Oppenheim-Prozess: Schwere Vorwürfe gegen Ex-Bankiers

Oppenheim-Prozess: Schwere Vorwürfe gegen Ex-Bankiers

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Der ehemalige Banker Friedrich Carl Janssen.

In Köln steuert der Prozess gegen die Ex-Chefs der Bank Sal. Oppenheim auf seinen Höhepunkt zu. Den Angeklagten, die bislang nicht kooperieren, drohen harte Strafen.

Im Strafprozess gegen die frühere Führung des Bankhauses Sal. Oppenheim hat die Staatsanwaltschaft Gefängnisstrafen für alle vier Angeklagten gefordert. Für Matthias Graf von Krockow, ehemaliger Sprecher der persönlich haftenden Gesellschafter, plädierte die Anklage am Donnerstag auf drei Jahre und drei Monate. Christopher Freiherr von Oppenheim soll zwei Jahre und acht Monate erhalten. Für Dieter Pfundt verlangte die Staatsanwaltschaft vor dem Kölner Landgericht zwei Jahre und zehn Monate. Für Friedrich Carl Janssen hält die Anklage drei Jahre und sechs Monate für angemessen - die höchste Forderung. Die vier Angeklagten hätten sich der „gemeinschaftlich begangenen Untreue in besonders schwerem Fall“ schuldig gemacht.

Sal. Oppenheim Der tiefe Sturz der Oppenheims

Der Prozess nähert sich dem Ende, den früheren Chefs der Kölner Privatbank drohen Gefängnis und wirtschaftlicher Ruin. Macht, Geld, der gute Ruf? Alles verloren. Der tragische Fall einer großen Unternehmer-Familie.

Quelle: Getty Images, dpa, Montage

Bis zu einer Höhe von zwei Jahren können Freiheitsstrafen zur Bewährung ausgesetzt werden. Nach Vorstellung der Anklage sollen also alle vier früheren Topbanker ins Gefängnis gehen. Das Ex-Führungsquartett der Bank steht seit über zwei Jahren vor Gericht, das Urteil wird im Juni erwartet. Ihr einstiger Geschäftspartner Josef Esch, der nur noch wegen Verstoßes gegen das Kreditwesengesetz angeklagt ist, soll der Anklage zufolge lediglich eine Geldstrafe „in Höhe von 90 Tagessätzen“ zahlen.
In einem der größten deutschen Wirtschaftsprozesse geht es vor allem um Kredite an den inzwischen pleitegegangenen Karstadt-Mutterkonzerns Arcandor, außerdem um ein Immobiliengeschäft in Frankfurt. Oberstaatsanwalt Torsten Elschenbroich sagte, die Ex-Banker hätten Sal. Oppenheim gefährdet, seien ihrer Verantwortung nicht nachgekommen und hätten ihre Entscheidungen nicht am Wohl des Geldhauses ausgerichtet.

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Die fünf Angeklagten im Sal. Oppenheim-Prozess

  • Matthias Graf von Krockow

    ... ist mit den Oppenheims verschwägert und war seit 1998 der Sprecher der vier persönlich haftenden Gesellschafter - und somit eine Art Vorstandschef. Kurz vor der Übernahme von Sal. Oppenheim durch die Deutsche Bank schied er 2009 aus. Seinem Anwalt zufolge übernimmt er im unternehmerischen Sinne die Verantwortung für seine Entscheidungen, sieht aber keine strafrechtliche Relevanz. Durch die Beinahe-Pleite habe auch er selbst den Großteil seines eigenen Vermögens verloren.

  • Friedrich Carl Janssen

    ... war ebenfalls persönlich haftender Gesellschafter. Der frühere Wirtschaftsprüfer kam 2002 zu Sal. Oppenheim, war ab 2004 für das Risikomanagement verantwortlich. Vier Jahre später wurde er vorübergehend Aufsichtsratschef beim später pleitegegangenen Karstadt-Mutterkonzern Arcandor. Im Strafprozess hat er sich als einen erst spät Hinzugekommenen „ohne Führungsanspruch“ dargestellt. Im Nachhinein werte er seinen Wechsel zu Sal. Oppenheim als „Fehler“.

  • Dieter Pfundt

    ... war Chef des Investmentbankings. In den Krisenjahren machte das Investmentgeschäft Riesenverluste. Auch er hat im Strafverfahren seine Rolle als eher klein dargestellt.

  • Chirstopher Freiherr von Oppenheim

    ... war der Namensträger im früheren Topmanagement, er ist Ururururenkel des Bankengründers. CvO war zuständig für das exklusive Privatkunden-Geschäft. Er wollte das Geldhaus in Krisenzeiten radikal verkleinern, um die Unabhängigkeit zu wahren. Das dafür nötige Kapital fehlte aber. Janssen und Pfundt sagten im Strafprozess aus, die eigentliche Macht habe bei CvO und dem Grafen gelegen. Doch von Oppenheim selbst sah sich nach eigener Aussage zunehmend von Entscheidungsprozessen abgeschnitten.

  • Josef Esch

    ... ist ein Immobilienunternehmer aus Troisdorf bei Bonn. Zusammen mit der Bank legte der gelernte Maurerpolier Dutzende Fonds auf. Im Prozess präsentierte er sich als Außenstehender, der in die inneren Bankvorgänge nicht einbezogen gewesen sei. Dagegen schilderten ihn Zeugen wie der frühere Arcandor-Chef Thomas Middelhoff und die Großaktionärin Madeleine Schickedanz als zentralen Entscheidungsträger.

Laut Anklage gewährten die vier Ex-Chefs der Arcandor-Aktionärin Madeleine Schickedanz - verschleiert über ein „Strohmann-Geschäft“ - 2005 einen Kredit über 380 Millionen Euro. Sie hätten damit gesetzliche Meldepflichten umgangen. Man habe internen und externen Kontrollorganen Informationen vorenthalten oder diese vorsätzlich getäuscht. Es habe sich „ein großes Klumpenrisiko“ aufgebaut. 2008 wurde die Bank Arcandor-Großaktionärin. Dabei hätten die einstigen Topbanker gehandelt, ohne dass ihnen ein konkreter Plan zur Konzern-Sanierung vorgelegen habe, warf ihnen Elschenbroich vor. 

Äußerungen von Graf Krockow und von Oppenheim im Prozess wertete die Staatsanwaltschaft als Geständnis. Auch Pfundt und Janssen, die eine Schuld zurückweisen, waren laut Anklage in Taten und Entscheidungen voll einbezogen gewesen, hätten alle Fakten gekannt und seien schuldig. Krockow und Oppenheim hatten eingeräumt, Entscheidungen auf unzureichender Informationsgrundlage getroffen zu haben.

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Die Vorsitzende Richterin Sabine Grobecker hatte bereits im Januar durchblicken lassen, dass sie alle Angeklagten für schuldig hält. Laut Kammer haben die vier Bankenchefs Sal. Oppenheim einen „Schaden im hohen zweistelligen, wenn nicht dreistelligen Millionenbereich“ zugefügt. Aber nicht, um sich persönlich zu bereichern. Die Verteidigung wird in den nächsten Wochen ihre Plädoyers halten. Die einst größte europäische Privatbank war mit Arcandor in den Abwärtssog geraten. Heute gehört sie - stark verkleinert - zur Deutschen Bank.

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