Libor-Skandal: Spitzenmanager der Deutschen Bank drohen Konsequenzen

Libor-Skandal: Spitzenmanager der Deutschen Bank drohen Konsequenzen

Die Finanzaufsicht fordert offenbar von der Deutschen Bank personelle Konsequenzen im Libor-Skandal. Im Fokus steht ausgerechnet ein enger Vertrauter von Co-Chef Anshu Jain.

Im Libor-Skandal um manipulierte Zinsen prüft die Deutsche Bank einem Bericht zufolge personelle Konsequenzen im Spitzenmanagement. Laut dem "Handelsblatt" steht vor allem der Co-Chef des Asien-Geschäfts, Alan Cloete, im Fokus der Finanzaufsicht BaFin. Er war lange für den Geld- und Devisenhandel im Investmentbanking des Instituts verantwortlich und gilt als Vertrauter von Co-Bankchef Anshu Jain. „Die BaFin will, dass einige Manager der Deutschen Bank Verantwortung übernehmen“, schrieb das Blatt unter Berufung auf Finanzkreise. Die Deutsche Bank wollte den Bericht am Montag nicht kommentieren.

Zuvor hatte der "Spiegel" berichtet, dass die BaFin mit der bisherigen Aufklärung der Libor-Affäre nicht zufrieden sei. In einem Zwischenbericht geht die Bankenaufsicht hart mit der Führung der Deutschen Bank ins Gericht. Der gesamte Vorstand sowie der Aufsichtsrat hätten die Affäre nicht angemessen aufgearbeitet, heißt es dem Magazin zufolge in einem Bericht der BaFin. Nach wie vor sei daher nicht geklärt, „ob eine Beteiligung oder Kenntnis des Senior Managements bezüglich möglicher Manipulationsversuche bestand“.

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Auch die beiden Co-Chefs Jürgen Fitschen und Anshu Jain werden von den Aufsehern kritisiert. "Als neuer Vorstand haben Sie zwar einen Kulturwandel angekündigt", zitiert das Magazin aus dem Bericht. "Im vorliegenden Fall entsteht jedoch der Eindruck, dass Sie klare Konsequenzen, insbesondere personeller Art, nicht gezogen haben."

Cloete wurde in den erweiterten Vorstand der Bank berufen, nachdem Jain 2012 zum Co-Chef aufgestiegen war. Dem "Spiegel" zufolge kritisierte die BaFin diese Beförderung in ihrem Bericht. Die Aufsicht wollte den Bericht am Wochenende nicht kommentieren.

Was den Libor so wichtig macht

  • Für wen gilt der Libor?

    Grundsätzlich gilt der Libor für alle Kreditnehmer aus den folgenden Währungsräumen:

    - Australischer Dollar
    - Kanadischer Dollar
    - Neuseeland-Dollar
    - US-Dollar
    - Schweizer Franken
    - Dänische Krone
    - Schwedische Krone
    - Euro
    - Pfund Sterling
    - Yen

  • Was legt der Libor fest?

    Der Libor ist ein Angebotszins, also der Satz, zu dem Banken Geld verleihen können. Grundsätzlich gilt der Libor nur für Kredite mit einer Laufzeit von einem Tag bis zu zwölf Monaten. Das heißt, er betrifft Optionen, Derivate und Termingeschäfte, aber auch den Kredit fürs neue Auto oder die Eigentumswohnung.

  • Wer bestimmt den Libor?

    Grundsätzlich legt die British Banker's Association (BBA) den Libor (London Interbank Offered Rate) jeden Tag aufs Neue fest. Die BBA saugt sich den Satz allerdings nicht einfach so aus den Fingern, sondern ermittelt einen Durchschnittssatz aus den Angaben verschiedener Banken. 19 Institute melden der BBA täglich, zu welchem Zinssatz sie sich untereinander Geld leihen.

  • Welche Banken stehen jetzt in der Kritik?

    Grundsätzlich gibt es derzeit einen Verdacht gegen alle 19 Banken, die ihre Zinssätze der BBA mitteilen. Barclays hat die Manipulationen bereits zugegeben, ermittelt wird des Weiteren gegen die Royal Bank of Scotland, die Deutsche Bank, die HSBC, die UBS, Citigroup und Lloyds.


Eine Sprecherin der Deutschen Bank erklärte, dass die Untersuchungen im Gange und noch nicht abgeschlossen seien. Die Bank kooperiere vollumfänglich mit den entsprechenden Aufsichtsbehörden. Nach aktuellem Stand der Untersuchungen sei kein amtierendes oder früheres Mitglied des Vorstands in irgendeiner unangemessenen Weise in die untersuchten Vorgänge verwickelt, erklärte sie.
Laut „Handelsblatt“ will die Bank erst dann personelle Konsequenzen ziehen, wenn der Abschlussbericht der Aufsicht einschließlich der forensischen Ermittlungen vorliege. In der Vergangenheit hatte die Deutsche Bank bereits mehreren Zins-Händlern gekündigt. Die Kündigungen sind noch nicht rechtskräftig.

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Nach Ansicht der EU-Kommission hatten Banken aus Europa und den USA von 2005 bis 2010 die Zinssätze zu ihren Gunsten manipuliert, um Handelsgewinne einzustreichen. Dabei ging es um Referenzzinssätze wie den Euribor (Brüssel), den Libor (London) und den Tibor (Tokio). Allein die Libor- und Euribor-Zinssätze sind die Basis für Finanztransaktionen weltweit im Volumen von mehr als 500 Billionen Dollar. Die Sätze beruhen auf den Angaben der Banken zu ihren Refinanzierungskosten. Das System soll nach dem Willen vieler Regulierer geändert werden. Das kann aber noch dauern.

Aufgrund der Manipulationen des Libor wurden mehreren Banken von der EU-Kommission Geldbußen auferlegt. Die höchste Strafe zahlt mit 725 Millionen Euro die Deutsche Bank. Insgesamt müssen sechs Banken eine Rekordstrafe von insgesamt 1,71 Milliarden Euro zahlen. Dazu gehören auch Societe Generale, Royal Bank of Scotland und die US-Banken Citigroup und JPMorgan Chase. Barclays und UBS wurden die Geldbußen erlassen, weil sie maßgeblich zur Aufklärung der Manipulationen beigetragen haben.


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