Online-Bezahlung: Die Banken rennen Paypal hinterher

Online-Bezahlung: Die Banken rennen Paypal hinterher

Lange haben sie das Thema Online-Bezahlung anderen überlassen. Aber aufgrund wachsender Marktanteile von Paypal und Co. wagen die deutschen Geldinstitute mit einem Gemeinschaftsprojekt einen Vorstoß – womöglich zu spät.

Einfach, schnell und sicher seine Online-Käufe bezahlen – das geht schon länger mit Diensten wie Paypal, Sofortüberweisung, Clickandbuy und anderen. Wobei Sicherheit und Datenschutz vielen Deutschen anscheinend noch immer ein Stirnrunzeln abverlangt. Lange waren die Marktanteile dieser Bezahldienste - gemessen am gesamten bargeldlosen Zahlungsverkehr - eher niedrig. Erst seit Februar ist die Bezahlung mit dem Branchenführer Paypal bei Online-Einkäufen tatsächlich das meistgenutzte Verfahren. Das ergab eine Studie des Handelsforschungsinstituts EHI.

Paypal wird der Studie zufolge bei 23,9 Prozent aller Online-Käufe genutzt, der Kauf auf Rechnung demnach in 23,5 Prozent der Fälle. Bei den meistgenutzten Zahlungsmethoden folgt auf Platz drei die Lastschrift, auf Platz vier die Kreditkarte. Andere Zahlungsarten wie Vorkasse, Sofortüberweisung oder Nachnahme spielen demnach nur eine untergeordnete Rolle. Bei höheren Beträgen dominiert nach wie vor die Bezahlung auf Rechnung.

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Den Banken in Deutschland ist die wachsende Online-Konkurrenz ein Dorn im Auge. Nachdem sie sich jahrelang auf ihre bewährten Methoden und ihren guten Ruf als Hausbanken verlassen haben, gehen sie nun mit enormer Verspätung in die Offensive. Die führenden privaten und genossenschaftlichen Banken planen gemeinsam ein Konkurrenzprodukt zum US-Bezahldienst Paypal. Noch Ende dieses Jahres solle der gemeinsame Online-Bezahldienst der deutschen Banken an den Start gehen, erklärte der Privatbankenverband BdB. "Das neue Verfahren steht dann von Beginn an Millionen von Bankkunden zur Verfügung, die bei Online-Händlern einkaufen."

Die zehn wichtigsten jungen Finanzdienste aus dem Internet

  • Erläuterung

    Die zehn wichtigsten jungen Internet-Finanzdienste

    Quelle: Unternehmen, eigene Recherche

  • Avuba

    Geschäftsmodell: Girokonto auf dem Smartphone

    Sitz: Berlin

    gegründet: 2013 von Jonas Piela, Oliver Lukesch und Wilken Bruns

    größte Geldgeber: Business Angels

    Nutzer: nicht veröffentlicht

    Mitarbeiter: 9

  • Ayondo

    Geschäftsmodell: Social Trading: ambitionierte Anleger folgen erfahrenen Spekulanten

