Nach Kirch-Urteil: Horrorwoche für die Deutsche Bank

KommentarNach Kirch-Urteil: Horrorwoche für die Deutsche Bank

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Vorwurf der Bilanzfälschung, Ermittlungen wegen Steuerbetrug und jetzt die Niederlage im Kirch-Prozess - eine ähnlich heftige Woche hat es für die Deutsche Bank wohl noch nie gegeben.

von Cornelius Welp

Vorwurf der Bilanzfälschung, Ermittlungen gegen Co-Chef Fitschen und die Niederlage im Kirch-Prozess - eine so heftige Woche gab es noch nie. Die Deutsche Bank muss umsteuern.

Dass die Deutsche Bank den Prozess wegen ihrer Verwicklung in die Pleite des Medienunternehmers Leo Kirch Anfang 2002 verlieren würde, war seit Monaten absehbar. Dennoch ist es zehn Jahre nach Beginn der Auseinandersetzungen eine Sensation. Vor Beginn des Verfahrens vor dem OLG München hatte kaum mehr jemand mit einer Niederlage gerechnet. Zu lästig waren die Auftritte der Kirch-Vertreter bei den Hauptversammlungen, zu gewagt manche Verschwörungstheorien, die sie dort und anderswo präsentierten.

Dass Richter Guido Kotschy überhaupt in die Beweisaufnahme eintrat und Zeugen vernahm, galt deshalb schon als Überraschung. Im Lauf der Jahre fräste er sich immer tiefer in die in Jahren aufgetürmten meterhohen Aktenberge. Mag der Prozess dabei teilweise auch skurrile Züge angenommen haben, mag die juristische Argumentation in vielen Beschlüssen des Gerichts auch grenzwertig sein, mag Kotschys Meinung sich nach einer Weile auch derart verfestigt haben, dass er sich durch nichts und niemand mehr von ihr abbringen ließ: Letztlich blieben Widersprüche, die die Bank auch durch Aufbieten ihres gesamten Vorstands als Zeugen nicht komplett ausräumen konnte. Ihre letzten Argumente waren nicht mehr als Rückzugsgefechte.

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Die wichtigsten Stationen im Streit zwischen Deutscher Bank und Kirch

  • 2002

    Am Rande des Weltwirtschaftsforums in New York zweifelt Deutsche-Bank-Chef Rolf Breuer am 3. Februar in einem TV-Interview die Kreditwürdigkeit Kirchs an. Acht Wochen später ist der Medienkonzern insolvent. Teile werden an den Axel-Springer-Verlag und den TV-Unternehmer Haim Saban verkauft. Leo Kirch reicht Klage gegen die Bank und Breuer ein.

  • 2006

    In der Revision entscheidet der Bundesgerichtshof, dass Breuer Pflichten gegenüber Kirch verletzt hat und deshalb grundsätzlich ein Schadensersatzanspruch besteht. Breuer tritt als Aufsichtsratschef der Deutschen Bank zurück.

  • 2011

    Die Staatsanwaltschaft nimmt Ermittlungen gegen vier frühere Vorstände der Deutschen Bank auf. Kirch stirbt im Sommer mit 84 Jahren.

  • 2012

    Ein von Josef Ackermann ausgehandelter Vergleich über 800 Millionen Euro scheitert an der Deutschen Bank.

Eine schwere Niederlage ist das Urteil auch für die Deutsche-Bank-Hauskanzlei Hengeler Müller. Die hatte von Beginn an die Auffassung vertreten, dass die Bank auf keinen Fall zahlen müsse. Das war zwar durchaus nachvollziehbar, aber eben nicht die einzige Wahrheit, an die man glauben konnte. Sämtliche immer mal wieder versuchten Vergleichsgespräche scheiterten letztlich an diesem Dogmatismus. Selbst als die Deutsche Bank sich vergleichen wollte, konnte sie das nicht m ehr, weil sie den Widerstand ihrer Aktionäre fürchten musste. Nun hat das Gericht nicht einmal die Revision zugelassen. Auch dagegen kann die Bank noch vorgehen. Die Aussichten aber stehen schlecht. Ein Triumph ist das Urteil in jedem Fall für die Kirch-Anwälte der kleinen Kanzlei Bub Gauweiler.

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