Moody's Herabstufung: Sein oder nicht sein - ist für Landesbanken die Frage

Moody's Herabstufung: Sein oder nicht sein - ist für Landesbanken die Frage

, aktualisiert 17. November 2011, 16:31 Uhr
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Schwierige Zeiten nicht nur für die BayernLB.

Quelle:Handelsblatt Online

Die Zukunft der Landesbanken stirbt nicht an einem Tag, sondern an mehreren. Heute ist so einer. Die Institute verlieren politischen Rückhalt, sagt die Ratingagentur Moody's. Die Folgen ihres Urteils sind dramatisch.

FrankfurtDie deutschen Landesbanken und ihre Gläubiger können sich nach Auffassung der Ratingagentur Moody's nicht mehr wie bisher auf den finanziellen Rückhalt von Ländern und Sparkassen verlassen.

Die Finanzexperten bewerten die Kreditwürdigkeit von elf Instituten aus dem Landesbankensektor nun um bis zu drei Rating-Stufen schlechter als vorher. „Die künftige Unterstützung des Staates für die öffentlichen Banken ist unsicherer geworden“, erklärte Ratinganalystin Katharina Barten.

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Rating der LandesbankenMoodysFitch
neualt
Deka BankAa3Aa2-
HelabaA1Aa2A+
Landesbank BerlinA1A+
LBBWA2Aa2A+
Nord LBA2Aa2A
Bremer Landesbank A2Aa2A
Saar LBA3A1A
West LBA3A-
Norddeutsche Landesbank LuxembourgA3Aa3-
Bayern LBBaa1A1A+
Deutsche HypothekenbankBaa1A1-
HSH NordbankBaa2A3A-

Die Gründe dafür sind: Die EU schränkt durch ihr Beihilferegime die Möglichkeiten staatlicher Eingriffe ein. Und das deutsche Restrukturierungsgesetz lässt zunächst die Gläubiger von Banken bluten, bevor sie von ihren Eigentümern aufgefangen werden sollen.

„Dauerhaft niedrige Ratings können die Banken nicht durchhalten. Wir sind in einer labilen Situation“, warnt der Finanzprofessor Christoph Kaserer von der TU München. Allerdings kommt für Kaserer die Herabstufung durch Moody’s nicht überraschend. „Das ist letztlich eine Reaktion auf das Restrukturierungsgesetz der Bundesregierung, mit dem die Haftung des Steuerzahlers für den Bankensektor reduziert werden soll“, so Kaserer.

In einer Studie kommt der Finanzexperte zu dem Schluss, dass das Restrukturierungsgesetz zu steigenden Refinanzierungskosten von 35 Basispunkten führt. Die Schuldverschreibung einer Bank würde dann nicht mehr beispielsweise fünf Prozent, sondern 5,35 Prozent kosten. Allerdings dürfe man die Landesbanken nicht über einen Kamm scheren. Landesbanken mit einem direkten Zugang zu Privatkunden mit Bankeinlagen hätten weniger Probleme als andere.

Abdoulaye Aboubakar, Finanz-Analyst bei der DZ Bank, ergänzt: „Das Margengeschäft der Landesbanken funktioniert seit dem Wegfall der Gewährträgerhaftung schon nicht mehr. Am besten stehen daher jene Landesbanken, die Zugang zum Retail-Geschäft haben wie etwas die NordLB, Landesbank Berlin, Helaba oder LBBW.“ Das niedrigere Rating bedeute aus seiner Sicht aber nicht, dass die Landesbanken nun weniger mit öffentlicher Unterstützung rechnen können.


Grund für Moody's Maßnahme

Für den Deutschen Sparkassen- und Giroverband kam die Herabstufung nicht überraschend. Die Entscheidung der Ratingagentur Moody's habe keinen Bezug zur wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit der Häuser, teilte der Dachverband am Donnerstag in Berlin mit. „Die jetzigen Ergebnisse sind keine Neubewertung des Geschäftsmodells der betroffenen Institute“, sagte Karl-Peter Schackmann-Fallis, Vorstandsmitglied des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands.

„Sie sind vielmehr das Ergebnis einer Änderung der Rating-Systematik bei Moody's.“ Die Landesbanken würden weiterhin riskante Papiere abstoßen, kündigte Schackmann-Fallis an. Die meisten Landesbanken sind im Eigentum der Länder und der jeweiligen Sparkassen.

Die meisten Landesbanken gehören zum größten Teil den Bundesländern, in denen sie ansässig sind. Der Einfluss der öffentlich-rechtlichen Sparkassen auf die Spitzeninstitute war in der Finanzkrise zum Teil geschwunden, weil nicht sie, sondern die Länder die nötigen Finanzspritzen gestellt hatten.

