Liborskandal: Zinsmanipulation betrifft Kommunen

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Liborskandal: Zinsmanipulation betrifft Kommunen

Mittlerweile stapeln sich die Klagen gegen die Banken, die den Libor manipuliert haben. In den USA und Deutschland sind auch Kommunen von den Auswirkungen betroffen. Sie hielten Swaps auf den Libor.

Seit Tagen rollen bei den Banken Köpfe, diejenigen, die an den Libor-Manipulation beteiligt waren, nehmen reihenweise ihren Hut. Mittlerweile kristallisieren sich auch die Opfer der Bankabsprachen heraus. Ein Schaden für Unternehmen und Häuslebauer entsteht nur, wenn der Zins künstlich in die Höhe getrieben wurde - was anscheinend zwischen 2005 und 2007 der Fall gewesen ist, wie der ehemalige Barclays-Chef Bob Diamond zugegeben hatte.

In den Jahren 2008 bis 2008 sei der Interbankenzins nach unten manipuliert worden, wie das "Manager Magazin" berichtet. Niedrige Zinsen klingen erst einmal gut, wenn man sich denn Geld leihen möchte. Für Anleger, die Swaps auf den Libor hielten, sind die Ausreißer nach unten jedoch weniger vorteilhaft. Und allein der Markt der Libor-Swaps werde auf mindestens 350 Billionen Dollar geschätzt. "Die Kommunen sind von dem Skandal sehr betroffen, weil sie sehr viele Swaps abschließen, die grundsätzlich am Libor oder Euribor hängen", sagt der Finanzwissenschaftler Friedrich Thießen von der Technischen Universität Chemnitz gegenüber dem Manager Magazin. "Sie zahlen für ihre Kredite einen Festzins und bekommen im Swap einen variablen Zins", beispielsweise Euribor plus x. "Wenn der nach unten manipuliert ist, haben sie den Schaden."

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Was den Libor so wichtig macht

  • Für wen gilt der Libor?

    Grundsätzlich gilt der Libor für alle Kreditnehmer aus den folgenden Währungsräumen:

    - Australischer Dollar
    - Kanadischer Dollar
    - Neuseeland-Dollar
    - US-Dollar
    - Schweizer Franken
    - Dänische Krone
    - Schwedische Krone
    - Euro
    - Pfund Sterling
    - Yen

  • Was legt der Libor fest?

    Der Libor ist ein Angebotszins, also der Satz, zu dem Banken Geld verleihen können. Grundsätzlich gilt der Libor nur für Kredite mit einer Laufzeit von einem Tag bis zu zwölf Monaten. Das heißt, er betrifft Optionen, Derivate und Termingeschäfte, aber auch den Kredit fürs neue Auto oder die Eigentumswohnung.

  • Wer bestimmt den Libor?

    Grundsätzlich legt die British Banker's Association (BBA) den Libor (London Interbank Offered Rate) jeden Tag aufs Neue fest. Die BBA saugt sich den Satz allerdings nicht einfach so aus den Fingern, sondern ermittelt einen Durchschnittssatz aus den Angaben verschiedener Banken. 19 Institute melden der BBA täglich, zu welchem Zinssatz sie sich untereinander Geld leihen.

  • Welche Banken stehen jetzt in der Kritik?

    Grundsätzlich gibt es derzeit einen Verdacht gegen alle 19 Banken, die ihre Zinssätze der BBA mitteilen. Barclays hat die Manipulationen bereits zugegeben, ermittelt wird des Weiteren gegen die Royal Bank of Scotland, die Deutsche Bank, die HSBC, die UBS, Citigroup und Lloyds.

In den Vereinigten Staaten sind bereits Sammelklagen von Kommunen anhängig, die wegen der Manipulation Millionen verloren haben. So wirft unter anderem die Stadt Baltimore den Banken vor, die Zinsswaps der Stadt beziehungsweise deren Wert, bis zum Mai 2010 um mehrere hundert Millionen Dollar verringert zu haben. "Die Banken haben systematisch Schulen, Krankenhäuser, Büchereien und Pflegeheime bestohlen", heißt es in US-Medien. Wo den Gemeinden das Geld fehlte, wurden öffentliche Einrichtungen geschlossen.

Da es in Deutschland keine Möglichkeit zum Einreichen einer Sammelklage gibt, wie in den USA, müssten betroffene Gemeinden hierzulande jedoch im Einzelnen beweisen, inwiefern sie durch die Manipulation von Libor und Euribor Geld verloren haben. Dementsprechend gering sind die Aussichten der Deutschen auf Entschädigung.

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