Neue Eigenkapitalvorschrift: Banken beginnen den großen Ausverkauf

Neue Eigenkapitalvorschrift: Banken beginnen den großen Ausverkauf

, aktualisiert 08. Dezember 2011, 15:19 Uhr
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Auf die europäische Bankenbranche kommen harte Monate zu, wenn sie die neuen Eigenkapitalvorschriften erreichen wollen.

von Peter Köhler, Michael Maisch und Yasmin OsmanQuelle:Handelsblatt Online

Die Geldinstitute stehen unter einem enormen Druck. Um dringend benötigtes Eigenkapital zu bekommen, müssen sie Kreditpakete und ganze Konzernteile abstoßen. Interessenten dafür gibt es genug.

Frankfurt/LondonDie Banken werden in den kommenden Monaten in bisher nicht gekanntem Ausmaß Ballast abwerfen, um ihre Bilanzen zu stärken. So schätzt die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte den Umfang von nicht-strategischem Geschäft und notleidenden Vermögenswerten bei europäischen Banken auf 1,7 Billionen Euro. Allein in Deutschland gehe es dabei um 522 Milliarden Euro, laut einer gerade veröffentlichten Studie. Der Druck auf die Banken, sich von solchen Geschäften zu trennen, ist groß: Die europäischen Aufsichtsbehörden verlangen von den Instituten, ihre Eigenkapitaldecke möglichst schnell zu stärken. Die Lücken, die der jüngste europäische Stresstest aufdeckt, müssen die Institute bis Ende Juni 2012 stopfen.

Außerdem sollen die Banken mehr Liquidität vorhalten und Abgaben zahlen zum Auffüllen von Rettungstöpfen für Krisen. Durch den Verkauf von Konzernteilen oder Kreditbeständen wird bei den Banken Kapital freigesetzt, was wiederum hilft, die Vorgaben der Aufseher zu erfüllen.

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"Eine Bilanzverkleinerung ist das wichtigste Ziel der meisten Strategiepläne von Banken, und das wird 2012 und darüber hinaus höchstwahrscheinlich zu erhöhten Verkäufen führen", sagt Deloitte-Partner Robert Young. Allerdings gibt es auch Entwicklungen, die dem Trend entgegenstehen. Neben dem schwächeren Wirtschaftswachstum und der europäischen Schuldenkrise wirken sich laut Deloitte auch die noch immer sehr unterschiedlichen Preisvorstellungen der potenziellen Käufer und Verkäufer eher bremsend aus. Denn wenn Banken mit zu hohen Verlusten Geschäftsteile verkaufen, können sie damit ja nicht ihre Kapitalquote stärken. "Viele Verkäufe scheitern daran, dass sie sich ökonomisch nicht für uns rechnen", so ein Bankmanager. "Wenn alle zur gleichen Zeit durch die Tür wollen, wird es eng", ergänzt der Vorstandschef einer deutschen Bank.


Negative Folgen für die Realwirtschaft

Für die reale Wirtschaft dürfte der Schrumpfkurs der Banken am Ende negative Folgen haben, wenn die Kreditvergabe beeinträchtigt wird. Nach einer Studie der schweizerischen Großbank UBS werden allein die Banken in der Euro-Zone ihre Bilanzsummen um bis zu 4,5 Billionen Euro schrumpfen lassen, gleichzeitig dürfte so in den kommenden drei Jahren das Kreditvolumen um 1,4 bis 1,7 Billionen Euro abnehmen.
Die Beispiele für Banken, die ihre Kapitaldecke durch Beteiligungs- und Portfolioverkäufe stärken, häufen sich bereits.

Die Deutsche Bank stellt einen Großteil ihrer Vermögensverwaltung zur Disposition

So stellt die Deutsche Bank einen Großteil ihrer Vermögensverwaltung zur Disposition, und die spanische Großbank Santander verkaufte gestern ihre kolumbianische Tochter Banco Santander Colombia an die chilenische Bank Corpbanca für 910 Millionen Euro. Dadurch habe die Bank 615 Millionen Euro Gewinn gemacht, mit dem sie ihr Eigenkapital stärken werde, teilte der spanische Branchenprimus gestern mit.