Die Annahme, dass die Eigentümer die Landesbanken im Notfall auffangen würden, hatte deren Kreditratings bisher um vier bis acht Stufen verbessert, nun schätzt Moody's den Effekt nur noch auf zwei bis fünf Stufen. Das führte zu den Herabstufungen. Die eigene Finanzkraft der Banken habe dabei ebenso wenig eine Rolle gespielt wie die Folgen der Finanzkrise.

Die Herabstufungen sind das Ergebnis einer bereits im Mai angekündigten grundlegenden Überprüfung der Landesbanken durch die Agentur. Als einziges der zwölf untersuchten Institute behält die - allein den Sparkassen gehörende - Landesbank Berlin ihr „A1“-Rating. Am stärksten betroffen sind die BayernLB (auf „Baa1“ von „A1“), die LBBW, die NordLB (jeweils auf „A2“ von „Aa2“) sowie die mehrheitlich zur NordLB gehörenden Deutsche Hypo und BremerLB, die je drei Stufen schlechter bewertet werden.

Zwei Stufen verlieren die Helaba (auf „A1“ von „Aa2“), die kleine SaarLB (auf „A3“ von „A1“) und die HSH Nordbank, die mit „Baa2“ statt „A3“ am schlechtesten abschneidet. Der Fondsanbieter des Sektors, die DekaBank, die seit 2011 nach dem Ausstieg der Landesbanken allein den Sparkassen gehört, wurde auf „Aa3“ von „Aa2“ herabgestuft. Über die vor der Zerschlagung stehende WestLB (bisher „A3“) haben sich die Moody's-Analysten noch keine neue Meinung gebildet.


Kritik an der Herabstufung

Die HSH Nordbank kritisierte die Entscheidung. Moody's habe die Fortschritte bei der Sanierung der Bank außer Acht gelassen. Schließlich habe auch die EU das Geschäftsmodell der Landesbank für Hamburg und Schleswig-Holstein als nachhaltig anerkannt. „Das auf Kunden fokussierte Geschäftsmodell der Bank funktioniert“, erklärte die BayernLB zu der Entscheidung.

Die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) sieht wie andere betroffene Institute die Herabstufung gelassen. „Wir gehören immer noch zu den am besten gerateten Instituten - sowohl bei den Landesbanken als auch insgesamt unter den deutschen Banken“, sagte ein Sprecher des Frankfurter Instituts am Donnerstag.

Nicht nachvollziehbar sei allerdings, „dass diejenigen Landesbanken von Moody's den höchsten Rating-Zuschlag bekommen, die in der Krise bereits gestützt wurden“. Moody's hatte am Mittwochabend die Bewertung der Bonität etlicher Landesbanken um bis zu drei Stufen gesenkt. Für die Helaba ging es im Langfrist-Rating um zwei Stufen nach unten: von Aa2 auf A1.

Je schlechter die Agenturen die Bonität eines Marktteilnehmers beurteilen, desto teurer und schwieriger wird es für diesen in der Regel, sich am Markt Geld zu besorgen. Die Refinanzierungskosten steigen, schlimmstenfalls ziehen Geldgeber ihr Kapital ab.

Die Helaba baut auf ihre starke Marktposition: Im Gegensatz zu anderen Landesbanken kam die Helaba ohne Stützungsmilliarden und ohne größere Schrammen durch alle Turbulenzen. Nach den ersten neun Monaten 2011 sieht sich das Institut auf dem besten Weg, im Gesamtjahr trotz Krise den Vorsteuergewinn des Vorjahres (398 Mio Euro) um zehn Prozent zu übertreffen.

Die Eigner der NordLB - allen voran das Land Niedersachsen - sind offenbar konkret zu einer neuerlichen Unterstützung des Instituts bereit. Sie braucht bis Juni 2012 mindestens 660 Millionen Euro zusätzliches Kapital, um die erhöhten Anforderungen der EU-Regulierer in der Schuldenkrise zu erfüllen.

Das will sie über die Umwandlung eines weiteren Teils der Stillen Einlagen ihrer Träger in echtes Kernkapital schaffen, wie es in Finanzkreisen hieß. Vom Eigenkapital der NordLB bestehen zwei Milliarden Euro aus Stillen Einlagen, die aber nicht als hartes Eigenkapital anerkannt werden. Möglich sei auch ein Garantierahmen der Eigentümer für die NordLB. Die Gespräche darüber sollen in der kommenden Woche stattfinden.

NordLB-Chef Gunter Dunkel hatte vor zwei Wochen erklärt, durch die Kapitalaufstockung solle sich nichts an den Anteilsverhältnissen zwischen den Ländern Niedersachsen (41,8 Prozent) und Sachsen-Anhalt (8,3 Prozent) sowie den Sparkassen aus den beiden Ländern und aus Mecklenburg-Vorpommern ändern. Ein Sprecher der Landesbank aus Hannover sagte am Donnerstag: „Wir prüfen verschiedene Maßnahmen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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