Oddo-Seydler-Bankchef: "Mr. Shorty" und der Mittelstand

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Oddo-Seydler-Bankchef: "Mr. Shorty" und der Mittelstand

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René Parmantier, Chef der Oddo Seydler Bank, inmitten verlustreichen Firmen.

von Melanie Bergermann und Annina Reimann

Brauchen Mittelständler Geld von der Börse, gibt es oft nur eine Adresse: Oddo Seydler. Die Bank könnte durch eine Fusion mit der BHF-Bank noch gewichtiger werden. Doch der Seydler-Chef René Parmantier fällt durch dubiose Deals und Verluste für Anleger auf.

Andreas Granderath vom Softwareunternehmen P&I schwärmt: Fachkompetent und vertrauensvoll sei der Mann, sein Wort gesetzt, auch wenn eine Abmachung nicht „auf Papier“ stehe. Die Rede ist von René Parmantier, Chef der Oddo Seydler Bank in Frankfurt. „Er ist ein sehr verlässlicher Bankchef“, meint auch Martin Billhardt, Exchef von PNE Wind. Und ein anderer namhafter Unternehmer sagt: „Als es bei uns kriselte, stand nur noch ein Banker treu an unserer Seite: Parmantier.“ So wie diese Kunden schwärmen viele.

Vom Händlertisch in den Chefsessel

  • René Parmantier

    Parmantier, 40, verantwortet die Führung der Oddo Seydler Bank seit 2008. Der Diplom-Betriebswirt kam 2002 zu Seydler. Als Börsenhändler baute er das Designated Sponsoring auf, das die Aktien kleiner Firmen liquide hält. Später leitete er diese Abteilung, qualifizierte sich als Chef.

Wer im Mittelstand Geld über die Börse aufnehmen will, kommt an Parmantier kaum vorbei. „Für Großbanken sind wir zu klein“, sagt der Finanzvorstand eines Mittelständlers. Am Ende käme nur Oddo Seydler infrage. Die Bank hat die meisten Mittelstandsanleihen auf den Markt gebracht, ist Marktführerin im mittelständischen Investmentbanking. Parmantier ist der Banker des börsennotierten Mittelstands.

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Unternehmen besorgt er Millionen – doch unter Investoren ist sein Ruf mittlerweile angekratzt. Ihr Armageddon: der Börsengang der Modekette Steilmann im November 2015, für den sich Parmantier engagierte. „Wir bringen kein Unternehmen an die Börse, das nicht profitabel ist“, zitierte ihn die „Börsen-Zeitung“. Ende März, knapp fünf Monate später, war die überschuldete Steilmann zahlungsunfähig.

Parmantier hatte seine Truppen kräftig Geld für Steilmann sammeln lassen. Allein 2015 legte Oddo Seydler drei Schuldscheine für das Unternehmen auf, brachte eine neue Anleihe auf den Markt und stockte eine alte zweimal auf. Insgesamt besorgte er Steilmann mindestens 74 Millionen Euro. Jetzt brach Steilmann unter der Schuldenlast zusammen.

Die Millionengräber der Oddo Seydler Bank

  • Steilmann

    Bei Steilmann mischt die Bank bei drei Anleihen mit. Gesamtvolumen: 88 Millionen Euro. Im November 2015 bringt sie das Modehaus an die Börse. Insolvenz März 2016.

  • Singulus

    2012 nimmt Singulus 60 Millionen Euro auf. 2016 lässt der Maschinenbauer Zinsen stunden, will Anleihen in Aktien tauschen.

  • Scholz

    Recycler Scholz besorgt die Bank mit anderen 183 Millionen Euro. 2016 muss Scholz umschulden.

  • Friedola

    Freizeitartikelhersteller Friedola leiht sich 2012 dank Seydler 13 Millionen Euro. Insolvenz 2015.

  • Zamek

    Zamek-Suppen beschafft die Bank 45 Millionen Euro. 2014 Insolvenz.

  • Strenesse

    Das Modehaus Strenesse nimmt 12 Millionen Euro per Anleihe auf. Die Insolvenz in Eigenverwaltung folgt 2014, ein Jahr später.

  • 3W Power

    Solarzulieferer 3W Power besorgt die Bank 100 Millionen Euro. Restrukturierung im Jahr 2014.

Parmantier hätte gewarnt sein können: Beim Börsengang hatten seine Leute die Aktie wie sauer Bier angeboten. Sie sammelten weniger als ein Zehntel der geplanten Millionen ein. Ein Blick in den Wertpapierprospekt von Steilmann lässt ahnen, warum: Vor vielen Kennzahlen standen schon vor dem Börsengang Minuszeichen. Oddo Seydler hält dem entgegen, Steilmann hätte einen Gewinn geplant, im vierten Quartal aber sei der Absatz in der Textilbranche eingebrochen, was sie nicht hätten vorhersagen können.

Steilmann könnte für Parmantier zum Bumerang werden: Erste Investoren wenden sich von der Bank ab. „Egal, wie gut ein Wertpapier aussieht, von Oddo Seydler kaufen wir nichts mehr“, sagt ein großer Investor, der der Bank lange treu zur Seite stand.

Bankhaus Oddo & Cie Franzose Philippe Oddo soll Chef der BHF-Bank werden

Der Aufsichtsrat der BHF-Bank will den Franzosen Philippe Oddo in der kommenden Woche zum Chef der BHF-Bank ernennen. Das erfuhr die Redaktion aus Kreisen des Unternehmens. Eine Exklusivmeldung.

Philippe Oddo Quelle: PR

Und doch sieht es mittelfristig so aus, als ob sich sein Einfluss vergrößern könnte: So hat der französische Eigentümer von Oddo Seydler – Philippe Oddo mit seiner Oddo & Cie – kürzlich die BHF-Bank gekauft. BHF-Kreisen zufolge steht eine Fusion zwar kurzfristig nicht an. Doch: „Es macht keinen Sinn, zwei Banken mit teils überlappenden Geschäftszweigen nebeneinander bestehen zu lassen“, sagt ein Kenner. Er vermutet, dass Oddo die BHF zum Institut für Private Banking umbauen könnte. Das Kapitalmarktgeschäft der BHF könne zugunsten von Seydler eingedampft werden. BHF-Chef Oddo sagt dazu, dass er gemeinsam mit Mitarbeitern Ideen entwickeln werde.

Aktienbetreuung als Türöffner

Bei Oddo Seydler hat Parmantier die Abteilung für Aktienbetreuung („Designated Sponsoring“) aufgebaut. Die organisiert für kleine Unternehmen den Handel mit deren Aktien, kauft Anlegern Aktien ab, wenn kein anderer Käufer aktiv ist. „Für Großbanken war die Kurspflege nur ein Randgeschäft; die haben nur Kurse gestellt, auf die niemand handeln konnte“, sagt Ex-Seydler-Aufsichtsrat Gerold Lehmann. Parmantier gewann so „viele Kunden, mit denen er später auch andere Geschäfte machen konnte“, sagt Lehmann. Die Bank ist heute Marktführer im Sponsoring und betreut um die 200 Aktien mittelständischer Unternehmen – von Beate Uhse über Bastei Lübbe bis Borussia Dortmund. Anders als einige Wettbewerber schrieb Seydler stets schwarze Zahlen. Dass in der Finanzbranche oft schlecht über Parmantier gesprochen wird, ärgert Lehmann: „Das sind alles nur Neider. Sein Erfolg spricht für sich.“

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