Libor-Skandal: Ein blaues Auge für die Deutsche Bank

Libor-Skandal: Ein blaues Auge für die Deutsche Bank

von Cornelius Welp

Ein Vergleich mit den US-Behörden zur Libor-Manipulation wäre längst überfällig. Die Bank kann ihre größte Altlast abwerfen, den Neustart erschwert sie trotzdem.

Jetzt ist also endlich die Deutsche Bank dran. Als eines der letzten in die Manipulation des Referenzzinses Libor verwickelten Institute muss sie nun eine Buße zahlen. Und die dürfte besonders heftig ausfallen. Nach Medienberichten soll sie über dem bisherigen Rekord von umgerechnet 1,2 Milliarden Euro liegen, die die Schweizer UBS Ende 2012 zahlte. Der späte Friede mit den ermittelnden britischen und US-Behörden wäre teuer erkauft.

Das heißt nicht, dass die Verfehlungen bei der Deutschen Bank größer als bei den Konkurrenten waren. Die Höhe der US-Strafen ist das Ergebnis eines weitgehend intransparenten Verfahrens, bei dem auch Faktoren wie der Marktanteil, die Kooperationsbereitschaft und nicht zuletzt der Zeitpunkt des Abschlusses des Vergleichs entscheiden.

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Bei Letzterem hat sich die Bank verkalkuliert. Die Höhe der Strafzahlungen ist in den vergangenen Monaten deutlich gestiegen. Die in den vergangenen Jahren auch von Deutsche-Bank-Managern geäußerte Hoffnung, dass ein späterer Abschluss auf mehr Milde hinauslaufen könnte war in jedem Fall falsch.

Was den Libor so wichtig macht

  • Für wen gilt der Libor?

    Grundsätzlich gilt der Libor für alle Kreditnehmer aus den folgenden Währungsräumen:

    - Australischer Dollar
    - Kanadischer Dollar
    - Neuseeland-Dollar
    - US-Dollar
    - Schweizer Franken
    - Dänische Krone
    - Schwedische Krone
    - Euro
    - Pfund Sterling
    - Yen

  • Was legt der Libor fest?

    Der Libor ist ein Angebotszins, also der Satz, zu dem Banken Geld verleihen können. Grundsätzlich gilt der Libor nur für Kredite mit einer Laufzeit von einem Tag bis zu zwölf Monaten. Das heißt, er betrifft Optionen, Derivate und Termingeschäfte, aber auch den Kredit fürs neue Auto oder die Eigentumswohnung.

  • Wer bestimmt den Libor?

    Grundsätzlich legt die British Banker's Association (BBA) den Libor (London Interbank Offered Rate) jeden Tag aufs Neue fest. Die BBA saugt sich den Satz allerdings nicht einfach so aus den Fingern, sondern ermittelt einen Durchschnittssatz aus den Angaben verschiedener Banken. 19 Institute melden der BBA täglich, zu welchem Zinssatz sie sich untereinander Geld leihen.

  • Welche Banken stehen jetzt in der Kritik?

    Grundsätzlich gibt es derzeit einen Verdacht gegen alle 19 Banken, die ihre Zinssätze der BBA mitteilen. Barclays hat die Manipulationen bereits zugegeben, ermittelt wird des Weiteren gegen die Royal Bank of Scotland, die Deutsche Bank, die HSBC, die UBS, Citigroup und Lloyds.

Der Börsenkurs hat kaum reagiert

Dennoch ist ein baldiger Abschluss auch zu diesem hohen Preis keine schlechte Aussicht, der Börsenkurs des Instituts hat deshalb bisher auch kaum auf die Nachricht reagiert. Für die Bank ist es vor allem wichtig, dass Thema endlich abzuhaken. Ihre Führung wollte eigentlich noch im vergangenen Jahre unbedingt einen Schlussstrich ziehen. Ob und wie der Vergleich das Ergebnis überhaupt belastet, ist bei aktuell rund drei Milliarden Euro Rückstellungen für Rechtsrisiken offen.

Wichtiger als die Einmalzahlung in Milliardenhöhe sind ohnehin die Befunde darüber, wie schlampig die internen Kontrollen waren und was das Management über die Tricksereien wusste. Auch wenn das offizielle Ergebnis noch aussteht, deutet bisher alles darauf hin, dass die Untersuchungen der deutschen Finanzaufsicht Bafin den amtierenden Co-Chef Anshu Jain entlasten.

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Dennoch wird der Vergleich auf ihn zurückfallen. Bei allen bisherigen Abschlüssen veröffentlichten die Behörden für die betroffenen Institute stets unangenehme Details aus deren Innenleben, vorzugsweise in Form großkotziger Chat-Protokolle aus dem Handelsraum. Ähnliches ist auch bei der Deutschen Bank zu erwarten. Damit gerät einmal mehr die verrohte Kultur der Geldjongleure in den Fokus, für die Jain als langjähriger Chef der Investmentbank verantwortlich war.

Das belastet den Neustart der Bank. In wenigen Wochen wollen Jain und sein Co-Chef Jürgen Fitschen ihre Zukunftsstrategie für die Bank vorstellen. Sonderlich kraftvoll dürfte ihr persönlicher Auftritt dabei kaum ausfallen. Fitschen wird etwa zeitgleich als Angeklagter im Münchner Strafprozess  um einen möglichen Betrug im Zivilverfahren um die Pleite von Leo Kirch antreten müssen. Und Jain hat seine größte Altlast dann zwar vermutlich gerade abgeworfen. Sie wird aber noch eine Weile an ihm hängen bleiben.

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