Paukenschlag in München: Ex-Chef der Hypo Real Estate bleibt Prozess fern

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Paukenschlag in München: Ex-Chef der Hypo Real Estate bleibt Prozess fern

von Matthias Kamp

Im Musterprozess um Schadensersatz für HRE-Anleger verweigert der Ex-Vorstandsvorsitzende Georg Funke die Aussage und erscheint anders als angekündigt nicht vor Gericht. Der Anwalt der Kläger fühlt sich indes durch die Zeugenaussage eines britischen Fondsmanagers bestärkt.

Die Erwartungen waren gewaltig, der Gerichtssaal im Münchner Justizpalast am Karlsplatz bis auf den letzten Platz gefüllt. Einige der Besucher müssen stehen, andere sitzen auf dem Boden. Draußen haben die TV-Stationen ihre Übertragungswagen geparkt. Am Mittag soll Georg Funke, ehemaliger Chef der inzwischen verstaatlichten Hypo Real Estate erscheinen und als Zeuge vernommen werden.

Doch dann die Überraschung: Um kurz vor 13 Uhr erklärt Funkes Anwalt, der Zeuge werde nicht erscheinen und von seinem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch machen. Die Entscheidung, so der Anwalt, sei gestern bei einem persönlichen Gespräch zwischen ihm und Funke in München gefallen. Grund: die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen, die derzeit gegen den ehemaligen HRE-Chef laufen. Funke, sagt sein Anwalt, halte sich derzeit in München auf.

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In dem Musterprozess in München versucht der Anwalt Andreas Tilp für seinen Mandanten Christian Wefers stellvertretend für mehrere Dutzend institutionelle Anleger von der HRE Schadenersatz in Höhe von 1,1 Milliarden Euro zu erstreiten. Der Vorwurf: Funk habe die Anleger zu Beginn der Finanzkrise viel zu lange über den wahren Zustand der HRE im Unklaren gelassen. Am 15. Januar 2008 musste die inzwischen verstaatlichte HRE Abschreibungen auf CDOs in Höhe von 390 Millionen Euro bekannt geben.

Licht ins Dunkel der Geschehnisse rund um den Jahreswechsel 2007/2008 soll ein Zeuge aus Großbritannien bringen. Damals verhandelte Funke mit der in Irland ansässigen Depfa-Bank über eine Fusion. Robert Machell war seinerzeit Fondsmanager des britischen Fonds Governance for Owners, der eine Beteiligung an der Depfa hielt. Für eine Fusion brauchte Funke die Zustimmung der Briten. Machell berichtet über verschiedene Treffen und Telefonate mit Funke, zu denen er sich ausführliche Notizen machte.  Den Businessplan der Depfa, erzählt Machell dann, habe Funke bei einem Telefonat im September 2007 als „Phantasie“ bezeichnet. Von einem bis dato unbekannten Kreditbuch soll die Rede gewesen, das der Depfa noch „über Jahre Verluste im mittleren zweistelligen Millionen-Euro-Bereich“ bescheren könne. Machell erklärt, er habe damals im Kopf schnell überschlagen und kam auf eine halbe Milliarde Euro. Die Depfa war in den Neunzigerjahren in großem Stil in das Geschäft mit Staatsanleihen in Ländern wie Italien und Griechenland eingestiegen.

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Laut der Aktennotiz des Fondmanagers aus Großbritannien habe Funke auch bereits im Dezember 2007 eine Ad-hoc-Meldung zu den drohenden Abschreibungen auf CDOs herausgeben wollen. Seine Anwälte hätten ihn aber davon abgehalten. Die Ad-hoc-Meldung kam schließlich Mitte Januar; laut Machell habe der Aufsichtsrat Funke dazu gezwungen.

Für Aufruhr sorgt Anwalt Tilp, als er bis dahin unbekannte Aktennotizen Machells, die sich offenbar auf dessen Gesprächsnotizen aus Treffen mit Funke beziehen, aus der Tasche zieht. Danach habe Funke beispielsweise in Telefonaten zum Zusammengehen von HRE und Depfa Bedenken zur Entwicklung der US-Immobilienmarkte bei Seite gewischt. Richter Guido Kotschy, der auch den Schadensersatzprozess der Kirch-Erben gegen die Deutsche Bank leitet, reagiert ungehalten auf Tilps Enthüllungen. In Zivilprozessen müsse solches Material dem Gericht und den anderen Parteien vorab zugänglich gemacht werden. Es könne passieren, ermahnt Kotschy den Rechtsanwalt, dass er ihm eine Frist für die Beibringung von Beweismaterial setze.

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