Nach dem Stresstest: Italiens Banken suchen neue Milliarden

Nach dem Stresstest: Italiens Banken suchen neue Milliarden

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Italiens Krisenbank muss jetzt über eine mögliche Kapitalerhöhung entscheiden.

Italiens Banken haben beim Stresstest europaweit am schlechtesten abgeschnitten. Für einige Institute, darunter das älteste der Welt, müssen Lösungen her - und zwar schnell.

Keine Frage, die altehrwürdige italienische Bank Monte die Paschi die Siena macht turbulente Zeiten durch. Als Institut mit der größten Kapitallücke ging das toskanische Traditionshaus, das seit mehr als 500 Jahren Geschäfte macht, aus den Banken-Tests vor gut anderthalb Wochen hervor.

Bei der angeschlagenen MPS mit Sitz in Siena fehlen 2,1 Milliarden Euro. Insgesamt rasselten neun italienische Institute durch die groß angelegte Überprüfung der Europäischen Zentralbank zur Krisenfestigkeit von 130 Geldhäusern und damit so viele wie in keinem anderen Land des Euroraums.

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Was läuft falsch bei Italiens Banken, deren Geschichte bis zu den Anfängen der Geldleihhäuser des späten Mittelalters zurückreicht? Sicher: Die Wirtschaft in dem hochverschuldeten Euroland kommt einfach nicht aus den Fängen der Krise. 2014 dürfte mit großer Sicherheit das dritte Jahr in Serie mit einem Minus bei der Wirtschaftsleistung werden. Eine Trendwende wird erst für 2015 erwartet. Das geht natürlich nicht spurlos an den Banken vorbei.

Rating Mit Italiens Banken geht es abwärts

Die Ratingagentur Moody's senkt den Daumen über Unicredit, Intesa und elf weitere italienische Banken. Ihr Schicksal hängt davon ab, ob Rom seine Schulden in den Griff kriegt.

Neben der UniCredit Banca hat die Ratingagentur Moody's zwölf weiteren italienische Banken die Bonitätseinstufungen herabgesetzt Quelle: dapd

Bankenexperte Hans-Peter Burghof von der Universität Hohenheim sieht aber nicht nur solche generellen Probleme: „Nicht alle italienischen Banken scheinen den Stresstest auch wirklich ernst genommen zu haben. Anders ist es nicht zu erklären, dass manche sehenden Auges in diese Situation gekommen sind. Denn sie hatten ja lange genug Zeit, sich vorzubereiten.“ Intransparenz und Ineffizienz seien weitere Probleme des Sektors.

Nach den Bankentests hatten die meisten italienischen Institute allerdings schon reagiert und ihre Kapitallücken inzwischen geschlossen oder entsprechende Maßnahmen in die Wege geleitet. Nachbesserungsbedarf hat neben Monte dei Paschi (MPS), der drittgrößten Bank des Landes, außerdem die wesentlich kleinere Banca Carige.

Das Institut aus Genua blickt auf eine ebenfalls jahrhundertelange Geschichte zurück und hatte noch am Tag der Veröffentlichung der Stresstestergebnisse eine Kapitalerhöhung auf den Weg gebracht, um die fehlenden 814 Millionen Euro aufzutreiben. In den Tagen darauf kündigte das Institut zudem den Verkauf zweier Versicherungstöchter an einen Finanzinvestor an.

Bankenstresstest Händler wetten auf den Bankaktien-Run

Die Veröffentlichung des Bankenstresstests rückt näher. Noch bevor die EZB die Ergebnisse offenlegt, wetten Investoren auf eine Rally bei Bankaktien. Ein Spiel mit dem Feuer oder eine todsichere Chance?

Beginnt nach dem Stresstest die große Rally bei Bankaktien? Quelle: dapd

Zwar betonten sowohl Italiens Notenbank als auch der Bankenverband ABI nach Bekanntgabe der Ergebnisse, dass die Tests die Stabilität des Sektors bestätigt hätten. In einigen Fällen müssten die begonnenen Maßnahmen jedoch weitergeführt werden. Notenbankchef Ignazio Visco wurde da ein paar Tage später deutlicher: Die Schwierigkeiten der beiden Institute seien in großem Maße „das Erbe“ von zurückliegendem Fehlverhalten, das inzwischen aufgedeckt worden sei und entsprechende Führungswechsel zur Folge gehabt habe, so Visco in seiner Rede auf einer Veranstaltung zum Weltspartag in Rom.

Bereits in den vergangenen Monaten war die 1472 gegründete MPS, die als älteste noch operierende Bank der Welt gilt, immer wieder in den Schlagzeilen. Riskante Derivategeschäfte und die Schuldenkrise in Europa hatten das Geldhaus in Schieflage gebracht, das daraufhin 2013 mit staatlicher Hilfe vor dem Kollaps bewahrt werden musste.

Zudem muss sich das frühere Management wegen der dubiosen Geschäfte vor Gericht verantworten. In der vergangenen Woche wurden drei frühere MPS-Manager in erster Instanz jeweils zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt, kündigten jedoch an, dagegen vorgehen zu wollen.

An diesem Mittwoch kommt nun der Verwaltungsrat von Monte dei Paschi zusammen. Das Institut prüft eine Kapitalerhöhung, nachdem in diesem Jahr schon einmal fünf Milliarden Euro auf diesem Wege eingesammelt worden waren - eine Auflage der Europäischen Union für die Genehmigung der Staatshilfen.

UniCredit Italiens Großbanken wollen faule Kredite auslagern

Eine spezielle Gesellschaft soll sich um die Problemkredite von UniCredit und Intesa Sanpaolo kümmern. Die faulen Kredite sind - nach der anhaltenden Rezession - das größte Problem der italienischen Banken.

Faule Kredite sind nach der längsten Rezession seit dem Zweiten Weltkrieg das größte Problem der italienischen Banken. Nach Verbandsangaben summierten sich die Problem-Darlehen im Februar auf den Rekordwert von 162 Milliarden Euro. Quelle: REUTERS

Erneute Hilfen schloss MPS jedoch zuletzt aus, vielmehr soll die erneute Kapitalerhöhung auf den Weg gebracht werden. Und wenn sich nicht genügend Investoren finden, die mitmachen? Spekuliert wird auch über eine Fusion, allerdings haben einzelne Banken schon abgewunken.

Bankchef Fabrizio Viola jedenfalls hatte sich nach den missglückten Tests zuversichtlich gezeigt. Sein Haus werde auch diesen „nicht einfachen Moment“ überstehen. Der Absturz an der Börse war nach der Ankündigung der Kapitalerhöhung jedenfalls vorerst gestoppt. Bis dahin hatte der MPS-Kurs seit Bekanntgabe der Stresstest-Ergebnisse rund 40 Prozent verloren.

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