Libor-Skandal: Weitere Klage gegen deutsche Banken möglich

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EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier plant die Regeln zum Schutz vor Marktmissbrauch zu erweitern und so eine Beeinflussung von Referenz-Zinssätzen zu verhindern

von Yvonne Esterházy

US-Staranwalt Michael Hausfeld, der wegen Manipulation der Libor-Zinsen Sammelklagen gegen rund 20 Geldinstitute – darunter die Deutsche Bank, WestLB, HSBC, UBS und Credit Suisse – eingereicht hat, prüft weitere Schritte, die sich auch gegen deutsche Banken richten könnten.

„Wir erwägen, in den kommenden drei Monaten eine neue Klage einzureichen“, sagte Hausfeld der WirtschaftsWoche. Grund dafür seien die ständig neuen Details, die Behörden und Untersuchungsausschüsse zutage förderten. „Wir haben Anfragen aus ganz Europa“, so Hausfeld im Hinblick auf mögliche Kläger.

Was den Libor so wichtig macht

  • Für wen gilt der Libor?

    Grundsätzlich gilt der Libor für alle Kreditnehmer aus den folgenden Währungsräumen:

    - Australischer Dollar
    - Kanadischer Dollar
    - Neuseeland-Dollar
    - US-Dollar
    - Schweizer Franken
    - Dänische Krone
    - Schwedische Krone
    - Euro
    - Pfund Sterling
    - Yen

  • Was legt der Libor fest?

    Der Libor ist ein Angebotszins, also der Satz, zu dem Banken Geld verleihen können. Grundsätzlich gilt der Libor nur für Kredite mit einer Laufzeit von einem Tag bis zu zwölf Monaten. Das heißt, er betrifft Optionen, Derivate und Termingeschäfte, aber auch den Kredit fürs neue Auto oder die Eigentumswohnung.

  • Wer bestimmt den Libor?

    Grundsätzlich legt die British Banker's Association (BBA) den Libor (London Interbank Offered Rate) jeden Tag aufs Neue fest. Die BBA saugt sich den Satz allerdings nicht einfach so aus den Fingern, sondern ermittelt einen Durchschnittssatz aus den Angaben verschiedener Banken. 19 Institute melden der BBA täglich, zu welchem Zinssatz sie sich untereinander Geld leihen.

  • Welche Banken stehen jetzt in der Kritik?

    Grundsätzlich gibt es derzeit einen Verdacht gegen alle 19 Banken, die ihre Zinssätze der BBA mitteilen. Barclays hat die Manipulationen bereits zugegeben, ermittelt wird des Weiteren gegen die Royal Bank of Scotland, die Deutsche Bank, die HSBC, die UBS, Citigroup und Lloyds.

Der in London ermittelte Referenzzins Libor gibt an, zu welchem Zinssatz Banken einander durchschnittlich Geld leihen. „Wenn wir nachweisen, dass es eine Verschwörung gegeben hat, müssen wir nicht einmal jede einzelne beteiligte Bank überführen“, erläutert Hausfeld. „Jede einzelne wäre für den gesamten Schaden haftbar.“ Wie weit jedes einzelne Institut in die Manipulationen verstrickt ist, ist derzeit offen.

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EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier will Konsequenzen aus der Libor-Affäre ziehen und plant die Regeln zum Schutz vor Marktmissbrauch zu erweitern um eine Beeinflussung von Referenz-Zinssätzen wie Libor und Euribor zu verhindern. Zudem verhandelt die EU-Kommission derzeit mit dem EU-Parlament und den Regierungen der Mitgliedsländer über neue Gesetze gegen Marktmissbrauch, die Mindeststrafen für Vergehen wie Insiderhandel festlegen.

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