Offener Brief: Führender Banker rechnet mit Goldman Sachs ab

Offener Brief: Führender Banker rechnet mit Goldman Sachs ab

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In der Kritik: Goldman-Sachs-Chef Lloyd Blankfein

Zwölf Jahre arbeitete Greg Smith für Goldman Sachs. Nun kündigt er und wendet sich in einem Brief an die Öffentlichkeit und greift CEO Blankfein an. Titel: "Warum ich Goldman Sachs verlasse".

Es ist nicht irgendein Banker, der in der "New York Times" in einem offenen Brief seine Stimme erhebt und mit seinem Arbeitgeber abrechnet. Greg Smith bezeichnet sich selbst als Managing Director von Goldman Sachs, verantwortlich für das Aktienderivategeschäft in Europa, dem Mittleren Osten und Afrika. In wohl gewählten Worten beschreibt er, wie sich seine Zeit bei einer der größten Banken der Welt in den vergangenen zwölf Jahren gewandelt hat. Und warum für ihn der Zeitpunkt gekommen ist, zu kündigen.

Greg Smith habe bei Goldman Sachs angefangen, weil nicht nur darum gegangen sei, Geld zu verdienen, es ging seiner Meinung nach auch um Stolz und den Glauben an die Organisation. Er sei traurig, dass er nun keine Spur mehr der einstigen Unternehmenskultur, die das Unternehmen 173 Jahre lang geprägt habe, spüre - einer Kultur von "Integrität, dem Geist der Bescheidenheit und dem Wunsch, immer das richtige für unsere Kunden zu tun". Als Hauptschuldige an diesem Wandel bezeichnet Smith CEO Lloyd Blankfein und Verwaltungsrats-Chef Gary D. Cohn. Smith sei sicher, dass der Verfall der Unternehmensmoral die größte einzelne Bedrohung für das langfristige Überleben des Finanzhauses sei.

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Er sei immer stolz darauf gewesen, seine Kunden - Hedge Funds, Asset Manager mit einem Anlagevolumen von drei Billionen Dollar - das zu raten, was er selbst für richtig erachtete, auch wenn das einmal weniger Gewinn für die Bank bedeutete. Diese Haltung sei zunehmend unpopulär bei Goldman Sachs. Kunden werden nun intern als "Muppets" bezeichnet, in Gesprächen gehe es nur noch darum, das meiste Geld aus ihnen herauszuholen und nicht den langfristigen Erfolg des Kundens im Auge zu haben.

Als Beleg für den Wandel in der Unternehmenskultur führt Greg Smith drei Beispiele an, wie man bei Goldman Sachs heutzutage Karriere mache. Erstens: indem man Kunden dazu bringe, in Produkte zu investieren, die die Bank loswerden will, weil sie zu wenig einbringen. Zweitens: indem man Kunden dazu bringe, in Produkte zu investieren, die den höchsten Gewinn für Goldman Sachs einbringen, egal, ob sie für den Kunden nützlich sind Oder drittens, in dem man mit illiquiden, undurchsichtigen Produkten handele, deren Name aus drei Buchstaben bestehe.

Unter diesen Umständen könne er Studenten bei Recruiting-Veranstaltungen nicht mehr in die Augen schauen, wenn er ihnen erzählen soll, dass die Bank ein toller Arbeitgeber sei.

Investmentbank Imagerettung à la Goldman Sachs

Spenden an die Republikaner und ein Bekenntnis zur gleichgeschlechtlichen Trauung - die Manager von Goldman Sachs versuchen alles, um das ramponierte Image ihrer Bank zu verbessern. Doch leicht wird das nicht.

Lloyd Blankfein, Chairman und CEO von Goldman Sachs Quelle: REUTERS

Am Ende seines Textes rechtfertigt Smith sich, warum er diesen offenen Brief in der "New York Times" schreibt. Er will diesen Brief als "Wake-up-Call" verstanden wissen. Der Kunde soll wieder im Mittelpunkt stehen. "Ohne Kunden werdet ihr kein Geld verdienen. Ihr werdet nicht existieren. Schmeißt die moralisch bankrotten Leute raus, egal, wie viel Geld sie jetzt für die Firma machen."

Das Finanzhaus widersprach den Vorwürfe von Smith. Man stimme nicht mit der Meinung überein, da sie nicht reflektiere, wie Goldman Sachs geführt werde, sagte eine Sprecherin gegenüber dem "Wall Street Journal". "Aus unserer Sicht sind wir nur erfolgreich, wenn unsere Kunden erfolgreich sind."

Unklar sind derzeit noch die Hintergründe zum Abgang von Greg Smith. Laut "Wall Street Journal" habe Greg Smith seine Meinung zum Wandel des Unternehmens bisher nicht gegenüber führenden Managern geäußert.

Rolle von Goldman Sachs in Finanzkrise

Diese jüngste Attacke gibt der Kritik an Goldman weiteren Zündstoff. Politiker und Demonstranten haben der Firma bereits vorgeworfen, mit an der Finanzkrise Schuld zu sein und sich auf Kosten der Kunden bereichert zu haben. Die Bank war bereits zu Anhörungen vor dem US-Kongress wegen ihrer Rolle bei der Finanzkrise geladen worden. Zudem musste sie im Jahr 2010 rund 550 Mill. Dollar zahlen, um Anschuldigungen aus der Welt zu schaffen, Kunden bei forderungsunterlegten Schuldverschreibungen in die Irre geführt zu haben.

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