Nationalsozialismus: Staatsbank KfW

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Nationalsozialismus: Streit um die Residenz der Staatsbank KfW

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NS-Entschädigungen: Berliner KfW-Residenz ist wohl rechtswidrig in Staatsbesitz gekommen.

von Harald Schumacher

Die stolze Berliner Residenz der staatlichen Förderbank KfW hat eine dunkle Vergangenheit. Nun fordern Anwälte von der Bundesrepublik Wiedergutmachung für die Nachfolger der alten Eigentümer.

Als die KfW Bankengruppe im Juni 2001 ihre Berliner Dependance eröffnet, zeigen sich die anwesenden Politiker als stolze Eigentümer. Bundeskanzler Gerhard Schröder befindet, der KfW-Sitz am Gendarmenmarkt sei „eine Bereicherung für die Mitte Berlins – sowohl baulich als auch von den Aufgaben der Bank her“. Finanzminister Hans Eichel und Wirtschaftsminister Werner Müller klatschen begeistert.

Die KfW-Niederlassung am Gendarmenmarkt in Berlin. Quelle: KfW-Bildarchiv, Rüdiger Nehmzow

Die KfW-Niederlassung am Gendarmenmarkt in Berlin.

Bild: KfW-Bildarchiv, Rüdiger Nehmzow

Dabei hat das schmucke Haus eine dunkle Vergangenheit. Errichtet hatten es einst jüdische Bankiers, die in der NS-Zeit aus der Bank gedrängt wurden. Auf verworrenen Pfaden kam es hundert Jahre später zur KfW. Lange Zeit hat das kaum jemanden interessiert, jetzt aber wird der Gründerzeitpalast für die KfW zum Problem. Zum einen fordert die Conference on Jewish Material Claims Against Germany – kurz Claims Conference – in einem bisher unbekannten Verfahren gegen die Bundesrepublik Wiedergutmachung für die materiellen Verluste der jüdischen Bankiers. Zum anderen versucht derzeit ein hochkarätiges Anwaltskonsortium um einen jüdischen Exbankmanager aus Bad Homburg, die KfW als Eigentümerin aus dem Grundbuch zu tilgen und durch die Rechtsnachfolgerin der einst mehrheitlich jüdischen Bankiersgesellschaft, die Amsterdamer ING Group, zu ersetzen. Am Ende zielen beide Verfahren auf das gleiche Ergebnis: Der Bund soll zahlen.

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Die historischen Abläufe sind weitestgehend unstrittig. Ab 1898 hatte die Berliner Handelsgesellschaft (BHG) das Gebäude errichten lassen. Es war ein Highlight des Bankenviertels der Reichshauptstadt, wo sich damals 170 Bankhäuser drängten. Außen demonstrierte der Industriefinanzierer, der überwiegend von deutsch-jüdischen Bankiers und Inhabern rund um den Gründer Carl Fürstenberg geführt wurde, mit monumentalen Säulen seinen Einfluss und Anspruch. Innen orientierte sich der Bau des Architekten Adolf Messel teilweise an der Grazie italienischer Renaissancepaläste. Im oberen Stockwerk lagen Fürstenbergs Wohn- und Empfangsräume. Heute wird der Wert von Gebäude und Grundstück auf 300 Millionen Euro geschätzt.

KfW droht Schadensersatzzahlung Berliner Niederlassung residiert im früheren Sitz der "arisierten" Berliner Handelsgesellschaft

Die staatseigene Förderbank KfW steht im Zentrum von Schadensersatzforderungen im Zusammenhang mit der im Dritten Reich "arisierten" Großbank Berliner Handelsgesellschaft (BHG).

Die KfW-Niederlassung am Gendarmenmarkt in Berlin. Quelle: KfW-Bildarchiv, Rüdiger Nehmzow

Die jüdischen Eigentümer und Manager mussten zwischen 1933 und 1938 unter dem Druck des Rassenwahns ihre Bank mitsamt des Gebäudes nach und nach aus der Hand geben. Nach Kriegende konfiszierten die russischen Besatzer Bank und Prachtbau. 1949 wurde im Grundbuch anstelle der BHG „Eigentum des Volkes“ eingetragen, und die DDR-Staatsbank zog ein. Nach der Wiedervereinigung wurde 1994 die KfW Hausherr.

Opfer und Erben wurden während all dieser Besitzwechsel nicht entschädigt, die KfW hält bis heute eine Gedenktafel im Gebäude für ausreichend.

Das Historischen Foyer der Berliner KfW-Niederlassung. Quelle: KfW-Bildarchiv, Angelika Kohlmeier

Das Historischen Foyer der Berliner KfW-Niederlassung.

Bild: KfW-Bildarchiv, Angelika Kohlmeier

Vollrad Ritter von Poschinger ist Spross eines rund 900 Jahre alten bayrischen Adelsgeschlechts – und steckt heute mitten in der Auseinandersetzung um das Berliner KfW-Domizil. Poschinger erbte über seine 1998 verstorbene Mutter den Nachlass des BHG-Miteigentümers Otto Jeidels. Poschingers Mutter Elisabeth war dessen Nichte. Den Onkel in seiner Villa am Wannsee und im Bankhaus am Gendarmenmarkt zu besuchen „gehörte zu den lebendigen Kindheitserinnerungen meiner Mutter“, erzählt von Poschinger.

Lange Kette von Ereignissen

Der 65-Jährige sieht sich „als Glied einer langen Kette, bei der Vermögen nachhaltig von einer Generation zur anderen weitergetragen wird“. Er möchte, dass „das doppelte Unrecht, das Otto Jeidels und seinen Geschäftspartnern widerfuhr, nicht auf alle Ewigkeit manifestiert, sondern korrigiert wird“. Und so unterstützt er den Vorstoß der Claims Conference.

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