Mehr Kontrolle für Zinssätze: Findige Händler werden neue Lücken finden

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KommentarMehr Kontrolle für Zinssätze: Findige Händler werden neue Lücken finden

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EU-Kommissar Michel Barnier hat heute ein einen Gesetzentwurf zur stärkeren Regulierung von Schattenbanken vorgestellt, der die Ermittlung der Referenzwerte stärker kontrollieren und Verstöße bestrafen soll.

von Cornelius Welp

Als Konsequenz aus den europaweiten Zinsskandalen will die EU-Kommission die Aufsicht stärken. Doch neue Regeln werden auch neue Lücken für findige Händler mit sich bringen.

Mehr Abscheu war nie: Deutsche-Bank-Co-Chef Anshu Jain erklärte, dass ihn das Thema anekele und der liberale Economist nahm es zum Anlass für eine Hasstirade gegen die "Bankster". Anlass waren die Enthüllungen über die Versuche einer Bande von Händlern, Referenzzinssätze wie den Libor zu manipulieren.

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Im Nachhinein konnte an den Enthüllungen vor allem überraschen, dass sie so überraschend waren. Ein Verfahren, bei dem Banken ohne festgelegte Zuständigkeit, ohne wirkliche Aufsicht und ohne notwendigen Bezug zu wirklichen Transaktionen, Zahlen an eine zentrale Stelle melden, lädt geradezu zu Manipulationen ein. Aus heutiger Sicht wirkt es wie ein Anachronismus aus einer guten alten Gentleman-Banker-Zeit. Zynisch erklärte ein deutscher Top-Banker nach Bekanntwerden in einem Hintergrundgespräch denn auch, dass eigentlich schon immer klar gewesen sei, dass hier nicht alles mit rechten Dingen zuging. Da die besten und schlechtesten Ergebnisse bei der Ermittlung des Wertes gestrichen wurden, seien er und seine Kollegen aber davon ausgegangen, dass das Ergebnis schon irgendwie stimmen werde.

Was den Libor so wichtig macht

  • Für wen gilt der Libor?

    Grundsätzlich gilt der Libor für alle Kreditnehmer aus den folgenden Währungsräumen:

    - Australischer Dollar
    - Kanadischer Dollar
    - Neuseeland-Dollar
    - US-Dollar
    - Schweizer Franken
    - Dänische Krone
    - Schwedische Krone
    - Euro
    - Pfund Sterling
    - Yen

  • Was legt der Libor fest?

    Der Libor ist ein Angebotszins, also der Satz, zu dem Banken Geld verleihen können. Grundsätzlich gilt der Libor nur für Kredite mit einer Laufzeit von einem Tag bis zu zwölf Monaten. Das heißt, er betrifft Optionen, Derivate und Termingeschäfte, aber auch den Kredit fürs neue Auto oder die Eigentumswohnung.

  • Wer bestimmt den Libor?

    Grundsätzlich legt die British Banker's Association (BBA) den Libor (London Interbank Offered Rate) jeden Tag aufs Neue fest. Die BBA saugt sich den Satz allerdings nicht einfach so aus den Fingern, sondern ermittelt einen Durchschnittssatz aus den Angaben verschiedener Banken. 19 Institute melden der BBA täglich, zu welchem Zinssatz sie sich untereinander Geld leihen.

  • Welche Banken stehen jetzt in der Kritik?

    Grundsätzlich gibt es derzeit einen Verdacht gegen alle 19 Banken, die ihre Zinssätze der BBA mitteilen. Barclays hat die Manipulationen bereits zugegeben, ermittelt wird des Weiteren gegen die Royal Bank of Scotland, die Deutsche Bank, die HSBC, die UBS, Citigroup und Lloyds.

Da sich einmal mehr gezeigt hat, dass die Banken nur Mist machen, wenn man sie unbeobachtet lässt, schlägt einmal mehr die Stunde der Brüsseler Bürokraten. EU-Kommissar Michel Barnier hat dazu heute ein einen Gesetzentwurf vorgestellt, der die Ermittlung der Referenzwerte stärker kontrollieren und Verstöße bestrafen soll. Der ist vor allem kompliziert und offen für Interpretationen. Schwierig ist wie so oft vor allem die internationale Abstimmung. So sollte ursprünglich die zentrale europäische Börsenaufsicht ESMA über die Ermittlung wachen, nun koordiniert sie lediglich die Überwachungsbemühungen der nationalen Aufsichtsbehörden.

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Darin direkt einen erneuten Sieg der Finanzlobby zu sehen ist verfrüht. Das äußerst detaillierte Gesetz schafft schließlich eine Grundlage in einem bisher weitgehend rechtsfreien Raum, auf der die Praxis aufsetzen muss. Und es legt fest, dass Referenzwerte künftig auf tatsächlichen Transaktionen beruhen sollen. Aufseher haben bei ihren diversen Sonderprüfungen bereits dafür gesorgt, dass das Risikomanagement stärker über die Abgabe der Daten wacht. Die Arbeit am Einzelfall ist der einzig sinnvolle Weg.

Letztlich kommt die Regulierung aber auch zu spät. Denn dass in den Banken demnächst mal wieder am Libor gedreht werden wird, ist so gut wie ausgeschlossen. Nirgendwo schauen die internen Kontrolleure derzeit aufmerksamer hin. Wo neue Regeln auftauchen, entstehen aber auch neue Lücken, die findige Händler erneut ausnutzen werden. So läuft das Spiel. Leider.

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