HSH und NordLB für rote Zahlen in den Bilanzen gesorgt.

von Mark Fehr

Die norddeutschen Landesbanken leiden unter der Schifffahrtskrise – und können die Schlagseite nur zum Teil mit anderen Geschäften ausgleichen.

Notleidende Kredite an die Schifffahrtsbranche lassen die HSH Nordbank sowie die NordLB bluten. Die Landesbank von Hamburg und Schleswig-Holstein musste laut am Mittwoch veröffentlichter Zahlen in den ersten neun Monaten des laufenden Geschäftsjahres 458 Millionen Euro auf Problemkredite abschreiben. Grund für die Wertberichtigungen bei der HSH Nordbank sind insbesondere Sanierungsfälle in den Schiffsportfolien.

Ihr starkes Engagement bei der Finanzierung von Tankern und Frachtern wird für Landesbank immer mehr zum Problem, zumal die HSH in diesem Geschäftsbereich weltweit führend ist. In den Boomjahren vor der weltweiten Wirtschaftskrise haben viele Reedereien hohe Überkapazitäten aufgebaut, sodass sie ihre Flotten jetzt nicht voll auslasten können. Banken, die Schiffsfonds und Reeder einst mit günstigen Krediten verwöhnten, sitzen nun auf faulen Forderungen. Die Commerzbank – Deutschlands zweitgrößtes Geldinstitut – etwa will diese Sparte daher komplett einstellen.

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Über Schiffsfonds

  • Was sind Schiffsfonds?

    Schiffsbeteiligungen sind geschlossene Fonds, sie zählen zum Grauen Kapitalmarkt und werden nicht staatlich überwacht. Der Anleger finanziert mit seiner Einlage die unterschiedlichsten Schiffstypen mit. Sobald genug Geld für ein oder mehrere Frachter gesammelt ist, wird der Fonds geschlossen.

    Schiffsfonds dienen zudem zum Steuersparen. Seit 2005 wurden die Abschreibungsmöglichkeiten jedoch eingeschränkt. Vor allem Großverdiener legen ihr Geld in Schiffsbeteiligungen an.

  • Wie werden die Schiffe vermarktet?

    Die Schiffe werden an internationale Reedereien vermietet oder verchartert. Als das Geschäft mit Seetransporten noch brummte, war ein Großteil der Flotte in Asien unterwegs. Das hat für enorme Überkapazitäten auf dem Schiffsmarkt gesorgt. Die Charterpreise sind seitdem in den Keller gerauscht, gleichzeitig hat die Aktivität auf den Weltmeeren abgenommen.

  • Wie kommt es zu Problemen?

    Die Schiffe fahren nur dann Gewinn ein, wenn sie regelmäßig ausgelastet sind und von der Reederei gut gemanagt werden. Niemand kann garantieren, dass das Schiff auch Jahre später noch mit voller Auslastung auf den Weltmeeren fährt. Dieser Fall ist nun in den letzten zwei Jahren eingetreten Im schlimmsten Fall geht das gesamte investierte Kapital der Anleger verloren.  Schon seit 2004 hatten Verbraucherschützer regelmäßig vor den hohen Risiken der Schiffsbeteiligungen gewarnt.

Bei der HSH-Konkurrentin NordLB sieht es im Schiffsgeschäft kaum besser aus. Die Landesbank von Niedersachsen und Sachsen-Anhalt musste seit Jahresbeginn immer mehr notleidende Forderungen gegen kriselnde Reedereien und Schiffsfonds abschreiben. Bei der NordLB verdreifachte sich daher die Risikovorsorge für Problemkredite während der ersten drei Quartale im Vergleich zum Vorjahreszeitraum auf 352 Millionen Euro.

Der Sturm wird nach Einschätzung der Bank noch länger anhalten: „An den Schifffahrtsmärkten ist kein Ende der Krise in Sicht“, sagte NordLB-Chef Gunter Dunkel bei der Präsentation der Daten.

Anders als bei der HSH in Hamburg können jedoch in Hannover andere Geschäftsbereiche die durch die Schiffsfinanzierung entstehende Schlagseite ausbalancieren. Die NordLB verdient laut eigener Darstellung gut mit Krediten an solide Firmenkunden sowie an gewerblichen Immobilienprojekten. Zudem läuft das Geschäft mit Flugzeugfinanzierungen gut.

Der NordLB gelang es im Sommer als weltweit erste Bank, Forderungen an Fluggesellschaften zu verbriefen und als Pfandbrief an andere Banken und Investoren zu verkaufen. Chef Dunkel wird es aus diesen Gründen wohl noch gelingen, für 2012 ein positives Ergebnis zu erzielen.
Der HSH Nordbank dagegen fällt es schwerer, die Schieflage im Schiffsgeschäft auszugleichen. Auch sie finanziert Flugzeuge und Immobilienprojekte, muss diese Bereiche auf Weisung der EU-Kommission jedoch stark abbauen, um die wegen der Finanzkrise erhaltenen Staatshilfen zu kompensieren. Die Bundesländer Hamburg und Schleswig-Holstein haben 3 Milliarden Euro Eigenkapital in die HSH gesteckt und einen Garantieschirm von 10 Milliarden Euro über ihre Landesbank gespannt. Diese trägt Ausfälle von Forderungen bis zu einer Summe von 3,2 Milliarden Euro als Selbstbehalt. Die Länder müssen erst zahlen, wenn die kumulierten Verluste darüber hinausgehen.

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