Managergehalt: Nicht so schnell, Herr Blessing!

KommentarManagergehalt: Nicht so schnell, Herr Blessing!

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Der Vorstandsvorsitzende der Commerzbank Martin Blessing bekommt laut Handelsblatt seine erhöhten Bezüge bereits seit Januar anteilig ausgezahlt.

von Mark Fehr

Der Aufsichtsrat gönnt dem Chef der Commerzbank ein höheres Gehalt. Beim Steuerzahler sorgt das für Bauchschmerzen.

Das Handelsblatt meldet ein „Ende der Bescheidenheit“ bei Deutschlands zweitgrößter Bank. Der Aufsichtsrat des Instituts gönnt CEO Martin Blessing für 2012 ein deutlich höheres Festgehalt von 1,3 Millionen Euro. Dieses gewaltige Plus von 160 Prozent liegt auch daran, dass der Dax-Chef und seine Vorstandskollegen sich zuvor mit einem für ihre Sphären unwürdigen Jahressalär von 500.000 Euro begnügen mussten.

Allerdings hatte der nun aufgehobene Gehaltsdeckel einen guten Grund, denn die Commerzbank musste mit 18,2 Milliarden Euro aus öffentlichen Kassen vor der Finanzkrise gerettet werden. Chef Blessing blieb im Amt, obwohl er seinem Institut mit der Übernahme der Dresdner Bank mitten in der Krise eine Last aufgebürdet hatte, unter der sie ohne die staatlichen Hilfen fast zusammengebrochen wäre.

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Nach der positiven Nachricht, dass die Kapitalhürde aus dem EU-Bankenstresstest ohne erneute Staatshilfen eingehalten wird, witterte die Commerzbank jetzt scheinbar eine günstige Gelegenheit, den Schleier zu lüften, ohne mit negativen Schlagzeilen rechnen zu müssen. Darin dürften sich der Aufsichtsrat und die Chefetage jedoch getäuscht haben.

„Langsam, Herr Blessing!“, würden viele Steuerzahler dem Banker jetzt wohl gern zurufen. Denn immer noch stecken etwa sechs Milliarden Euro Staatsgeld in der Commerzbank. Um den staatlichen Kapitalanteil von einem Viertel zu halten, mussten die Steuerzahler trotz Rückführung der stillen Einlage weitere Aktien übernehmen.

Schlechtes Licht auf die Führungskultur

Der Aufsichtsrat beruft sich bei seiner Entscheidung aber darauf, dass das Institut im vergangenen Jahr deutlich mehr als die Hälfte der Staatshilfen zurückgezahlt hat. Zu dieser beachtlichen Leistung kann man dem Management durchaus gratulieren, insbesondere dem tapferen Ex-Finanzchef Eric Strutz, der die Kapitalerhöhung zur Rückführung der stillen Einlage des Bankenrettungsfonds durchgeführt hat.

Strutz allerdings hat das Institut im März verlassen, von der Aufhebung des Gehaltsdeckels dürfte er daher von allen Begünstigten am wenigsten profitieren. Laut Handelsblatt werden die erhöhten Bezüge bereits seit Januar anteilig ausgezahlt. Damals kokettierte Blessing noch mit seinem für Dax-Chefs niedrigem Gehalt.

Juristisch dürfte die Entscheidung des Aufsichtsrats nicht anzufechten sein, denn das Gesetz gibt die Vorstandsgehälter wieder frei, wenn die Hälfte der öffentlichen Rettungsgelder zurückgeflossen ist. Dies verdankt die Bank einer Änderung des Restrukturierungsgesetzes durch die Regierung von Kanzlerin Angela Merkel. Die Politik hat dem Aufsichtsrat seine umstrittene Entscheidung also erst ermöglicht.

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Nicht nur beim Steuerzahler sorgt das für Bauchschmerzen. Der Fall wirft zudem ein schlechtes Licht auf die Führungskultur in deutschen Unternehmen. Klaus-Peter Müller, Vorsitzender des Commerzbank-Aufsichtsrats war einst selbst Chef des Dax-Konzerns. Er dürfte seinem Nachfolger Blessing sowie dessen Vorstandskollegen daher näher stehen als den Aktionären, in deren Auftrag er das Management eigentlich streng überwachen sollte. Müller, der zugleich Vorsitzender der Regierungskommission für gute Unternehmensführung ist, zeigt sich nun großzügig gegenüber dem Commerzbank-CEO und seinen Mannen, obwohl die Anteilseigner auf Dividenden verzichten müssen.

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