    Sitz: Frankfurt, London

    gegründet: 2009 von Robert Lempka und Thomas Winkler

    größte Geldgeber: Luminor Capital

    Nutzer: 80.000

    Mitarbeiter: 47

  • Klarna

    Geschäftsmodell: Internet-Zahldienst und Festgeld

    Sitz: Stockholm, Köln

    gegründet: 2005 von Sebastian Siemiatkowski

    größte Geldgeber: Sequoia Capital, Atomico

    Nutzer: 25 Millionen

    Mitarbeiter: 1.100

  • Kreditech

    Geschäftsmodell: Scoring-Algorithmus zum Aufbau einer digitalen Bank

    Sitz: Hamburg

    gegründet: 2012 von Sebastian Diemer

    Investoren: Värde Partners, Blumberg Capital, Pont Nine Capital 

    Kunden: 2 Millionen Nutzer gescored, bei 9 Niederlassungen

    Mitarbeiter: mehr als 200

    Stand:Oktober 2014

  • Moneymeets

    Geschäftsmodell: Private Finanzplanung über soziales Netzwerk

    Sitz: Köln

    gegründet: 2012 von Dieter Fromm und Johannes Cremer

    größte Geldgeber: Dieter von Holtzbrinck Ventures, Family Offices

    Nutzer: etwa 5000

    Mitarbeiter: 12

  • Smava

    Geschäftsmodell: Vermittlung von Bank- und Privatkrediten

    Sitz: Berlin

    gegründet: 2007 von Alexander Artopé und Eckart Vierkant

    größte Geldgeber: Earlybird

    Nutzer: nicht veröffentlicht

    Mitarbeiter: über 100

  • Stockpulse

    Geschäftsmodell: Kursprognosen durch Auswertung sozialer Netzwerke

    Sitz: Köln

    gegründet: 2011 von Jonas Krauß und Stefan Nann

    größte Geldgeber: Ayondo, eigenes Management

    Nutzer: 2.700

    Mitarbeiter: 7

  • Vaamo

    Geschäftsmodell: Automatisierte Geldanlage

    Sitz: Frankfurt

    gegründet: 2013 von Thomas Bloch, Yassin Hankir und Oliver Vins

    größte Geldgeber: Business Angels

    Nutzer: 200 Testkunden, Ziel bis 2018: 100.000

    Mitarbeiter: 14

  • Weltsparen

    Geschäftsmodell: Festgeldanlagen bei internationalen Banken

    Sitz: Berlin

    gegründet: 2013 von Tamaz Georgadze, Frank Freund, Michael Stephan

    größte Geldgeber: Index Ventures

    Nutzer: Etwa 5.000

    Mitarbeiter: 30

  • Wikifolio

    Geschäftsmodell: Social Trading: Anleger folgen erfahrenen Händlern und Profis

    Sitz: Wien

    gegründet: 2011 von Andreas Kern

    größte Geldgeber: Speedinvest, Verlagsgruppe Handelsblatt

    Nutzer: 28.000

    Mitarbeiter: 24

Die Kunden könnten Internet-Einkäufe auf diese Weise direkt vom eigenen Girokonto bezahlen. Die Banken hoffen, dass Bindung und Vertrauen zur eigenen Hausbank dem neuen Dienst einen Nachfrageschub bescheren. Beteiligt an dem Projekt seien unter anderem Commerzbank und deren Tochter Comdirect, Deutsche Bank und Postbank, die HypoVereinsbank sowie die genossenschaftlichen Spitzeninstitute DZ Bank und die WGZ Bank.

Auch die Sparkassen hätten die Absicht sich zu beteiligen, hieß es. Allerdings sei eine Projektbeteiligung noch nicht abschließend entschieden. Noch im August 2014 sah es so aus, als wollten die Sparkassen einen eigenen Online-Bezahldienst im Alleingang aufbauen.

Konkurrenz für PayPal Sparkassen ziehen eigenen Online-Bezahldienst auf

Die Sparkassen steigen aus einem gemeinsamen Projekt für eine PayPal-Alternative aus. Wie unsere Redaktion erfuhr, wollen sie nun im Alleingang einen Online-Bezahldienst aufziehen.

Logo der Sparkasse Quelle: dpa

Für die technische Abwicklung haben die privaten und genossenschaftlichen Banken die Gesellschaft für Internet und mobile Bezahlungen (GIMB) gegründet. Auch die öffentlich-rechtlichen Banken, die sich lange geziert haben, wollen der GIMB beitreten, hat Helaba-Chef Hans-Dieter Brenner angekündigt.

Der Entwurf sieht vor, dass Kunden mit Benutzername und Passwort zahlen können, die fälligen Beträge würden dann vom Girokonto abgebucht. Wie der Bezahldienst heißen soll, gaben die Banken noch nicht bekannt. Wie das "Handelsblatt" berichtet, könnte er „Pay Direkt“ heißen. Auch die Spitzeninstitute der genossenschaftlichen Banken sollen angeblich mitmachen.

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Kritiker befürchten jedoch, dass der Vorsprung von Paypal nicht mehr einzuholen ist. Anbieter wie die Ebay-Tochter seien für ihn größere Konkurrenten als andere Geldhäuser, sagt beispielsweise HypoVereinsbank-Chef Theodor Weimer. "Die wahre Schlacht wird nicht zwischen den Banken geschlagen." Der Paypal-Konkurrent der deutschen Banken kommt aus Weimers Sicht deshalb viel zu spät: "Nachdem die anderen 45 Prozent Marktanteil haben, fangen wir an. Guten Morgen!", kommentierte er.

Außerdem wird kritisiert, dass das geplante Angebot zu sehr dem Paypal-Angebot entspricht, aber kaum darüber hinausgeht, wie das "Handelsblatt" berichtet. Zwar gebe es auch einen Käuferschutz und eine Zahlungsgarantie für Händler. Moderne Funktionen, wie sie auf dem Markt bereits existieren, fehlten jedoch im Entwurf.

Den Marktführer Paypal zu übertrumpfen dürfte daher sehr schwierig werden – zumal auch mächtige US-Konzerne wie Apple oder Facebook mit eigenen Diensten in den Markt vordringen.

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