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Milliarden-Überschüsse: Tanz auf dem Vulkan – Banken-Gewinne explodieren

von Tobias Döring Quelle: Handelsblatt Online

Nach den Geschäftsbanken hat auch die Investmentbank Goldman Sachs ein dickes Plus bekanntgegeben. Die US-Verbraucher und die Notenbank machen es den Instituten leicht. Doch wie lange kann das gut gehen?

Hausbau in Los Angeles: Der US-Immobilienmarkt lässt die Gewinne der Banken in die Höhe schnellen. Quelle: dpa
Hausbau in Los Angeles: Der US-Immobilienmarkt lässt die Gewinne der Banken in die Höhe schnellen. Quelle: dpa

Düsseldorf/New YorkEs ist eine Wiederkehr, die in ihrem Ausmaß überrascht. Die US-Großbanken geben in diesen Tagen ihre Zahlen für das abgelaufene Quartal bekannt – und die Finanzriesen können „durch die Bank“ überzeugen.

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Am Dienstag hat Goldman Sachs die Anleger mit einem Gewinn von 1,5 Milliarden Dollar erfreut. Vor einem Jahr hatte die Investmentbank noch einen Verlust von mehr als 400 Millionen Dollar eingefahren. Damals hatten Goldman die Flaute im Investment-Banking und die Schuldenkrise in Europa zugesetzt. Es war erst der zweite Quartalsverlust seit dem Börsengang der Investmentbank im Jahr 1999.

„Blankfeins dunkelste Stunde bei Goldman Sachs“ titelte im Oktober 2011 Handelsblatt Online. Doch nur ein Jahr später ist alles anders. Und das nicht nur bei den Investmentbankern von Goldman Sachs. Die US-Universalbanken verbuchen sogar Rekordgewinne. Am vergangenen Freitag legten JP Morgan und Wells Fargo ihre Zahlen vor. US-Branchenprimus JP Morgan steigerte die Nettoerlöse auf 5,7 Milliarden Dollar.

Auch Wells Fargo ließ sich nicht lumpen. Das Institut aus der Westküstenmetropole San Francisco verkündete einen Gewinnsprung auf knapp fünf Milliarden Dollar. Das waren satte 22 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Am Montag schließlich konnte auch die Citigroup überzeugen – jedenfalls im operativen Geschäft. Nach Abschreibungen beim Verkauf der Anteile des Gemeinschaftsunternehmens Smith Barnes an Morgan Stanley stand unter dem Strich nur ein Nettogewinn von einer knappen halben Milliarde Dollar. Am Dienstag trat Citi-Chef Vikram Pandit zurück, warum ist noch nicht bekannt.

Doch warum diese wundersame Erholung der US-Finanzinstitute? Denn schließlich hatten Analysten nach dem schwachen Jahr 2011 vor allem den Investmentbanken erneut ein schlechtes Geschäftsjahr vorausgesagt. Auch die Geschäftsbanken kamen in ihren Prognosen für das laufende Jahr aufgrund der Euro-Schuldenkrise und des in der Folge schwächelnden Kapitalmarktgeschäfts nicht gut weg.


„Immobilienmarkt hat die Wende geschafft“

Und so sind es auch nicht Aktienplatzierungen von Privat- und Geschäftskunden, die die US-Großbanken nun frohlocken lassen. Verantwortlich für die Gewinnexplosionen ist vor allem der US-Immobilienmarkt. Dazu kommt noch das anziehende Kapitalmarktgeschäft.

„Wir glauben, dass der Immobilienmarkt die Wende geschafft hat“, kommentierte JP-Morgan-Chef Jamie Dimon am Freitag seine starken Quartalszahlen. Im Juli, August und September vergab seine Bank 47 Milliarden Dollar an Hypotheken – ein Plus von 30 Prozent. JP Morgan nahm mit den Krediten 1,8 Milliarden Dollar und damit 36 Prozent mehr ein als im gleichen Zeitraum des Vorjahres.

Dabei galt der Markt für Immobilien in den USA bisher als großes Sorgenkind. Der Kollaps des damals völlig überhitzten Häusermarktes hatte 2008 eine Abwärtsspirale in Gang gesetzt. Fallende Immobilienpreise hatten US-Bürger in Zahlungsschwierigkeiten gebracht, die deshalb auch ihre Kreditkartendarlehen und Autofinanzierungen nicht mehr bedienen konnten. Dies führte bei den Banken zu Abschreibungen und zu einem Stillstand im Kreditgeschäft, der auch andere Teilbereiche traf.

Nun haben sich die Häuserpreise stabilisiert, das lässt US-Bürger wieder investieren, die Preise steigen, die Kreditausfälle sinken und die wachsenden Konsumausgaben helfen der Wirtschaft und den Banken. Experten erkennen eine Trendwende. „Wir glauben, dass der Häusermarkt am Beginn einer dauerhaften Erholung steht“, schrieb der US-Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Joseph LaVorgna, zuletzt in einer Studie. Das billige Geld der US-Notenbank Fed befeuert diese Entwicklung. Die Kreditzinsen sind niedrig. Günstige Hypotheken locken, viele Immobilieneigner schichten ihre Kredite um.


Comeback der Finanzkrise?

Wells Fargo bestätigt den Trend. Die Bank ist mittlerweile der größte Kreditgeber für Häuser in den USA, rund ein Drittel der Immobiliendarlehen stammt von ihr. Der Gewinn im Hypothekengeschäft im dritten Quartal stieg auf 2,8 Milliarden Dollar – ein Zuwachs um mehr als 53 Prozent zum Vorjahreszeitraum.

Mit dem Comeback der US-Banken folgt also auch das Comeback der Hypothekenpapiere. Und die Fed spielt munter mit. Erst Mitte September hat die Notenbank angekündigt, monatlich Immobilienpapiere in Höhe von 40 Milliarden Dollar anzukaufen, um damit die Konjunktur in Gang zu bringen.

Doch der Boom am Hypothekenmarkt ist nicht ohne Risiko. Durch die niedrigen Zinsen können die Banken ihre Immobilienfinanzierungen am Kapitalmarkt nur schlecht weiterverkaufen. Die Finanzierungen werden in Wertpapieren gebündelt und diese mit Hypotheken besichert. Der Zusammenbruch des Marktes genau solcher Papiere löste vor fünf Jahren die Finanzkrise aus. Ein weiteres Comeback kündigt sich an – das der Finanzkrise.

Zunächst aber könnte das Konzert der Gewinnsteigerungen weiter gehen. In dieser Woche haben noch zwei US-Kreditinstitute ihren Auftritt: am Mittwoch die Bank of America, am Donnerstag die Investmentbank Morgan Stanley. (mit ben)

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