Medienbericht: Vorstandschef verteidigt 2,5 Milliarden Euro schwere Kapitalerhöhung

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Medienbericht: Vorstandschef verteidigt 2,5 Milliarden Euro schwere Kapitalerhöhung

Martin Blessing, der Vorstandschef der Commerzbank hat die Kapitalerhöhung der zweitgrößten deutschen Bank verteidigt. Mit dem Geld will das Institut die restlichen Stillen Einlagen des Staates und der Allianz vollständig tilgen.

Die Commerzbank will bei ihrer vorgezogenen Hauptversammlung am kommenden Freitag die Weichen für eine Zukunft ohne den Staat stellen. Einmal mehr sollen am Markt frische Milliarden eingesammelt werden, um die restliche Staatshilfe zurückzuzahlen. Was die Politik freut, verärgert Kleinaktionäre: Ihre Anteile werden durch die erneute Kapitalerhöhung weiter verwässert. Geplant ist die Ausgabe neuer Aktien im Volumen von 2,5 Milliarden Euro mit Bezugsrechten für die bisherigen Anteilseigner. Den Aktionären wird zudem eine Kapitalherabsetzung durch Zusammenlegung von Aktien im Verhältnis 10:1 zur Entscheidung vorgelegt.
"Nach der Rettung durch den Staat war es die Aufgabe des Vorstands, dieses Geld so schnell wie möglich zurückzuzahlen. Das war von Anfang an klar", sagte Blessing in einem am Sonntag veröffentlichten Interview des Magazins "Der Spiegel". "Wir konnten uns als Management nicht zurücklehnen und sagen: Schön, dass wir den Staat jetzt auf Dauer drin haben." Das Geld wie vorgesehen aus den künftigen Gewinnen der Bank zurückzuzahlen, sei unter anderem wegen der Euro-Schuldenkrise nicht gelungen, sagte Blessing. Allein der Schuldenschnitt in Griechenland habe die Bank fast drei Milliarden Euro gekostet.

Der Commerzbank-Chef äußerte Verständnis für den Unmut vieler Investoren über den Kurs des Managements: "So mancher Aktionär hätte vielleicht die stillen Einlagen am liebsten so lange wie möglich behalten; dem einen oder anderen Steuerzahler konnte es dagegen gar nicht schnell genug gehen; die Mitarbeiter hätten gern mehr Arbeitsplätze behalten, die Gläubiger wollten ihre Zinsen und Kreditkunden möglichst viel Kredit", sagte er. "Es gab keine Lösung, die alle glücklich macht. Wir mussten aber einen Ausgleich der unterschiedlichen Interessen finden. Da sind jetzt nicht alle begeistert. Das kann ich verstehen."

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Vorstandsvorsitzende der Commerzbank Martin Blessing Quelle: dpa


Die Rückzahlung der Stillen Einlagen sei aber ein Schlüssel dazu, die Skepsis gegenüber der Commerzbank-Aktie abzubauen. Der zweite sei der Abbau der gewerblichen Immobilien-, der Schiffs- und Staatsfinanzierung. Ihr Volumen soll bis 2016 auf 90 von 151 Milliarden Euro schrumpfen und dann nur noch 15 Prozent der Bilanzsumme ausmachen. "Im Moment geht der Abbau sogar schneller als geplant", sagte Blessing. In der Schiffsfinanzierung, die 19 Milliarden Euro umfasst, sei 2013 aber "weiterhin mit einem hohen Niveau an Risikovorsorge" zu rechnen. Die Schifffahrtsbranche steckt in der Krise, weil hohe Überkapazitäten die Charterraten drücken. Die Einnahmen der Reeder reichen oftmals nicht aus, um Kosten einschließlich Zinsen zu decken - geschweige denn, Tilgung zu leisten.
Der seit der Finanzkrise 2008/2009 teilverstaatlichte Dax-Konzern strebt an, sowohl die restlichen Hilfsgelder des staatlichen Rettungsfonds Soffin (1,63 Mrd Euro) als auch die Stille Einlage des Versicherungskonzerns Allianz (750 Mio Euro) zurückzuzahlen. In der Folge will der Soffin seinen Anteil an der Bank von 25 Prozent unter 20 Prozent senken. Damit würde der deutsche Staat sein Recht zur Blockade wichtiger Entscheidungen (Sperrminorität) aufgeben.

Blessing wandte sich gegen Forderungen, eine Obergrenze für die Gehälter von Unternehmensvorständen per Gesetz einzuführen. "Davon halte ich nichts. Wenn, dann sollen die Aktionäre in der Hauptversammlung Höchstgrenzen festlegen. Es ist ja ihre Firma." Auch eine Abstimmung der Aktionäre über die Gehälter der Vorstandsmitglieder "wäre nur konsequent", sagte er. Blessings Gehalt war für 2012 erstmals nicht mehr auf eine halbe Million Euro gedeckelt, so dass er 1,31 Millionen Euro erhielt. Auf Boni von bis zu 700.000 Euro verzichtete er wegen des geringen Nettogewinns der Bank.

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Quelle: Markus Hintzen für WirtschaftsWoche

Blessing stellte sich hinter Bestrebungen der Europäischen Union, die Boni zu begrenzen: "Wenn die Vergütung zu hohe variable Anteile hat, verteilen sich die Risiken asymmetrisch: Läuft es gut, gewinnt der Mitarbeiter in exorbitanter Höhe. Und wenn es danebengeht, muss das Unternehmen dafür geradestehen. Das führt zu hohen Systemrisiken, die - wenn wir Pech haben - der Steuerzahler ausbügeln muss."

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