Der französischen Großbank BNP Paribas wird nachgesagt, ein Private-Equity-Portfolio im Umfang von 700 Millionen Dollar losschlagen zu wollen. Ähnliches schrieb die "Financial Times" kürzlich über die WestLB und ihre Bad Bank EAA, die angeblich über den Verkauf eines 500 Millionen Dollar großen Portfolios verhandeln. Die meisten Institute bemühen sich, zumindest ihren Heimatmarkt weiter zu bedienen. So kündigte die Commerzbank zwar einen Neugeschäftsstopp an, nahm aber die Privat- und Firmenkunden in Deutschland und Polen explizit davon aus. Dennoch will auch die Commerzbank den Verkauf nicht-strategischer Finanzierungen wie der Projekt- oder Exportfinanzierung prüfen.

Zu den Profiteuren der erwarteten Verkaufswelle zählen Versicherer, Banken aus den Schwellenländern und Finanzinvestoren. "Kreditkartenbearbeiter, Wertpapierabwickler und verschiedene Arten von Dienstleistern für die Finanzbranche könnten in den kommenden zwölf bis 24 Monaten verstärkt auf den Markt kommen. Gerade die Dienstleistungsgeschäfte können für Beteiligungsfonds attraktive Übernahmeobjekte sein", sagt Jan Janshen, Geschäftsführer des Private-Equity-Hauses Advent.


Banker hoffen auf Käufer aus dem Finanzsektor

Auch Banken versuchen, vom Ausverkauf der europäischen Institute zu profitieren: "Es sind einige große internationale Banken am Markt, die sich punktuell verstärken wollen", berichtet ein hochrangiger Banker, der ebenfalls einiges zu verkaufen hat. "Unter den potenziellen Käufern sind aber vor allem Banken von außerhalb der Euro-Zone, vor allem aus Schwellenländern", sagt er. Daneben hoffen viele Banker auch auf Käufer aus anderen Bereichen des Finanzsektors. "Zum Teil kann man sicher Portfolios an Versicherer verkaufen", meint ein Banker.

Bei Kreditpaketen wird über hohe Preisnachlässe gefeilscht

Auch der Handel mit faulen Krediten kommt wieder in Fahrt. Interessenten gibt es reichlich, und die Banken sind inzwischen eher bereit, hohe Abschläge auf den Wert der Darlehen zu akzeptieren. So steht die britische Großbank Lloyds offenbar kurz vor dem Verkauf eines 900 Millionen Pfund schweren Pakets von notleidenden Immobilienkrediten. Nach Informationen britischer Medien verhandelt das teilverstaatlichte Geldhaus inzwischen exklusiv mit der Beteiligungsgesellschaft Lone Star über das Projekt. Um den Verkauf unter Dach und Fach zu bringen, soll Lloyds bereit sein, einen Abschlag von rund 40 Prozent auf die Kredite zu akzeptieren.

Es wäre der größte Verkauf dieser Art seit dem Höhepunkt der Finanzkrise 2008. Für das Paket interessierten sich neben Lone Star zahlreiche weitere Private-Equity-Firmen und Pensionsfonds. Auch die Royal Bank of Scotland versucht, ihr Engagement am volatilen Immobilienmarkt abzubauen. Derzeit bemüht sich das Geldhaus, den Verkauf eines Kreditpakets von 1,4 Milliarden Pfund an die Beteiligungsgesellschaft Blackstone abzuschließen. In Frankreich hat die Société Générale ein notleidendes Kreditpaket von 600 Millionen Euro zum Verkauf gestellt und ist offenbar bereit, Abschläge von bis zu 50 Prozent zu akzeptieren.

Quelle:  Handelsblatt Online
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